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Fair Play in der BundesligaFehltritte der Selbstvergewisserung

Ein zertretener Elfmeterpunkt löst eine große Debatte aus. So kann man sich um die wirklich wichtigen Fragen von Fairness bestens drücken.

Erster Fehlschuss von Harry Kane vom dieses Mal zertretenen Elfmeterpunkt in der Bundesliga Foto: Christian Schroedter/imago

W ie viel Unfairness darf denn bitte im Spiel sein in der Fußball-Bundesliga? Derart große Fragen werden im deutschen Fußball ungern grundsätzlich diskutiert.

Umso dankbarer werden die Lenker der Liga dem Wolfsburger Profi Jeanuël Belocian für diesen kleinen, kurzen Moment sein, in dem er den Elfmeterpunkt mit seinen Stollen zu einer Stolperfalle umpflügte. Bayerns größter Elfmeterexperte Harry Kane tappte hinein und verpatzte zum ersten Mal in einer Ligapartie einen Strafstoß. Es war der Aufreger des Spieltags. Die Liga braucht ab und an gerade solche banalen fiesen Fehltritte, um sich allseits vergewissern und verständigen zu können, was gut und böse ist. So kann man den hehren Fairnessgedanken umso demonstrativer vor sich hertragen.

Mit etwas Abstand hätte dieser Spieltag genug Anlass für andere und größere Fairnessdebatten geboten. Dass etwa die Wolfsburger bei Anpfiff schon um die Niederlage des direkten Konkurrenten St. Pauli wussten, wäre früher, als alle Partien am vorletzten Spieltag zeitgleich angepfiffen werden mussten, nicht möglich gewesen. Doch die Mehreinnahmen von TV-Geldern durch Einzelvermarktung wiegen mittlerweile mehr als der Fairness-Gedanke.

Im Sinne des Ideals eines fairen Wettbewerbs ist es auch eher nicht, dass Audi, die Tochter des VW-Konzerns und des Eigners des VfL Wolfsburg, wiederum Anteilseigner beim FC Bayern München ist. Dank des Auswärtserfolgs der Gäste konnte diese Debatte noch einmal kleingehalten werden.

Fair-Play-Medaille für Kompany?

Und freilich könnte man ketzerisch fragen, ob das unfaire Verhalten von Belocian nicht dazu diente, eine andere riesige Fairnesslücke zu verkleinern. Wird der FC Bayern nicht völlig unverhältnismäßig von dem neoliberalen Fußballsystem begünstigt?

Aber selbst, wenn man nur auf diese kleine Szene blickt, ist die Frage nach Fairness und Unfairness nicht so leichtfertig rein moralisch zu beantworten. Vincent Kompany, der Trainer des FC Bayern, gab zu bedenken, was der Wolfsburger Spieler denn machen solle. „Einfach absteigen, ohne alles zu versuchen? Das geht nicht.“

Für diesen Gedanken gehört Kompany möglicherweise die jährlich vergebene Fair Play-Medaille des DFB verliehen. Denn anhand der Vergabe dieser Plakette in den letzten Jahren lässt sich ganz gut ausmachen, wie schwer man sich tut, im Profigeschäft Fairness aufzuspüren.

Nick Woltemade wurde vergangene Saison dafür ausgezeichnet, dass er nach dem DFB-Pokalsieg erst die Bielefelder tröstete, bevor er feierte. Voll krass! Das Maximum an Fairness! Mehr hatte kein anderer zu bieten.

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taz-Sportredakteur
Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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3 Kommentare

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  • Etwas zynisch könnte man unken:



    Fairness muss man sich auch leisten können.



    Als Vorhersage im Februar bei tz.de



    "Ex-FC-Bayern-Keeper Hans-Jörg Butt, schränkte aber ein: „88 Prozent als Quote zeigen auch, dass es 100 Prozent nicht geben wird – selbst nicht bei ihm. Auch er hat schon mal wichtige Elfmeter verschossen.“



    Damit meint Butt, der einst selbst erfolgreich zu Elfmetern antrat, beispielsweise den verschossenen Elfmeter von Kane im WM-Viertelfinale 2022 gegen Frankreich. Kane sei „auch nur ein Mensch“, betonte Butt und sagte vorher: „Irgendwann wird halt mal einer daneben gehen.“



    Der Untertitel der taz mit Unterton war aber:



    "So kann man sich um die wirklich wichtigen Fragen von Fairness bestens drücken."



    Ein wiederkehrender Streitpunkt diese Saison war der VAR, denn seine Rolle ist alles andere als klar und auch nicht in jedem Falle gerecht.



    Eine Umfrage unter "Berufenen" und Fans dazu würde mich schon interessieren.



    Die Pseudogenauigkeit der Technik sollte allen zu denken geben, aus guten Gründen:



    www.dts-nachrichte...2176917&id2=777777

  • Woltermade war aber nicht allein!



    /



    "Nationalspieler Nick Woltemade und Ervin Fetahovic, Trainer der C-Junioren der SG Markgräflerland, sind die fairsten Akteure der Saison 2024/2025. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Woltemade und Fetahovic am heutigen Montag im Rahmen des öffentlichen Trainings der deutschen Nationalmannschaft in Wolfsburg mit der Fair-Play-Medaille ausgezeichnet."



    Quelle:



    www.dfb.de/news/ni...fair-play-medaille

  • Wenn die anderen gewinnen, dann zertreten wir ihnen wenigstens den Rasen: alte Fußballerweisheit.



    Wolfsburg darf gerne direkt absteigen, zumal wenn deren einzigen Punkte die zertretenen im Strafraum sind.