piwik no script img

Nach Tod eines Rechtsextremisten in LyonFrankreich setzt Trumps Botschafter Grenzen

US-Botschafter Charles Kushner kommentierte den Tod eines Rechtsextremisten in Lyon. Jetzt darf er keine Regierungsmitglieder mehr treffen.

Darf nicht mehr vorsprechen: Charles Kushner in seinem Büro in Paris am 23. Juli 2025 Foto: Philippe Labrosse/imago

Die französische Regierung wehrt sich nach dem gewaltsamen Tod des Rechtsextremisten Quentin Deranque gegen Druck aus dem Ausland. Außenminister Jean-Noël Barrot untersagte US-Botschafter Charles Kushner am Dienstag jeden direkten Kontakt zu Regierungsmitgliedern. Er reagierte damit auf die Weigerung Kushners, im Außenministerium zu erscheinen, um über eine Einmischung im Fall Deranque zu sprechen.

Die Botschaft in Paris hatte vergangene Woche im Kurznachrichtendienst X eine Erklärung des US-Außenministeriums verbreitet, in der es heißt: „Der gewalttätige Linksextremismus wird stärker und seine Rolle beim Tod von Quentin Deranque zeigt die Bedrohung für die öffentliche Sicherheit.“

Der 23-jährige Deranque war Mitte Februar bei einer Schlägerei mit Linksextremisten zu Tode geprügelt worden. Die Polizei nahm elf Verdächtige fest, darunter Mitglieder der verbotenen linksextremen Gruppierung Jeune Garde. Am Dienstag beriet Präsident Emmanuel Macron mit Innenminister Laurent Nuñez über ein Verbot gewalttätiger Gruppen generell. „Für Milizen gibt es keinen Platz, egal, woher sie kommen“, sagte der Staatschef vorab.

Wenige Wochen vor den Kommunalwahlen setzt der Tod Deranques die Regierung unter Druck. Vergangene Woche hatte Macron bereits die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni in die Schranken gewiesen, die das Drama als „Wunde für Europa“ bezeichnet hatte. Meloni solle aufhören zu kommentieren, was bei anderen passiere, reagierte Macron.

Frankreich

Die Europawahl 2024 hat Frankreich in eine politische Krise gestürzt. Aus den vorgezogenen Parlamentswahlen ging das neue Linksbündnis als stärkste Fraktion hervor, gefolgt von Macronisten und RN. Keiner der Blöcke besitzt eine Mehrheit.

➝ Mehr zum Thema Frankreich

Einmischung in Kommunalwahlen befürchtet

Der Tod Deranques dürfte sich auch auf die Kommunalwahlen am 15. und 22. März auswirken. Die französische Regierung befürchtet, dass ausländische Kräfte diesen Urnengang sowie die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr beeinflussen. Macron hatte bereits vor einem Jahr vor einer „internationalen reaktionären Bewegung“ gewarnt, die sich in Wahlen in Europa einmische. Der Staatschef zielte damals auf den US-Milliardär Elon Musk, der im Bundestagswahlkampf die in Teilen rechtsextreme AfD unterstützte.

Auch Barrot sprach in einem Radiointerview von der „internationalen reaktionären Bewegung“, die die öffentliche Debatte in Frankreich vor den Wahlen durcheinander bringe. Die politischen Kräfte, die US-Präsident Donald Trump unterstützten, hätten sich ihre Vermittler in Europa gewählt. Das seien rechtsextreme Parteien wie der Rassemblement National in Frankreich oder die AfD in Deutschland. Auch Kushner gehört zum Trump-Lager. Er ist der Vater von Trumps Schwiegersohn Jared, der mit Präsidententochter Ivanka verheiratet ist. Außerdem finanzierte der Milliardär Trumps Kampagne mit.

Dass der Botschafter nicht zum Termin erschienen sei, habe ihn überrascht, sagte Barrot. Zu einer möglichen Ausweisung des Diplomaten wollte er sich nicht äußern. Der Zwischenfall beinträchtige die Beziehungen zwischen den USA und Frankreich nicht, versicherte der Minister.

Kushner warf Macron Antisemitismus vor

Bereits im Sommer hatte Kushner mit einem Brandbrief an Macron einen Eklat produziert. Darin warf er dem Staatschef vor, nicht genug gegen den Antisemitismus zu unternehmen. „In Frankreich vergeht kein Tag, an dem nicht Juden auf der Straße angegriffen, Synagogen oder Schulen beschmiert oder Geschäfte von Juden verwüstet werden“, schrieb der Sohn von Holocaust-Überlebenden. Schon damals folgte er seiner Einbestellung ins Außenministerium nicht.

Kushner ist seit Juli 2025 US-Botschafter in Paris. Seine Ernennung war umstritten, da der Geschäftsmann keinerlei diplomatische Erfahrung hat. Der ehemalige Immobilienunternehmer hatte außerdem wegen Steuerhinterziehung 14 Monate im Gefängnis gesessen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

19 Kommentare

 / 
  • "Der ehemalige Immobilienunternehmer hatte außerdem wegen Steuerhinterziehung 14 Monate im Gefängnis gesessen."



