Springer-Blockade der Neuen Generation : Übers Ziel hinaus
Erst blockierten sie Straßen, jetzt Pressehäuser. Die Aktivist*innen der Neuen Generation kämpfen um Aufmerksamkeit – und stecken in einem Dilemma.
Foto: Florian Boillot
D ie Aktivist*innen der ehemals Letzten Generation sind zurück – mit Presse-Blockaden, Radwegaktionen und einem selbst organisierten Bürgerrat. Am Wochenende haben sie damit in Berlin viel Aufmerksamkeit erzielt. Doch nicht jeder Protest überzeugt.
Die Blockade der Springer-Druckerei, bei der rund 30 Mitglieder der Gruppe Neue Generation unter anderem die Auslieferung der Bild-Zeitung und der B.Z. verhindern wollten, überschreitet eine Grenze. Was schon bei den Bauernprotesten falsch war, ist auch bei Klimaaktivistinnen nicht richtig: Die Verbreitung von Zeitungen zu verhindern, ist ein Eingriff in die Pressefreiheit, den eine Demokratie nicht hinnehmen darf. Absurd, dass die Aktivist*innen ihrerseits mit dem Schutz der Pressefreiheit argumentieren, wenn sie die Republik von der „Kettensäge Springer“ befreien wollen.
Das Dilemma der Gruppe heißt: Kampf um Aufmerksamkeit. Aktionen wie andernorts im Deutschen Historischen Museum, wo Bilder mit eigenen Motiven überklebt wurden, schockieren nach früheren Suppen- und Kartoffelbrei-Attacken nicht. Das Widerstandskollektiv, das als Ableger der Letzten Generation entstanden ist, versucht es derweil mit selbst gemalten Radwegen statt Straßenblockaden. Ist das langweilig – oder ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr? Die Wirkung zeigt sich oft später: Wo Piktogramme auftauchen, entbrennen womöglich Debatten über fehlende oder mangelhafte Radinfrastruktur. Das könnte funktionieren.
Auf Dialog statt Konfrontation setzt die Idee „Parlament der Menschen“ der Neuen Generation. 60 zufällig über ihre Kanäle geloste Bürger*innen diskutierten drei Tage lang vor dem Reichstag, wie Geld weniger Einfluss auf Politik haben soll. Heraus kam der Ruf nach mehr direkter Beteiligung und Klimapolitik. Nichts Neues – aber ehrlich erarbeitet. Bleibt zu hoffen, dass es ihnen mit diesen Allgemeinplätzen nicht ergeht wie den anderen Bürgerräten: dass die Vorschläge im politischen Nirwana verpuffen.
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