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Studie zu medizinischer BetreuungPsychisch kranke Geflüchtete weiter massiv unterversorgt

Keine vier Prozent der traumatisierten Asyl­be­wer­be­r*in­nen bekommen Therapie, zeigt ein Bericht. Auf dem Land ist die Lage besonders dramatisch.

Nur sehr wenige Geflüchtete bekommen die psychologische Hilfe, die sie brauchen. Das zeigt ein neuer Bericht der psychosozialen Zentren (PSZ), die versuchen, sich um die Betroffenen zu kümmern.

Demnach gelang es den Zentren mit ihren begrenzten Ressourcen im vergangenen Jahr, nur 30.000 Geflüchtete zu erreichen – das sind weniger als vier Prozent aller Hilfsbedürftigen. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz lag bei fast acht Monaten.

Ex­per­t*in­nen gehen davon aus, das je­de*r dritte Geflüchtete an posttraumatischen Störungen leidet, die häufig mit belastenden Erfahrungen auf der Flucht oder im Herkunftsland zu tun haben. Die ersten drei Jahre in Deutschland sind viele Asyl­be­wer­be­r*in­nen weitgehend vom regulären Gesundheitssystem ausgeschlossen, nur die Behandlungskosten für akute Beschwerden übernimmt der Staat. Und selbst wenn von den Sozialämtern doch eine Therapie bewilligt wird, stehen die Betroffenen vor großen Hürden.

Auf diese Hürden beim Gesundheitszugang legt der neue Bericht den Schwerpunkt, insbesondere die Lage auf dem Land ist Thema, wo die Versorgung für viele Geflüchtete noch einmal schlechter ist als in Städten. Weil Asyl­be­wer­be­r*in­nen ihren Wohnsitz oft nicht frei wählen dürfen, sind sie den geografischen Unterschieden weitgehend ausgeliefert.

Es fehlt auch Geld

In ländlichen Regionen bilden laut Bericht „fehlende Therapieplätze, Ausgrenzung, Isolation, lange Anfahrtswege, unzureichender Nahverkehr und fehlende spezialisierte Angebote“ eine hohe Hürde für Geflüchtete, die psychologische Hilfe brauchen. Dies führt zu den Problemen, die es überall gibt: etwa der Mangel an Übersetzer*innen, nicht sensibilisierten The­ra­peu­t*in­nen oder mangelnde Orientierung der Betroffenen im komplizierten deutschen Gesundheitssystem.

Auch die Überlastung des Gesundheitssystems an sich ist ein Problem. Hanna Thorwarth, vom Zentrum Refugio Thüringen sagt: „Dass die therapeutischen Kol­le­g*in­nen im Regelsystem sich denken: Therapie mit Übersetzung, das habe ich nicht gelernt und meine Warteliste ist sowieso voll, das schaffe ich nicht – ist verständlich.“ Ergebnis sei aber der weitgehende Ausschluss Geflüchteter aus dem Hilfssystem für psychisch Kranke.

Die bundesweit 50 psychosozialen Zentren versuchen beides auszugleichen: den weitgehenden Ausschluss der Geflüchteten vom Gesundheitssystem genauso wie die großen Hürden, falls das Sozialamt doch eine Behandlung genehmigt. Finanziert werden die Zentren überwiegend von staatlichen Stellen, allerdings nur unzureichend und vor allem ohne dauerhafte gesetzliche Basis. Die finanzielle Situation der Zentren kann sich damit von einem Jahr zum anderen drastisch ändern, sie agieren also oft in prekären Verhältnissen.

Zur Verbesserung der psychologischen Versorgung fordern die Au­to­r*in­nen des Berichts, nicht nur die Finanzierung der Zentren langfristig zu sichern und auszubauen, sondern auch, allen Geflüchteten Zugang zum regulären Gesundheits- und Krankenversicherungssystem zu ermöglichen. Es brauche Fortbildungen für The­ra­peu­t*in­nen und anderes Personal sowie einen Rechtsanspruch auf Übersetzung in den Therapiesitzungen.

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6 Kommentare

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  • DiMa

    Die Umsetzung der Forderungen hätte zur Folge, dass Flucht und Migration noch mehr Kosten verursachen. Zur Erinnerung, Bund und Länder weisen in ihren Haushaltsberichten bereits jeweils Kostenquoten von 5 Prozent aus. Das kann sich das Land - gerade bei einer schlechten wirtschaftlichen Aussicht - nocht leisten.

    • Nachtsonne

      @DiMa:

      Warum, Deutschland ist doch ein reiches Land!

      • DiMa

        @Nachtsonne:

        Weil Deutschland entweder Steuer erhöhen oder Schulden aufnehmen müsste. Beides schwächt die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit weiter.

        Nur der Hinweis "reiches Land" ist viel zu kurz gegriffen.

  • Puky

    Es werden also 30000 Patienten, weniger als 4%, zur Zeit betreut. Insgesamt wären es also ca. 750000 Patienten, die inkl. Übersetzer betreut und behandelt werden sollen. Willkommen in Phantasia.....

  • Nachtsonne

    .."vergangenen Jahr, nur 30.000 Geflüchtete zu erreichen – das sind weniger als vier Prozent aller Hilfsbedürftigen." Es werden also 750.000 Flüchtlinge als therapiebedürftig angesehen. Rechnen wir mal grob mit 10.000€ Kosten pro Therapie, das macht dann 7.5Mrd€. Das dürfte politisch schwer vermittelbar sein.

    • Leningrad

      @Nachtsonne:

      Tja......da ist sie wieder, die Mathematik. Und dann kommen auch noch die Statistiken. Und da ist immer sehr wenig "Gefühltes".