    ---



    Ist das bei Trump eigentlich eine Einstellungsvoraussetzung?

    Natürlich ist dieser mutmaßliche Mord eine heikle Angelegenheit, aber ich denke, Frankreich benötigt weder aus den USA noch aus Italien Belehrungen, wie damit umzugehen ist.

  • Der Vorgang selbst ist ausreichend klar. Dass die Welt auch hier wieder ihr ambivalentes Gesicht zeigt, beweist die Ausführung zur Judenfeindlichkeit von Kushner im letzten Sommer.

    Prinzipiell würde es uns gut zu Gesicht stehen etwas besser nachzuvollziehen woher Winde wehen. Im Falle der USA kann man das mit dem hervorragenden Podcast von Depkat beim DLF machen. Das bringt etwas Ordnung ins Chaos der ganzen Labels, mit denen um sich geworfen wird um 1) die Welt ihrer Vielgesichtigkeit zu rauben (keine kognitive Ambiguitätstoleranz auch der Journalisten) und 2) der Welt, die man nicht versteht, einen Sinn abzugewinnen, indem man eine Abkürzung wählt ("faschistisch", "populistisch", "rechtsextrem" usw.). Denn nichts davon was man uns vorsetzt ist wirklich ausgegoren, was spätestens die mediale Einordnung der Ermordung Charlie Kirks deutlich offenbarte. Denn in den USA - so legt Depkat ausführlich dar - ist Kirk kein Rechtsextremer sondern tatsächlich ein streitbarer Konservativer gewesen. Das bedeutet keineswegs, dass er moralisch sauber gewesen wäre. Nur fragen sie sich alle mal: Sind die Clintons denn moralisch sauber gewesen?

    Man muss es sich schwerer, nicht leichter machen!

  • Ich möchte folgenden Satz beanstanden:



    "die in Teilen rechtsextreme AfD unterstützte"



    Die Afd ist nicht in Teilen rechtsextrem, sondern zu einem nur noch kleinen Teil rechtspopulistisch. Zum größten Teil faschistisch.



    Die bisherige Sprachregelung bitte updaten.



    Ansonsten: ein völlig unmögliches Verhalten von Kushner - das zeigt wie rechtsradikal das US-Regime heute ist.

  • Wer als Diplomat die einfachsten Dinge nicht beherrscht, wird dann halt nur bedingt als Diplomat angesehen. Frankreich macht das schon richtig.



    Kushner kann doch vermutlich nicht mal die zentrale Diplomatensprache der Welt, das präzise Französisch. Frankreich duldete den trumpistischen Oligarchen, das Ursprungsland darf entscheiden. Aber ein Großk*tz darf auch auflaufen.

  • der "französische US-Botschafter" da mußt ich kurz überlegen, ist es der französische Botschafter in den USA oder der amerikanische Botschafter in Frankreich.....

  • Als Botschafter zwei Einbestellungen ignorieren: Deutlicher kann man nicht sagen "Leckt mich doch am Arsch". Wahrscheinlich sind solche Charakterzügen die Grundvoraussetzung, um Milliarden anhäufen zu können. Nur: Als Diplomat ist man dann völlig fehl am Platz.

    • @Josef 123:

      Kushner? In seiner Eigenschaft Vater des gleichnamigen Trump-Schwiegersohnes Jared Kushner? Hm, mal kurz überlegen …



      Sollte es sich dabei etwa um eine der bei uns als moralisch anrüchig geltenden Überkreuz-Anstellungen handeln?😉

      • @Abdurchdiemitte:

        Nicht nur:



        "Am 30. Juni 2004 wurde Kushner von der Federal Election Commission zu einer Geldstrafe von 508.900 Dollar wegen illegaler Wahlkampfspenden verurteilt. 2005 bekannte er sich im Rahmen eines Vergleichs mit New Jerseys Staatsanwalt Chris Christie in 18 Anklagepunkten wegen illegaler Wahlkampfspenden, Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung schuldig. Der Vorwurf der Zeugenbeeinflussung ergab sich aus Kushners Vergeltungsmaßnahmen gegen William Schulder, den Ehemann seiner Schwester Esther, der mit den Bundesermittlern gegen Kushner kooperierte. Kushner heuerte eine Prostituierte an, um seinen Schwager zu verführen und ließ die sexuelle Begegnung zwischen den beiden aufzeichnen und das Band an seine Schwester schicken.



        Kushner wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt und verbüßte seine Haftstrafe in dem Federal Prison Camp, Montgomery in Alabama. Nach 14 Monaten wurde er im August 2006 aus der Haft entlassen. Am 23. Dezember 2020 begnadigte Präsident Trump Kushner und annullierte seine Verurteilung nachträglich. Dies wurde mit Kushners philanthropischen Aktivitäten begründet, darunter Spenden an medizinische Einrichtungen und jüdische Organisationen." (Wiki)

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass der einen einzigen Satz auf Französisch herausbringt. Und wenn, dann ist er nicht zu verstehen. Haben Sie schon mal einen Amerikaner Französisch sprechen gehört - grauenhaft und zum Davonlaufen.

