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Referendum in IslandNein zum EU-Beitritt

Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen beim Referendum über die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen stimmt am Ende die Mehrheit der Is­län­de­r:in­nen dagegen.

dpa/rtr | Die Menschen in Island haben mehrheitlich gegen eine Wiederaufnahme der Gespräche über einen EU-Beitritt ihres Landes gestimmt. Das Ergebnis des Referendums fiel mit 52,8 zu 47,2 Prozent der Stimmen knapp aus, wie die Auszählung ergab.

Zunächst hatten sich beide Seiten ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Nach ersten Teilergebnissen vom Sonntag lagen das Lager der Befürworter und der Gegner fast gleichauf. Gegen den Vorschlag der Regierung stimmten nach Auszählung von 152.000 Stimmen der rund 270.000 Wahlberechtigten 50,1 Prozent, wie der Rundfunksender RUV berichtete. Für die Wiederaufnahme von Verhandlungen, die 2013 nach ‌vier Jahren abgebrochen worden waren, sprachen sich demnach 49,9 Prozent aus.

Angaben zur Wahlbeteiligung lagen zunächst nicht vor. Ein verlässliches Endergebnis wird für Sonntagmittag erwartet. Die Wahllokale wurden am Samstagabend um 22.00 Uhr geschlossen. Umfragen hatten zuletzt auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hingedeutet.

In dem Inselstaat im Nordatlantik ist das Interesse an einer EU-Mitgliedschaft zuletzt wieder gewachsen – unter anderem wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten, des Ukraine-Krieges sowie der wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das benachbarte Grönland zu annektieren.

Befürworter von Beitrittsgesprächen argumentieren, dass eine EU-Mitgliedschaft und eine mögliche Einführung des Euro die hohen Zinsen dämpfen und die Inflation im Land eindämmen könnten. Der Leitzins der isländischen Zentralbank liegt derzeit bei acht ‌Prozent. Gegner eines EU-Beitritts befürchten hingegen einen Verlust der Souveränität und der Kontrolle über die für das Land wichtigen Fischereigewässer.

Die Abstimmung war kein Votum über den eigentlichen Beitritt, über den im Falle erfolgreicher Verhandlungen in einem zweiten Referendum hätte entschieden werden ⁠müssen. Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir erklärte nach ihrer Stimmabgabe in der Hauptstadt Reykjavik am Samstag, das Referendum habe eine wichtige Debatte über Islands Rolle in der Welt angestoßen. Die Regierung werde ihre Arbeit unabhängig vom Ausgang der Abstimmung fortsetzen. Oppositionsführerin Gudrún Hafsteinsdóttir, die ‌die „Nein“-Kampagne anführte, erklärte dagegen, ‌dass Islands Probleme nicht von der EU gelöst werden könnten. „Das sind keine Probleme, ⁠die Brüssel für uns lösen kann, sondern Aufgaben, die isländische Politiker bewältigen müssen.“

Island hatte bereits 2009 inmitten einer schweren Finanzkrise einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt, eine euroskeptische Regierung ‌legte den Prozess jedoch 2013 auf Eis. Die jüngsten ‌geopolitischen Unruhen haben die seit Jahrzehnten geführte Debatte neu belebt.

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18 Kommentare

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  • Andreas_2020

    Die Nein-Sager haben durchaus ein paar Punkte, die aussagefähig sind, so hat Island einen guten Zugang zur EU und durch die NATO auch Schutz, ein Beitritt verändert das bei dieser Gruppe nur marginal. Dazu kam eben die Fischerei, die in Island ein wichtiger Punkt ist. Hier könnte die EU sich negativ bemerkbar machen. Müsste aber nicht zwangsläufig so kommen. Ansonsten hat Island sicherlich einen natürlichen Drang, Distanz zur EU und besonders zu Dänemark und anderen skandinavischen Staaten zu halten, um nicht wieder abhängig zu werden. Der Wunsch nach nationaler Souveränität ist hier eben stark.

  • Il_Leopardo

    Island hat nur halb so viele oder sollte ich besser sagen: wenige Einwohner wie Frankfurt - meine Heimatstadt. Ob die nun dabei sind oder nicht, ist recht unbedeutend.

  • gyakusou

    Warum sollte Island der EU beitreten? Das Land profitiert jetzt schon von fast allen Vorteilen: Island ist Teil des europäischen Binnenmarkts und gehört zum Schengen-Raum.

    Wozu noch mehr nationale Kompetenzen/Souveränität aufgeben?

    Zumindest bis jetzt ist Island auch nicht Ziel imperialer Phantasien, sodass der mögliche Schutz als Teil der EU keine Rolle spielt.

    • Andreas_2020

      @gyakusou:

      Dsa Pro-EU-Lager wollte in Brüssel mitreden und an Vorschriften und Gesetzen mitarbeiten können. Dazu noch eine bessere Verankerung in Europa haben, auch um sich gegen Trump und Putin besser abgrenzen zu können.

    • nutzer

      @gyakusou:

      Jetzt läuft es so, dass Länder wie Norwegen, Schweiz und vermutlich auch Island Beschlüsse der EU in ihr nationales Recht umsetzen müssen, um nicht den priviligierten Zugang zur EU zu verlieren. Sie können aber nicht an der Erstellung dieser Beschlüsse mitwirken, da sie nicht in der EU sind.



      Mit nationaler Souveränität würde ich da nicht argumentieren.

  • Astrid Sehnefeld

    Schlaues Island 🇮🇸

  • Cornelia Gliem

    Schade. Vorallem weil die eu-gegner das als Sieg feiern werden. Aber die Situation ist eine ganz andere als bei Abstimmungen andern Ländern über EU.



