Gewinneinbruch und Stellenabbau bei BMW : Perfide Strategie gegen Wirtschaftsdemokratie
BMW will Tausende Stellen abbauen. Für das Unternehmen muss das nicht schlimm sein, doch es ist ein Angriff auf die Mitbestimmung der Beschäftigten.
Foto: Sven Hoppe/dpa
D ie Inszenierung war ganz klassisch. Am Mittwoch teilt der Autobauer BMW mit, dass er weltweit 8.000 Stellen streichen will. Am Tag darauf verkündet er, dass Umsatz und Gewinne wegbrächen, ergo sei klar, dass es gute Gründe für den Abbau gebe.
Na toll, jetzt auch noch BMW, mag da manche:r denken. Hilfe, jetzt ist aber wirklich Krise! Dass ausgerechnet Arbeitsplätze in der Entwicklung wegfallen sollen, klingt dazu noch wie der Beweis, dass die deutsche Autoindustrie auch die Transformation aufgibt.
Aber stimmt das für BMW? Oder geht Vorstandschef Milan Nedeljković nur einen anderen Weg? Zunächst: Der Premiumhersteller verdient zwar aktuell rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr – aber das sind nur Quartalszahlen, ist wenig aussagekräftig. Zugleich hat BMW erst kürzlich die Dividendenrendite angehoben, was vor allem für die Eigentümerfamilien Quandt/Klatten mehr als nur einen hübschen Zugewinn bedeutet. Geld ist also offenbar genug da.
Deshalb lohnt ein genauerer Blick: Interessant ist, dass Nedeljković keine Werksschließungen angedroht hat, denn dort gilt die längst mit der IG Metall ausgehandelte Beschäftigungsgarantie. Und offenbar will BMW auch weiter produzieren.
Was bedeutet das für Beschäftigte?
Jetzt wird es spannend: Denn dann wird das Unternehmen auch weiterhin Forschung und Entwicklung brauchen – wo nun Tausende Stellen eingespart werden sollen. Aber das muss kein Widerspruch sein. Denn die Kompetenz lässt sich auch einkaufen.
Um den Standort herum entstehen schon jetzt immer mehr agile, oft sogar stärker auf die Transformation der Mobilität fokussierte Unternehmen. Wenn große Autobauer auf diese zugreifen, kann das für einen schnelleren, ökologisch zukunftsträchtigen Umbau sogar hilfreich sein.
Aber was bedeutet es für die Beschäftigten? Hier liegt der Knackpunkt. Denn es sieht so aus, als verfolge Nedeljković langfristig das Ziel, mit dem Umbau Mitbestimmung und damit Wirtschaftsdemokratie zu schwächen. Denn bei den kleinen Zukunftsfirmen gibt es haufenweise Betriebe mit null Anbindung an die Gewerkschaft, ohne Betriebsrat.
Und die IG Metall wäre gar nicht unschuldig, wenn es BMW gelänge, so Arbeiter:innenmitbestimmung zu umgehen. Die Gewerkschaft hat nämlich ihre Organisierungsstrategie gerade erst neu strukturiert und setzt vor allem auf Abwehrkampf in den großen Betrieben. Die ungemein aufwendige Erschließung von neuen Branchen, Unternehmen und Zielgruppen hat die Gewerkschaft heruntergefahren. Das könnte BMW jetzt ausnutzen.
Liebe IG Metall, man kann Fehler machen – aber man darf sich auch wieder besinnen.
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