    • @Il_Leopardo:

      Anglophone hingegen beschweren sich höchst selten über die Akzente und Sprechweisen von Nicht-Muttersprachlern. Nehmen Sie sich doch ruhig ein Beispiel an denen.

      • @MeinerHeiner:

        Al Bundy, die Verkörperung des amerikanischen Durchschnittsmannes, ist da anderer Meinung wenn es um Frankreich geht.

      • @MeinerHeiner:

        Das ist in der Tat die wichtigste Erkenntnis in diesem Gesamtzusammenhang. Sehr tiefgreifend.....

  • "Außenminister Jean-Noël Barrot untersagte US-Botschafter Charles Kushner am Dienstag jeden direkten Kontakt zu Regierungsmitgliedern. Er reagierte damit auf die Weigerung Kushners, im Außenministerium zu erscheinen, um über eine Einmischung im Fall Deranque zu sprechen."



    Viel zu sanft. Unerwünschte Person, und raus.



    Aber ich nehme an, das ist die Three-Strike-Regel, vermutlich diplomatischer.

  • Kushner senior ist nicht der erste und wird auch nicht der letzte Botschafter eines (eigentlich) befreundeten Staates sein, der sich gänzlich undiplomatisch äußert oder sich in innere Angelegenheiten des Gastlandes einmischt. Ich erinnere an Richard Grenell, Andrij Melnyk, Ron Prosor. Wenn ich länger darüber nachdenke, fallen mir sicher noch ein paar mehr ein.



    Dass Herr Kushner allerdings nicht zum ersten Mal einer Einbestellung nicht nachkommt, lässt schon tief blicken, was seinen Respekt vor rechtsstaatlichen und diplomatischen Gepflogenheiten angeht.



    Aber, um es umgangssprachlich auszudrücken: Wie der Herr, so's Gescherr.

  • Wird das den Exknacki den Trump nur zur Provokation nach Europa geschickt hat stören. Eher nein. Demokratiefeinde halten in der Regel auch nichts von Diplomatie.

  • Man erinnere sich, wie sehr Trump und seine Kumpane Joe Biden beschimpft haben und der Korruption ziehen, als dessen Sohn Hunter Biden in der Urkraine Geschäfte machen wollte - eine Lappalie, substanzlos. Und Trump setzt die Familie auf extrem wichtige Posten ohne dass von denen einer auch nur einen Deut von Ahnung der Materie hätte. Kushner als spendabler Milliardär und sein Sohn sind krasse Fehlbesetzungen. Es schadet den USA, nüzt aber Trump und seinem Clan. Wer diesen Clan mit der Mafia vergleicht, der tut letzterer zutiefst Unrecht....

    • @Perkele:

      Ja ich erinnere mich auch noch gut an die Bilder wie seine Tochter am Verhandlungstisch neben Merkel sass. Das hat mich an die 80er erinnert, als aufgetackelte Frauen in Film und TV immer nur dümmliche Rollen hatten. Ein echtes Klischee Revival.

      Und ja, Trump mit der Mafia zu vergleichen ist nicht fair. Wäre er der Pate gewesen wie im Film, dann hätte die Straßen Katze ihn schon in den ersten 5 Minuten getötet.



      Warum ausgerechnet die Katze?



      Nun, jetzt muss ich aufpassen was ich schreibe, Strafbarkeit und so, aber Katzen sind sehr schlaue Tiere.

      • @Rikard Dobos:

        Dann sag' ich es: Katzen fressen Ratten - deshalb wurden/werden sie gehalten.

  • Die Einmischung von US-Botschafter Charles Kushner und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in den Fall des getöteten Rechtsextremisten Quentin Deranque ist an Abscheulichkeit kaum zu überbieten. Dass Washington und Rom eine französische Tragödie nutzen, um vor „linkem Terror“ zu warnen, ist kein Mitgefühl, sondern kalkulierte Brandstiftung. Hier wird ein gewaltsamer Tod zum Treibstoff für eine globale Rechtsaußen-Agenda umgedeutet.



    ​Dass Kushner nun sogar Termine schwänzt, während seine Botschaft das Märchen von der bedrohten öffentlichen Sicherheit in Frankreich verbreitet, entlarvt die Arroganz der Trump-Diplomatie: Souveränität gilt für sie nur, wenn sie dem eigenen Machtanspruch dient. Meloni wiederum beklagt eine „Wunde für Europa“, während ihre eigene Politik den Kontinent spaltet. Dieses koordinierte Leichenfleddern der „reaktionären Internationalen“ muss ein Ende haben. Lyon braucht rechtsstaatliche Aufarbeitung, keine zynischen Regieanweisungen von Despoten-Verstehern und Ideologen aus Übersee!