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Niedrigwasser an der WeserWenn der Fluss die Rinder pökelt

Die Trockenheit und der geringe Oberwasserzufluss der Weser machen der Landwirtschaft zu schaffen. Sie versalzen das Wasser, das die Rinder saufen.

In den kommenden Tagen erwartet die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung Niedrigwasser für die Weser. Wenn der Wasserstand unter die schiffbare Mindesthöhe sinkt, ist das aber nicht nur ein Problem für die Transportwirtschaft, sondern auch ein ökologisches und eines für die Landwirtschaft.

Trockene Phasen, in denen wenig Frischwasser vom Oberlauf des Stroms kommt, machen besonders sichtbar, was Forscher inzwischen als globales Phänomen ausgemacht haben: das Vordringen der Salzwassergrenze in Ästuaren – in tidebeeinflusste Flussmündungen also. An der Nordseeküste ist das ein besonderes Problem, weil die Landwirte das Wasser verwenden, um ihre Tiere zu tränken oder ihr Obst durch Frostberegnung zu schützen.

Dass die Versalzung ein globales Problem ist, zeigt eine Metastudie unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW), die vor einem Jahr erschienen ist. „Der Klimawandel ist er Haupttreiber der Versalzung“, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts.

Er lasse den Meeresspiegel steigen, führe zu immer längeren Trockenheitsphasen und entsprechend niedrigen Abflussraten sowie hohen Salzeinträgen durch Extremwetter. Dazu kommen die Vertiefung von Fahrrinnen, der übermäßige Einsatz von Streusalz sowie durch den Menschen beschleunigte Verwitterungsprozesse an Land.

Gefahr für die Biodiversität

Den Forschern zufolge sind es vor zwei Faktoren, die die Versalzung begünstigen: der Ausbau der Fahrrinnen, der das Salzwasser aus dem Meer weiter die Flüsse hinaufschwappen lasse, und der trockenheitsbedingt geringere Oberflächenwasserabfluss, der dem entgegenwirkt. Der Rhein, aber auch Elbe und Weser zeigten in den vergangenen Jahren die niedrigsten Abflüsse seit den 1950er Jahren, heißt es in der Mitteilung des IOW.

„Damit werden Probleme bei der Wasserentnahme für die Landwirtschaft und Trinkwasser zunehmen sowie Einschränkungen der Biodiversität entlang der Ästuare, da viele Süßwasserarten häufiges Eindringen von Salzwasser nicht tolerieren“, warnt Hans Burchard vom IOW.

Nach einer Studie von Mitarbeitern der Uni Kiel und der Bundesanstalt für Wasserbau hat sich die Salzwassergrenze der Weser durch das Ausbaggern des Stroms zwischen 1972 und 2012 um 3,5 Kilometer landeinwärts verschoben. Das sei zwar eine bedeutende Veränderung, aber dennoch vergleichsweise klein. Denn aufgrund von jahreszeitlichen Veränderungen im Abfluss könne der Bereich, in den das Salzwasser vordringe, um bis zu 20 Kilometer variieren.

Politisch relevant werden diese Erkenntnisse durch den seit Jahren umstrittenen Plan, die Außen- und Unterweser sowie die Ems zum Frommen der Schifffahrt ein weiteres Mal zu vertiefen. Im Mai machte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für den Fahrrinnenausbau stark. „Die beiden Vertiefungen müssen kommen, sie sollten schnell kommen, und wir sollten zeigen, dass Bund, Länder und Gemeinden hier im Einklang sind“, sagte er bei einem Besuch in Emden.

An die 90 Prozent der Rinder stehen im Sommer auf der Weide

Für die Weservertiefung möchte die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) gegen Ende des Jahres einen Antrag auf Planfeststellung einreichen. Einen früheren Planfeststellungsbeschluss hat das Bundesverwaltungsgericht 2016 für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt.

Neben dem Umweltverband BUND hatte auch der Landwirt Leenert Cornelius geklagt. Denn in der Wesermarsch, dem Gebiet, das sich zwischen Bremerhaven und Bremen westlich an die Weser schmiegt, stehen an die 90 Prozent der Rinder im Sommer auf der Weide. Getränkt werden sie aus den Gräben, die die Weiden trennen und vor allem im Sommer auch von der Weser gefüllt werden.

„Wir haben keine Quellen und keinen Fluss“, sagt Cornelius. Deshalb müssten die Gräben regelmäßig mit Wasser aus der Weser gespült werden. Verschiebt sich die Brackwasserzone flussaufwärts, schafft dieses Spülen ein Problem. Denn dadurch gelangt stärker salzhaltiges Wasser in die Gräben, das den Tieren schaden kann.

