Fair Play in der Bundesliga: Fehltritte der Selbstvergewisserung
Ein zertretener Elfmeterpunkt löst eine große Debatte aus. So kann man sich um die wirklich wichtigen Fragen von Fairness bestens drücken.
W ie viel Unfairness darf denn bitte im Spiel sein in der Fußball-Bundesliga? Derart große Fragen werden im deutschen Fußball ungern grundsätzlich diskutiert.
Umso dankbarer werden die Lenker der Liga dem Wolfsburger Profi Jeanuël Belocian für diesen kleinen, kurzen Moment sein, in dem er den Elfmeterpunkt mit seinen Stollen zu einer Stolperfalle umpflügte. Bayerns größter Elfmeterexperte Harry Kane tappte hinein und verpatzte zum ersten Mal in einer Ligapartie einen Strafstoß. Es war der Aufreger des Spieltags. Die Liga braucht ab und an gerade solche banalen fiesen Fehltritte, um sich allseits vergewissern und verständigen zu können, was gut und böse ist. So kann man den hehren Fairnessgedanken umso demonstrativer vor sich hertragen.
Mit etwas Abstand hätte dieser Spieltag genug Anlass für andere und größere Fairnessdebatten geboten. Dass etwa die Wolfsburger bei Anpfiff schon um die Niederlage des direkten Konkurrenten St. Pauli wussten, wäre früher, als alle Partien am vorletzten Spieltag zeitgleich angepfiffen werden mussten, nicht möglich gewesen. Doch die Mehreinnahmen von TV-Geldern durch Einzelvermarktung wiegen mittlerweile mehr als der Fairness-Gedanke.
Im Sinne des Ideals eines fairen Wettbewerbs ist es auch eher nicht, dass Audi, die Tochter des VW-Konzerns und des Eigners des VfL Wolfsburg, wiederum Anteilseigner beim FC Bayern München ist. Dank des Auswärtserfolgs der Gäste konnte diese Debatte noch einmal kleingehalten werden.
Fair-Play-Medaille für Kompany?
Und freilich könnte man ketzerisch fragen, ob das unfaire Verhalten von Belocian nicht dazu diente, eine andere riesige Fairnesslücke zu verkleinern. Wird der FC Bayern nicht völlig unverhältnismäßig von dem neoliberalen Fußballsystem begünstigt?
Aber selbst, wenn man nur auf diese kleine Szene blickt, ist die Frage nach Fairness und Unfairness nicht so leichtfertig rein moralisch zu beantworten. Vincent Kompany, der Trainer des FC Bayern, gab zu bedenken, was der Wolfsburger Spieler denn machen solle. „Einfach absteigen, ohne alles zu versuchen? Das geht nicht.“
Für diesen Gedanken gehört Kompany möglicherweise die jährlich vergebene Fair Play-Medaille des DFB verliehen. Denn anhand der Vergabe dieser Plakette in den letzten Jahren lässt sich ganz gut ausmachen, wie schwer man sich tut, im Profigeschäft Fairness aufzuspüren.
Nick Woltemade wurde vergangene Saison dafür ausgezeichnet, dass er nach dem DFB-Pokalsieg erst die Bielefelder tröstete, bevor er feierte. Voll krass! Das Maximum an Fairness! Mehr hatte kein anderer zu bieten.
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