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Statistik zu rechten Vorfällen in BerlinPropaganda, Pöbeleien, Gewalt

Die Meldestellen der Berliner Register haben 2025 einen neuen Höchststand an rechten Vorfällen verzeichnet. Im Visier stand oft der politische Gegner.

Junge Neonazis bedrängen, schlagen und treten zwei Jour­na­lis­t*in­nen am Bahnhof Ostkreuz. Mehrmals greifen Unbekannte das schwule Anti-Gewalt-Projekt „Maneo“ an. Be­su­che­r*in­nen eines Konzerts in einem Köpenicker Jugendclub werden auf dem Heimweg attackiert.

Die Liste der rechten und rassistischen Vorkommnisse in Berlin aus dem vergangenen Jahr ist lang. Sehr lang. 8.286 Fälle fasst die Jahresstatistik der Berliner Register, die am Dienstag vorgestellt wurde. Im Vorjahr waren es 7.720 Fälle – bereits damals ein Höchststand. Bei den mit Abstand meisten Einträgen – mehr als 5.000 – handelt es sich um Propaganda-Aktionen wie Sticker und Plakate. Es wurden aber auch mehr als 1.300 Bedrohungen und 400 Angriffe gezählt.

„Extrem rechte Ideologie breitet sich in Berlin aus“, sagte Lea Lölhöffel von der Koordinierung der Berliner Register. „Betroffene kriegen die zugespitzten Debatten um Migration, Rechte von trans Personen und den Nahostkonflikt zu spüren – sie werden zur Zielscheibe“, warnte sie.

Das häufigste Motiv war laut dem Bericht Rassismus mit rund 2.300 Fällen – ein Anstieg von mehr als 30 Prozent im Vergleich zu 2024. Im Schnitt zählten die Berliner Register jeden Tag zwei rassistische Übergriffe – verbal oder körperlich. Am häufigsten waren Frauen und Kinder betroffen. „Dieser Anstieg geschieht nicht im luftleeren Raum“, betonte Naím Ahrens von den Berliner Registern. Infolge rassistischer Debatten über Migration finde ein „Prozess der Normalisierung“ statt. An zweiter und dritter Stelle folgen die Motive Antisemitismus mit rund 1.700 Fällen und Aktivitäten gegen politische Gegner, die mehr als 1.600 Mal registriert wurden.

Viele Fälle im Osten der Stadt

Die Statistik offenbart große lokale Unterschiede. Insbesondere in den östlichen Bezirken Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg wurden viele Fälle registriert, ebenso in Mitte. Dabei handelte es sich in Mitte in vielen Fällen um Demonstrationen oder Pöbeleien und Attacken bei sogenannten Zufallsbegegnungen, bei denen etwa queere, als links identifizierte oder nichtweiße Personen beleidigt oder angegriffen wurden.

Wo Sticker auftauchen, bleibt es nicht dabei

Jeannette Löffler, Register Treptow-Köpenick

In den östlichen Außenbezirken fand währenddessen eine regelrechte Propagandaschlacht statt. Hier versuchten junge Neonazi-Gruppen Fuß zu fassen – und suchten Anschluss an etablierte Akteure. Das äußerte sich auch in zahlreichen Bedrohungen gegen politische Gegner*innen. „Junge Neonazis markieren ihr Revier und schüchtern nichtrechte Menschen ein“, sagte Naím Ahrens. So seien öffentliche Räume zu unsicheren Orten geworden.

„Wo Sticker auftauchen, bleibt es nicht dabei“, warnte auch Jeannine Löffler vom Bezirksregister Treptow-Köpenick. Deshalb mache es ihr Sorgen, wenn an einem einzigen Tag Dutzende Aufkleber gemeldet werden. „Wir haben in Köpenick und in Schöneweide eine Kontinuität von rechtsextremen Aktivitäten seit den 1990er Jahren“, sagte Löffler.

Die extrem rechten Jugendgruppen treten auch in anderen Bezirken oft dort in Erscheinung, wo es seit Jahrzehnten ein Problem mit Neonazis gibt – etwa im Norden von Pankow, in Hohenschönhausen und in Hellersdorf. Allerdings habe sich der starke Zulauf für die Gruppierungen wie „Deutsche Jugend Voran“ im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt, stellte Ahrens klar. Trotzdem: „Von einer Entwarnung kann nicht gesprochen werden.“ Sechs Protestaktionen gegen CSDs zählten die Berliner Register: „Das sind einerseits so viele wie nie zuvor, andererseits kamen nie mehr als 50 Teilnehmer“, so Ahrens.

Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus sprach angesichts des Berichts von einem „massiven Rechtsextremismusproblem“ in Berlin. „Doch der schwarz-rote Senat verschließt weiterhin die Augen davor“, kritisierte Ario Mirzaie, Sprecher für Strategien gegen rechts. Im aktuellen Doppelhaushalt seien die Mittel gegen Rechtsextremismus jährlich um eine Million Euro gekürzt worden, zudem drohe ein Kahlschlag beim wichtigen Bundesprogramm „Demokratie leben!“. „Diese Sparpolitik ist brandgefährlich und muss gestoppt werden“, forderte Mirzaie.

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