Zwar sind Rinder Salz gegenüber toleranter als Menschen, weil sie so viel Gras fressen. Bis zu zweieinhalb Gramm pro Liter lösliche Salze gelten laut der Deutschen Gesellschaft für Landwirtschaft (DLG) als tolerierbar. Beim Menschen ist es ein halbes Gramm. Nordseewasser dagegen enthält 35 Gramm Salz. Laut einem Papier der Tierärztlichen Hochschule Hannover und der DLG sind maximal 1 Gramm optimal, 1 bis 3 drei Gramm grenzwertig, mehr als 3 Gramm bedenklich.

110.000 Rinder gibt es nach Auskunft des Landvolks in der Wesermarsch. Gut 90.000 von ihnen werden in unterschiedlicher Intensität auf die Weide geschickt, sagt Karsten Padeken, der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes. Diese Tiere seien auf das Grabenwasser angewiesen. Sie mit Süßwasser in Tankwagen zu versorgen, sei keine wirtschaftlich tragfähige Alternative.

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6 Kommentare

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  • Schade, der Autor hat einen ganz wesentlichen Aspekt zum Salzgehalt der Weser nicht mit einbezogen:



    Schon zu meiner Schulzeit vor 35 Jahren erzählte man uns, die Produktionsabwässer von K+S im Einzugsgebiet der Werra sollen baldmöglichst per Pipeline in die Nordsee geleitet werden. Und die Realität?



    In Boffzen werden zwischen 31 und 846t Kaliumfrachtenfrachten



    zwischen 27 und 1512t Magnesium 446 und 7559t Chloridfrachten pro Tag gemessen. (Quelle: fgg-weser.de)



    Doch da wird schon kräftig verdünnt, wohl dem, der sich einer Talsperre bedienen kann:



    Anwohnern und Touristen des Nationalparks Kellerwald Edersee erzählen die Behörden seit bald 20 Jahren, wie wichtig die Bereithaltung eines gewissen Pegels für die Weserschiffahrt sei und lassen aus der Edertalsperre Wassermassen ab, die sonst kein anderer Fluß in diesem Einzugsgebiet zeigt.



    Der Edersee ist Ende Juli fast leer, die Eder hat unterhalb der Talsperre Temperaturen von 8°C. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wie diese Wassermassen zusammen mit der Fulda ab Hannoversch Münden die Salzwerte der Weser noch aufhübschen.



    Bis dann nichts mehr nachkommt zum verdünnen...

  • Der größere Querschnitt schafft ideale Möglichkeiten für die nächste Sturmflut, noch mehr Schaden anzurichten. Da braucht es dann ein Sperrwerk wie an der Mündung der Themse oder von Rhein und Maas. XXL€$ nebst langer Bauzeit. Das lohnt dann auch wirtschaftlich nicht!

  • "...zum Frommen der Schifffahrt...."

    Da muss man aber noch einen alten Duden haben. Oder ist das im Norddeutschen noch gebräuchlich?

    • @fly:

      Nö, steht aktuell noch drin: [1]



      "Gebrauch: veraltet" -> "Wörter, die allenfalls noch in älteren literarischen Texten zu finden sind, ansonsten aber nicht mehr oder wenn, dann mit ironischer oder scherzhafter Absicht verwendet werden, erhalten die Markierung „veraltet“... [2]



      [1] www.duden.de/rechtschreibung/Fromme



      [2] www.duden.de/hilfe/gebrauch

  • Im Plan zur letzten Elbvertiefung setzte die niedersächsische Regierung durch, dass auf Kosten Hamburgs und des Bundes Rückhaltebecken angelegt werden, aus denen bei Bedarf Süßwasser in die Marschgräben abgegeben wird. Ferner wurde eine Kette von automatischen Messgeräten gelegt, an der die Landwirte ablesen können, ob das Elbwasser noch brauchbar ist.



    www.kuestendaten.d...aehigkeitsmessnetz



    Für die Weser erhält man Daten auf



    www.kuestendaten.d...Service/Kartentool



    und als Überblick



    undine.bafg.de/wes...r_mst_auswahl.html



    Brake liegt genau auf der mittleren Salzwassergrenze. Geringe Schwankungen Spring/Nipptide, sowie des Oberwasserzuflusses, verschieben die Grenze.



    Das Tidegeschehen wird von den Fahrwasservertiefungen verschärft, darüber reden die Wasserbehörden nicht gern. Aber der Oberwasserabfluss! Klimawandel! Tolle Ausrede! Umweltschützer und Journalisten sollten nicht in diese Falle tappen und das Argument verstärken. Denn dann kann man ohne Schuld umso stärker baggern, in Elbe und Weser.

    • @Klaus Bärbel:

      Den Artikel nicht richtig gelesen? Es steht drin dass das Problem der Versalzung aus 2 Teilen besteht. Und ja, dem Klimawandel sei Dank, wird sich das Problem noch weiter verschärfen. Was bringen denn die Rückhaltebecken wenn es fast nicht regnet? Selbst wenn sie gefüllt sind, halten diese nur kurze Zeit.