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Gewinneinbruch und Stellenabbau bei BMW Perfide Strategie gegen Wirtschaftsdemokratie

Beate Willms

Kommentar von

Beate Willms

BMW will Tausende Stellen abbauen. Für das Unternehmen muss das nicht schlimm sein, doch es ist ein Angriff auf die Mitbestimmung der Beschäftigten.

D ie Inszenierung war ganz klassisch. Am Mittwoch teilt der Autobauer BMW mit, dass er weltweit 8.000 Stellen streichen will. Am Tag darauf verkündet er, dass Umsatz und Gewinne wegbrächen, ergo sei klar, dass es gute Gründe für den Abbau gebe.

Na toll, jetzt auch noch BMW, mag da man­che:r denken. Hilfe, jetzt ist aber wirklich Krise! Dass ausgerechnet Arbeitsplätze in der Entwicklung wegfallen sollen, klingt dazu noch wie der Beweis, dass die deutsche Autoindustrie auch die Transformation aufgibt.

Aber stimmt das für BMW? Oder geht Vorstandschef Milan Nedeljković nur einen anderen Weg? Zunächst: Der Premiumhersteller verdient zwar aktuell rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr – aber das sind nur Quartalszahlen, ist wenig aussagekräftig. Zugleich hat BMW erst kürzlich die Dividendenrendite angehoben, was vor allem für die Eigentümerfamilien Quandt/Klatten mehr als nur einen hübschen Zugewinn bedeutet. Geld ist also offenbar genug da.

Deshalb lohnt ein genauerer Blick: Interessant ist, dass Nedeljković keine Werksschließungen angedroht hat, denn dort gilt die längst mit der IG Metall ausgehandelte Beschäftigungsgarantie. Und offenbar will BMW auch weiter produzieren.

Was bedeutet das für Beschäftigte?

Jetzt wird es spannend: Denn dann wird das Unternehmen auch weiterhin Forschung und Entwicklung brauchen – wo nun Tausende Stellen eingespart werden sollen. Aber das muss kein Widerspruch sein. Denn die Kompetenz lässt sich auch einkaufen.

Um den Standort herum entstehen schon jetzt immer mehr agile, oft sogar stärker auf die Transformation der Mobilität fokussierte Unternehmen. Wenn große Autobauer auf diese zugreifen, kann das für einen schnelleren, ökologisch zukunftsträchtigen Umbau sogar hilfreich sein.

Aber was bedeutet es für die Beschäftigten? Hier liegt der Knackpunkt. Denn es sieht so aus, als verfolge Nedeljković langfristig das Ziel, mit dem Umbau Mitbestimmung und damit Wirtschaftsdemokratie zu schwächen. Denn bei den kleinen Zukunftsfirmen gibt es haufenweise Betriebe mit null Anbindung an die Gewerkschaft, ohne Betriebsrat.

Und die IG Metall wäre gar nicht unschuldig, wenn es BMW gelänge, so Ar­bei­ter:­in­nen­mit­be­stim­mung zu umgehen. Die Gewerkschaft hat nämlich ihre Organisierungsstrategie gerade erst neu strukturiert und setzt vor allem auf Abwehrkampf in den großen Betrieben. Die ungemein aufwendige Erschließung von neuen Branchen, Unternehmen und Zielgruppen hat die Gewerkschaft heruntergefahren. Das könnte BMW jetzt ausnutzen.

Liebe IG Metall, man kann Fehler machen – aber man darf sich auch wieder besinnen.

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Beate Willms

Beate Willms Ressortleiterin Wirtschaft und Umwelt

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8 Kommentare

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  • Gute Information, interessante Perspektiven, allerdings halte ich es für schwierig von Berliner Schreibtisch aus zur Frankfurter Zentrale der IG Metall Ratschläge zu schicken. Vielleicht wäre es besser mal mit dem Vorstand der IG Metall direkt zu sprechen.

  • Konzerne sind aus gutem Grund international aktiv - Gewerkschaften hingegen regelmäßig nicht.

    Liegt es an der Eitelkeit gewerkschaftlicher Lokalfürsten?

    Oder daran, dass man spannende Aufsichtsratsmandate ergattern kann bzw. behalten will?

    Das rächt sich seit Jahrzehnten:

    Statt geschlossen in der Verhandlung mit Konzernen nach guten Lösungen zu suchen, versucht jede Landesgewerkschaft, für ihren Standort das Meiste herauszuholen - oft zum Schaden der Arbeitnehmer in anderen Ländern. Das geht so weit, dass sogar ost- und westdeutsche Arbeitnehmer gegenainander ausgespielt werden - je nachdem, wo die Gewerkschaft gerade ihren Sitz oder mehr Mitglieder hat.

    Und da es auf Gewerkschaftsebene nicht so weit her ist mit der internationalen Solidarität der Werktätigen, ist das Ergebnis immer wieder absehbar.

  • BMW hat die Dividende erhöht, nicht die Dividendenrendite. Die Dividendenrendite hängt vom Kurs der Aktie ab und der kanns sich ja täglich ändern.

  • Immer wenn ich BMW höre, denke ich "Geld wird durch Erben nicht sauberer" - besonders in Sachen Vermögensherkunft der Familien Quandt/Klatten ...

  • Wirtschaftsdemokratie? Selten so gelacht, was soll das denn sein?

  • Stellenabbau ist nicht gleich Stellenabbau ! hier geht es nicht darum die Arbeiter in die Arbeitslosigkeit zu entlassen, hier geht es um den goldenen Handschlag mit einem Abfindungsprogramm wenn jemand, freiwillig, früher geht.

  • Soweit ich gehört habe sind das eher AT Beschäftigte, also alles in Butter. Der Bandarbeiter*in kann beruhigt bleiben

  • Gerne vergessen: im Kapitalismus ist das einzige Unternehmensziel eines jeden Unternehmens die Profitmaximierung der Besitzer. Bei BMW weiß man ja, dass diese sympathischen freundlichen "FamilienunternehmerInnen" quasi am Hungertuch nagen und das auch brauchen. Leistungsträger ohne Leistung, die sie sind.

    Und Arbeitnehmer sind "human resources", als Bürostühle in Menschenform. Sind sie kaputt oder braucht man sie nicht, werden sie ausrangiert, denn sie sind betriebswirtschaftlich nichts anderes als Kosten. Gilt zwar für jedes Unternehmen, aber: könnte BMW seine Autos herstellen und verkaufen ohne einen einzigen Angestellten, dann würden sie das tun. Wer dieses System, das nicht für Menschen gemacht ist, unbedingt gutfinden will, muss damit leben.

    Wo ich mich dann aber immer aufrege ist, wenn Propagandabegriffe wie "Arbeitnehmermitbestimmung" fallen. Wo bitte bestimmt denn ein Arbeitnehmer mit? Alle unsere Unternehmen sind das Gegenteil von demokratisch geführt (wie man bei so einer Lebensumgebung zum guten Demokraten werden soll, hat sich mir noch nie erschlossen, aber das ist ein anderes Thema).

    Könnte Arbeitnehmer irgendetwas mitbestimmen, würden die Chefs entlassen.