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Tarifeinigung öffentlicher DienstKein Grund zur Freude

Pascal Beucker

Kommentar von

Pascal Beucker

Die Tarifeinigung im öffentlichen Dienst bringt keinem echten Gewinn. Um die Mehrbelastung für Kommunen zu stemmen, ist ein Altschuldenschnitt nötig.

D ie Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen ist durchwachsen. Grund zur Freude haben weder die Beschäftigten noch die Arbeitgeber. Von einem „schwierigen Ergebnis in schwierigen Zeiten“ spricht der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke. Das trifft es recht präzise. Die Gewerkschaft hat zwar einiges an Verantwortungsbewusstsein bewiesen, aber das könnte für sie einen hohen Preis haben. Das Murren in der Mitgliedschaft ist nicht gering. Auf der anderen Seite sind die chronisch klammen Kommunen tatsächlich bis an ihre Schmerzgrenzen gegangen.

5,8 Prozent mehr Lohn klingen zwar auf den ersten Blick nicht schlecht, genauer betrachtet sieht es jedoch etwas anders aus. Denn die Gehaltssteigerung verteilt sich auf zwei Etappen: die erste ab diesem Monat, die zweite kommt erst im Mai 2026. 3 Prozent ab April bedeutet auf das Jahr gerechnet 2,25 Prozent – also eine Gehaltssteigerung nur ganz knapp über der Inflations­rate. Das ist nicht einmal ein Drittel von jenen 8 Prozent, die Verdi für 2025 gefordert hatte.

Die Möglichkeit, die Wochenarbeitszeit individuell auf bis zu 42 Stunden ansteigen zu lassen, dürfte ebenfalls auf wenig Begeisterung stoßen, da sich erst noch zeigen muss, ob die vereinbarte Freiwilligkeit auch wirklich in der Praxis gilt. Die Gewerkschaftsspitze wird einige Überzeugungsarbeit leisten müssen, warum sie trotzdem zugestimmt hat – wenn ihre Mitgliederbefragung über die Tarifeinigung kein Desaster werden soll.

Im vergangenen Jahr verzeichneten die Kommunen ein Rekorddefizit. Nun gehen sie von jährlichen Mehrkosten durch den Tarifabschluss in Höhe von mehr als 10 Milliarden Euro aus. Das wird angesichts ihrer zum Teil dramatischen Verschuldung für viele Städte und Gemeinden nur schwer zu stemmen sein. Die Gefahr, dass dies auf Kosten der kommunalen Infrastruktur geht, ist groß. Ein Ausweg wäre jedoch nicht ein Lohnverzicht. Erforderlich wäre vielmehr, dass sich Bund und Länder endlich auf einen – schon lange versprochenen – Altschuldenschnitt für überschuldete Kommunen verständigen. Nur dadurch bekämen sie wieder die notwendige Luft zum Atmen.

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Pascal Beucker

Pascal Beucker Inlandsredakteur

Jahrgang 1966. Arbeitet seit 2014 als Redakteur im Inlandsressort und gehört dem Parlamentsbüro der taz an. Zuvor fünfzehn Jahre taz-Korrespondent in Nordrhein-Westfalen. Seit 2018 im Vorstand der taz-Genossenschaft. Sein neues Buch "Pazifismus - ein Irrweg?" ist Mitte vergangenen Jahres im Kohlhammer Verlag erschienen.
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8 Kommentare

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  • Es wäre sicher auch kein Fehler, wenn der Bund für die Kosten geradesteht, die er den Kommunen aufbürdet, wie z.B. Kita und Unterbringung von Flüchtlingen/Migranten.

    Ansonsten gilt: Wenn ein Kompromiss beiden Seiten weh tut, ist er nicht so schlecht.

    • @Carsten S.:

      nein, das ist die schlimmste Art von Kompromiss, da sich keiner der beiden dazu verpflichtet fühlt sich dran zu halten.

  • Haltung und Mienen auf dem Bild sind wirklich bezeichnend. Gut ausgewählt.

  • Hmmm, ich dachte immer Schulden der öffentlichen Hand sind kein Problem!?



    Oder verstehe ich das mal wieder nicht richtig?

    • @Tom Farmer:

      Sie verstehen es nicht richtig. Die Kommunen geben schließlich keine Staatsanleihen heraus.

    • @Tom Farmer:

      Ja, Staatsschulden, das sei gar kein echtes Geld. So hieß es jüngst immer mal wieder.

  • Man könnte auch die Guten, die man hat, gut bezahlen und die Schlechten, für die man auch noch die Arbeit mitmachen muss, rauswerfen. Ein Drittel der Leute wäre sicher verzichtbar.

    • @Querbeet:

      Einen Trump gefrühstückt?



      Vielleicht mal an den Arbeitsbedingungen was ändern und die richtigen Werkzeuge bereitstellen. Denn die Guten haben sicher auch keine Lust unendlich viel Mehrarbeit zu leisten.