piwik no script img

Neuer Rekord bei Solarstromerzeugung Drohendes Ende einer Erfolgsgeschichte

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Bereits jetzt wurde so viel Solarstrom produziert wie im gesamten Jahr 2025. Doch die Branche fürchtet, dass die Energiewende ins Stocken gerät.

E s ist eine echte Erfolgsgeschichte, doch sie könnte schon bald vorbei sein: Die heimischen Photovoltaikanlagen haben in den ersten neun Monaten 2026 schon so viel Strom produziert wie im ganzen vorherigen Jahr. Nun zahlt sich aus, dass die Ampelregierung den Ausbau der Erneurbaren so stark angeschoben und viele Hindernisse für den Bau von Anlagen aus dem Weg geräumt hat.

Angesichts der hohen Preise für Öl und Gas ist das nicht nur fürs Klima ein Gewinn. Und: Jede Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Quellen macht die Bundesrepublik und Europa ein bisschen unabhängiger von Lieferungen aus Krisenregionen oder aus den USA unter Präsident Donald Trump.

Doch statt der eingeschlagenen Richtung zu folgen und einen weiteren Ausbau der klimafreundlichen Stromerzeugung zu forcieren, will die Bundesregierung die Erneuerbaren und insbesondere die Solarenergie zurückdrängen.

Der Bundestag stellt in diesen Wochen die Weichen für die Energieversorgung der kommenden Jahre, ja möglicherweise Jahrzehnte. Er verhandelt über die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgelegten Entwürfe für ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das sogenannte Netzpaket zum Ausbau des Stromnetzes. Beide Novellen enthalten eine ganze Reihe von Hindernissen und bürokratischen Vorgaben, die den Bau neuer Anlagen extrem erschweren.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

So sollen die Finanzierungsvoraussetzungen für Solar- und Windanlagen systematisch verschlechtert werden. Für Betreiber wird es so kaum kalkulierbar, wann sich ihre Anlage amortisiert. Es wird nicht nur unklar, wie viel Geld sie für den Strom bekommen, den sie ins Netz geben. Auch die Mengen, die sie einspeisen können, sollen begrenzt werden.

Fast zwanzig Banken warnen in einem offenen Brief an Reiche, dass Projekte unter solchen Voraussetzungen kaum zu finanzieren sind. Doch das interessiert Reiche offenbar nicht. Es ist extrem beunruhigend, dass die Ministerin auf ihrem Feldzug gegen die Energiewende nicht mal mehr auf solche Stimmen hört, die bei Konservativen ansonsten immer Gehör finden.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
Mehr zum Thema

6 Kommentare

 / 
  • Elite123

    Wir haben aufgrund der Instabilität der Stromzufuhr massive Mehrkosten im System (u.a. Netzaus- und -umbau, Redispatch).

    Als Erfolgsgeschichte kann man das nur verkaufen, wenn man nicht vom System und von der Versorgungssicherheit her denkt.

  • Der eindimensionale Mensch

    Wenn ich das richtig verstehe, ist das Argument der Union ja, dass zu viel Erneuerbare die Netze überlasten und immer häufiger abgeschaltet werden müssen. Die Betreiberfirmen sollen jetzt für die abgeschalteten Phasen weniger oder kein Geld mehr bekommen, weil das sonst zu teuer wird. So weit, so verständlich.

    Nur: Wie im Artikel erwähnt, gibt es ja durchaus Argumente, die für mehr Erneuerbare Energien sprechen - etwa die Sicherheitspolitik, wo Unabhängigkeit von Diktatoren doch ein großer Vorteil ist (vom Klimawandel und den etlichen damit einhergehenden Risiken mal zu schweigen).

    Da stellt sich die Frage: Gäbe es auch andere Lösungen, dem oben beschriebenen Problem zu begegnen. Ich als Laie denke da an

    1) Netzausbau. Klar, teuer und langsam, aber auf Dauer eh notwendig.

    2) Stromspeicher. Meinetwegen eine gesetzliche Regelung, dass neue Anlagen ab einer gewissen Größe nur noch mit ausreichend Speicher gebaut werden dürfen (gibt es sowas nicht vielleicht schon?). Muss nicht Lithium sein, kann etwa viel günstigeres und sichereres Natrium sein. Das hilft vermutlich schneller als Netzausbau und hilft enorm.

  • Janix

    Das Ziel muss doch sein, möglichst rasch raus aus (fast) jeglicher Verbrennung zu kommen. Diese kostet zu viel, geht an die Falschen und wreckt unsere Umwelt, Wirtschaft und damit uns selbst.

    Dann wäre der Punkt doch, den Markt für Speicher o.ä. zu ermöglichen. Wäre, Effizienz und Effektivität zu fördern, also mit Weniger und klüger zu handeln. So würde eine kompetente Person in diesem Amte wohl handeln müssen. Und nicht Obsoletes, Fossiles so abschirmen, als wäre sie die Ruhrgebiets-SPD der 1970er.



    Das darf für Reiche jetzt auch persönlich nicht funktionieren, als Zeichen für die Nachfolgers.

  • YeahYeah

    Komisch, sonst ist das doch immer verdächtig, wenn Banken was gut finden… Es bringt nichts, Kapazitäten aufzubauen, die alle zum selben Zeitpunkt Energie produzieren. Zumindest, solange das Problem der Speicherung nicht gelöst ist.

  • Uwe Kulick

    Reiches totaler Zerstörungswillen gegen unsere Wirtschaft ähnelt der Zerstörungswut, die Donald Trump gegen die US-Wirtschaft auffährt.

  • passthedutchie

    Die große Koalition unter Merkel-Gabriel hatte bereits mit dem EEG II der deutschen regenerativen Energiewirtschaft, allen voran der PV-Industrie, einen derartigen Dämpfer verpasst, die hunderte von neu gegründeten, innovativen Unternehmen die Existenz und tausenden Beschäftigten gerade neu geschaffene und lt. einer Schätzung der "Zeit" bis zu 30.000 künftige Arbeitsplätze gekostet hatte. Genau dieses ist auch der Grund, warum heute so gejammert wird, daß Deutschland so massiv beim Ausbau der RE hinterhinkt und z.B. auch keine eigene Batterieindustrie vorzuweisen hat, welche beide beim staatlich geförderten Umstieg auf Batterieautos dringenst benötigt werden. Batteriekarren mit Strom aus fossilen Energieträger zu betreiben ist so ziemlich der größte Klimawahnsinn schlechthin. Ein Amistraßenkreuzer aus den 70ern haut weniger CO2 in die Atmosphäre als eine nicht rekuperierende Mittelklasse Batteriekarre, die mit Kohlestrom geladen wird.

    So sieht die wirtschaftskompetente Politik zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Förderung innovativer Technologien für Zukunftsmärkte von CDU/CSU und SPD aus.