    Island ist schon europa und westen etc., von wegen EWG etc.



    Und das tolle Souveränitätsargument: das dünnbesiedelte kleine Island glaubt doch nicht wirklich, es könnte gegenüber Russland China oder dem Hegemon USA unter trump bestehen?



    Aber ok. Demokratisch entschieden.



    Und wenn sich Umstände ändern, kann das genauso Demokratisch geändert werden.

    • Astrid Sehnefeld

      @Cornelia Gliem:

      Anscheinend erachten die Isländer alles was Sie beschreiben als weniger bedrohlich als den Bürokratie-Irrsinn der EU...



      Das sollte Brüssel zu denken geben - wird es aber nicht...



      ...da muss erst echter Druck von Innen auf die EU entstehen, aber vielleicht lassen sich die EU Bürger von solch kühnem Referendum ja ermutigen 🤞

  • naja123

    Schade für die EU und die Tiere, aber auch nachvollziehbar.

  • Il_Leopardo

    Wer nicht will, der hat schon. Dann sollen sie halt 51. Bundesstaat der USA werden.

  • JK83

    Das ist nur ein kleiner Fingerzeig, aber es ist einer: Die EU hat wenig an Strahlkraft gewonnen. Selbst ein winziges Land, das ggf. in Punkto Sicherheit von einem EU-Beitritt profitieren könnte (so denn die europäische Verteidigungskapazität wirklich kommt), segelt nicht in den europäischen Hafen.

  • Astrid Sehnefeld

    Schlaue Isländer.



    Und eine Backpfeife für die EU.



    Trotz Trumps Allmachtsfantasien gegenüber Grönland und der logischen Konsequenz, dass nach Grönland Island auf Trumps Wunschliste stünde, entscheidet sich eine Mehrheit der Isländer dagegen unter den Rockzipfel der EU zu schlüpfen.



    Das bedeutet zweierlei:



    1. Das die Isländer sich von der EU im Ernstfall (sollte Trump oder wer anderes nach ihrem Land greifen) sich keinen ausreichendem Schutz versprechen, heißt die EU wird als schwach / wehrunfähig wahrgenommen.



    Und 2., dass die Isländer lieber alleine bleiben, als sich dem bürokratischen Irrsinn der EU zu unterjochen.



    Island mag für die Weltwirtschaft unbedeutend sein und auch für die EU kaum relevant - das Statement dieses Referendums aber sendet Schallwellen um die Welt, die den Status der EU noch weiter schwächen, als er es eh schon ist.



    Die EU schafft sich ab. Unregierbar durch Einstimmigkeitsprinzip, dementsprechend extrem träge - und was sie beschließt ist immer öfter Bürger drangsalierend (Stichwort Strohhalmirrsinn, etc...)



    Das schlimme ist, weder im Brüssel noch Straßburg wird das Referendum zu einem Umdenken oder gar Konsequenzen führen.



    Erhaben über alles ins Abseits 🙄

    • nutzer

      @Astrid Sehnefeld:

      Grönland ist indirekt über DK mit der EU verbunden. Dass hat Trump nicht an seinen Fantasien gehindert. Warum sollte die EU Trump jetzt abschrecken, falls er sich für Island interessieren sollte? Die verhaltenen Reaktionen der europäischen Politiker, waren bestimmt nicht der Grund, weshalb Grönland nun vom Tisch ist.

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    Schade eigentlich...

  • Troll Eulenspiegel

    Ich verstehe die Furcht gegen die EU-Bürokratie. Aber das mit der Fischerei ist einfach nur dumm. Die Meere sind total überfischt, aber Island hat keine Lust vegan leben zu wollen.

    Scheiß auf Tradition. Walfang ist auch tot. Auf den Halligen wurde die Tradition auch aufgegeben, Robben qualvoll zu ermorden. Zeit, dass Island progressiver wird. Mit oder ohne EU.

    • Saile

      @Troll Eulenspiegel:

      Island ist aber generell ein schlechtes Beispiel für vegane Ernährung, da ist ja neben Fischfang wirklich nur Weidewirtschaft möglich.

      • Troll Eulenspiegel

        @Saile:

        Dann wird es eben zu leergefischten Meeren kommen. Diese gibt es bereits. Und wenn die Fische weg sind, sind auch andere Meereslebewesen weg.



        Dann? Massenflucht aus Island aufs Festland? Teuer importierter Fisch, den die Bevölkerung nicht leisten kann? Dann können die gleich auf importierte, pflanzliche Nahrung setzen. Deren Supermärkte haben auch Bananen, Melonen, Auberginen, Quinoa.

        • Furth im Wald

          @Troll Eulenspiegel:

          wie sollen 400.000 Einwohner ganze Meere leerfischen um sich hin und wieder von Fisch ernähren? Und wer soll ihnen nahelegen vegan zu werden?



          Fakt ist das Island ca. 40% ihres Exports mit Fischprodukten erziel, ca. 600.000 Tonnen. Die sind sich aber auch bewusst dass das nicht ohne Eiscnränkungen geht in Gegensatz zu den Topplayern wie z.B. China.



          Islands Fischfang wird über eines der weltweit modernsten und strengsten Regulierungssysteme gesteuert: das ITQ-System ( Individuelle übertragbare Quoten). Es sichert sowohl die wirtschaftliche Rentabilität als auch den ökologischen Schutz der Fischbestände vor Überfischung.



          Ausserdem ist Island weltweit Vorreiter darin, den gefangenen Fisch zu 100 % zu nutzen. Neben Filets werden auch Fischhaut (für medizinische Zwecke), Köpfe und Innereien exportiert und zu Geld gemacht.