piwik no script img

FC Bayern im CL-HalbfinaleSpielen und Lernen auf höchstem Niveau

Der FC Bayern ist trotz des Scheiterns im Halbfinale gegen Paris St. Germain optimistisch. Der sehr guten Saison soll nun eine noch bessere folgen.

Schneller Fußball: Hier mit Vorteilen für Desire Doue von Paris St. Germain Foto: Kai Pfaffenbach/reuters

Aus München

Elisabeth Schlammerl

Da saß Vincent Kompany, wo er immer nach Heimspielen des FC Bayern sitzt und über das Spiel seiner Mannschaft spricht. Eine Stunde zuvor hatte er den bittersten Moment in dieser Saison erlebt, vielleicht war es sogar der bitterste in seiner noch kurzen Trainerkarriere in München. Aber wer Kompany beobachtete, ohne auf seine Worte zu achten, stellte keinen großen Unterschied fest zu all den vorangegangenen, meist erfolgreichen Spielen in dieser Saison.

Da saß kein geknickter Trainer, bei dem die verpasste Chance auf den Champions-League-Sieg sichtbare Spuren hinterließ, dieses 1:1 im Halbfinal-Rückspiel gegen Paris St. Germain (PSG), das das Aus bedeutete. Kompany sagte, er habe „nicht die Fähigkeit lange enttäuscht zu sein“, sich groß aufzuhalten mit Ereignissen, die ohnehin nicht mehr zu ändern sind. „Ich bin schon ziemlich motiviert für die nächste Saison.“

Um es besser zu machen als dieses Mal, als in dieser Partie am Mittwochabend in der Münchner Arena, in der es die Bayern nicht so gut gemacht haben wie sonst. Sie sind zwar wie so oft in dieser Saison in Rückstand geraten, aber dieses Mal setzte das Gegentor nicht die übliche Energie frei. Im Gegenteil Osmane Dembelés 1:0 schien sie zu beeindrucken, der Ausgleich von Harry Kane in der Nachspielzeit kam zu spät. „Wir waren keine Killer in der Offensive“, stellte Torhüter Manuel Neuer im Dazn-Interview fest.

PSG ist eben im Moment noch eine Nuance größer als die Bayern. Vielleicht weil die Mannschaft von Trainer Luis Enrique auch eine andere Facette des Spiels beherrscht, jene, die gar nicht ihrem Charakter entspricht, aber eben notwendig sein kann, um erfolgreich zu sein. Die Franzosen, die nun am 30. Mai in Budapest gegen Arsenal London um den Henkelpott spielen, bewiesen, dass sie auch sehr, sehr gut verteidigen können. „Heute war unsere Defensive besser als die Offensive“, stellte Enrique fest. PSG gab das aggressive Pressing weitgehend auf und zog sich tief in die eigene Hälfte zurück. Nichts, was für die Bayern neu ist, in der Bundesliga agiert so fast jeder Gegner, aber eben unerwartet, weil in diesem Spiel jeder mit einem ähnlichen Spektakel wie in der Woche zuvor beim 5:4 für PSG gerechnet hat.

Die stärkste Saison überhaupt

Und dann war da auch ein in K.o.-Spielen unerfahrener Schiedsrichter, der im Zweifel eher für den Titelverteidiger entschied wie beim Handspiel von Nuno Mendes. Da gab es nicht Gelb-Rot für den bereits verwarnten Außenverteidiger, sondern Freistoß für Paris, weil Joao Pinheiro zuvor ein Handspiel von Laimer gesehen haben wollte. Als Ausrede sollte das aber nicht herhalten. „Um erfolgreich zu sein, muss man mit verschiedenen Situationen umgehen“, sagte Jonathan Tah.

Die Bayern versuchten, sich nicht mehr lange mit dem Unabänderlichen zu beschäftigen. „Ich glaube nicht, dass uns das irgendwie umwerfen oder vom Weg abbringen wird“, sagt Joshua Kimmich – auch mit Blick auf das Finale im DFB-Pokal in gut zwei Wochen gegen den VfB Stuttgart. „Das war, glaube ich, die bisher stärkste Saison, die wir gespielt haben“, sagte Kimmich. Stärker als die Triplesaison 2020, findet er. „In dieser Konstanz, in dieser Art und Weise, mit so einer Truppe in der Kabine – das habe ich selten erlebt.“ Die Saison zum ersten Mal seit 2020 mit mehr als einem Titel abzuschließen, habe eine „große Relevanz“, findet der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen.

Dieses Halbfinal-Aus in der Königsklasse ist vielleicht so etwas wie eine weitere Station auf der Reise, die mit Kompany in der vergangenen Saison begonnen hatte. „Wir haben letztes Jahr etwas gelernt, wir werden dieses Jahr wieder etwas daraus lernen. Und dann werden wir nächstes Jahr wieder angreifen“, sagte Sportvorstand Max Eberl.

Eine Mannschaft also, die noch nicht an ihrer Leistungsgrenze angekommen ist? Für Kompany keine Frage: „Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass wir nächste Saison noch einmal einen Schritt machen.“ Mit etwas modifiziertem Kader, da neben den bereits feststehenden Abgängen Leon Goretzka, Raphael Guerreiro und Nicolas Jackson noch ein paar weitere nicht zur Stammelf zählende Spieler abgegeben werden sollen. Auch Kimmich ist sicher, dass diese Reise nur unterbrochen, aber noch nicht zu Ende ist. „Ich sitze in der Kabine und habe das Gefühl, dass wir mit dieser Mannschaft die Champions League noch gewinnen können.“ Nicht am Ende dieses Monats in Budapest, sondern in einem Jahr in Madrid. Vielleicht.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare