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Menstruationsurlaub Zeit für eine neue Regel

Marie Frank

Kommentar von

Marie Frank

Montenegro führt als zweites Land in Europa Menstruationsurlaub ein. Und Deutschland? Macht das Gegenteil. Dabei ist eine Freistellung längst überfällig.

G ute Nachrichten sind schwer zu finden dieser Tage. Da macht es Hoffnung, dass Montenegro nun als zweites europäisches Land nach Spanien den Menstruationsurlaub eingeführt hat. Dass Frauen mit extremen Menstruationsbeschwerden überhaupt ernst genommen werden, ist schließlich noch relativ neu. Und dass, obwohl hierzulande rund 15 Prozent aller Frauen an der chronischen Erkrankung Endometriose leiden, die sehr starke Unterleibsschmerzen verursacht.

Doch nun rückt Frauengesundheit mehr in den Fokus. In Spanien haben Frauen und Trans Männer seit drei Jahren die Möglichkeit einer Menstruationsfreistellung von drei bis fünf Tagen pro Monat mit ärztlichem Attest. Dafür erhält man eine Lohnfortzahlung ab dem ersten Tag und nicht wie sonst erst ab dem vierten. Montenegro zieht jetzt nach, für den zweitägigen „Urlaub“ braucht es allerdings auch hier eine diagnostizierte gynäkologische Erkrankung. Dafür bekommt man den vollen und nicht wie im Krankheitsfall einen reduzierten Lohn.

Andere Länder haben schon länger Regelungen zu Regelschmerzen: In Japan werden Frauen bereits seit 1947 freigestellt, in Indonesien seit 1948, Bezahlung allerdings nicht garantiert. Am fortschrittlichsten ist Sambia mit dem „Mothers Day“, einem gesetzlichen Anspruch auf einen bezahlten freien Tag pro Monat für alle Arbeitnehmerinnen.

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Und Deutschland? Geht in die komplett andere Richtung. Das Vorhaben der Bundesregierung einer Krankschreibung ab dem ersten Tag ist ein Schlag in den Unterleib. Nicht nur für die 2 bis 4 Millionen Frauen, die von Endometriose betroffen sind, sondern gleichfalls für die vielen Millionen, die auch so wegen starker Unterleibschmerzen nicht arbeiten können.

Für sie braucht es eine generelle Freistellung, ganz ohne Attest, ganz ohne Stigma. Doch dafür müssten Männer wohl selbst unter diesen unerträglichen Schmerzen leiden – dann gäbe es vermutlich längst nicht nur Regelfrei, sondern auch zusätzliche Pausen, Ruheräume, kostenlose Medikamente und eine Umsatzsteuerbefreiung für Menstruationsprodukte. Da dies nicht passiert, müssen wir Frauen und andere Menstruierende weiter dafür kämpfen – in der Politik und am Arbeitsplatz, trotz Schmerzen.

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Marie Frank

Marie Frank Redakteurin

Redakteurin bei der taz mit Schwerpunkt soziale Bewegungen, Migration, Klassenkampf und soziale Gerechtigkeit. Hat politische Theorie studiert, ist aber mehr an der Praxis interessiert.
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14 Kommentare

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  • Menstruations“urlaub“ mit voller Bezahlung und ärztlichem Attest nennt man Krankschreibung in Deutschland, gibt es schon ewig. So fortschrittlich wie Sambia war die DDR auch, nur war der Name des freien Tages ehrlicher: „Haushaltstag“.

    „Krankschreibung ab dem ersten Tag ist ein Schlag in den Unterleib.“ Privilegien merkt man immer erst, wenn man selbst betroffen ist. Das konnte im Arbeitsvertrag schon immer so geregelt werden und außerhalb des Elfenbeinturms und der Tarifverträge, war das eher der Normalfall.

  • Das dürfte Frauen auf dem Arbeitsmarkt eher benachteiligen. Es wäre dann ja tatsächlich so, dass sie insgesamt weniger Arbeitsstunden leisten, und ob nun Schmerzen dahinter stehen oder nicht könnten Arbeitgeber:innen nunmal nicht nachvollziehen.

    Ich würde langfristig eher auf Forschung im Bereich Endometriose setzen und auch darauf, dass die Schmerzen erst gar nicht auftreten. Warum den Schmerz zulassen, wenn man ihn in vielen Fällen vermeiden kann? Jüngste Studien zum Ausbleiben der Periode durch Hormongabe sehen keine erhöhten Nebenwirkung im Vergleich zur Einnahme der Pille. Bei Frauen mit Schmerzproblematik sollte auch die Entnahme des Uterus voll übernommen werden, wenn sie es selbstbestimmt wünschen.

    Starke Schmerzen müssen grundsätzlich als legitimer Grund für eine AUB erfasst sein, so kann man selbstverständlich nicht arbeiten. Und dann hätte man auch die Problematik mit dem "Die wird jeden Monat tagelang ausfallen" beim Bewerbungsgespräch nicht.

    Ich glaube auch insgesamt, dass die meisten Männer in erster Linie den Schmerz erst gar nicht zulassen würden, wenn er sie am Leben hindert und dazu benachteiligt.

    • @ImInternet:

      "Ich glaube auch insgesamt, dass die meisten Männer in erster Linie den Schmerz erst gar nicht zulassen würden, wenn er sie am Leben hindert und dazu benachteiligt."

      Schmerz "nicht zulassen"? Was soll das bitte bedeuten? Jetzt wird schon beim Thema Schmerz victim blaming betrieben? Die drecks Weiber sollen sich halt nicht so anstellen und den Schmerz halt nicht zulassen, oder was? Aber sonst hast du sie noch alle? Wie zum Teufel stellst du dir das bitte vor, Schmerzen "nicht zuzulassen", du Visionär? Was ist das bitte für eine bescheuerte Aussage? Wenn du mal mit Infarkt auf der Intensivstation liegst, lass den Schmerz einfach nicht zu 🤡 Ich bin echt fassungslos über diesen Mangel an gesundem Menschenverstand. Seit wann hat man die Wahl darüber ob man Schmerzen hat oder nicht? Genau das wird in diesem realitäts- und bildungsfernen Kommentar nämlich suggeriert. Schäm dich gefälligst für diesen peinlichen Dilettantismus.

  • Ginge es um Männer, dann gäbe es Weltweit bereits seit mindestens 5000 Jahren solch eine Regelung. Ach ja, und ein Schwangerschaftsabbruch wäre bis zum Ende des 201ten Monats straffrei!

    • @Thomas Templin:

      Ist das so? Sterben deshalb Männer früher als Frauen? Greifen eher zu Rauschmittel. Begehen eher Suizid? Sind häufiger obdachlos? Haben häufiger Arbeitsunfälle?

      Weil es Männern so gut geht?

      Wenn Männer die Regeln machen würden und solche allmächtigen Egoisten wären, dann würden überwiegend Frauen bei 40° Straßen pflastern oder auf Dächern und Gerüste rumklettern.

      • @Pawel_ko:

        Selber schuld. Sind die Folgen des Patriarchats das hauptsächlich Männer erbaut haben und immer noch aufrecht erhalten. Tut was dagegen oder heult nicht rum. Ich glaubs ja wohl nicht.

  • "Menstruationsfreistellung von drei bis fünf Tagen pro Monat mit ärztlichem Attest."

    Na dann ist das ja wohl kaum "Menstruationsurlaub". Und inwieweit unterscheidet sich das dann mit der Situation in Deutschland, wo man bei Schmerzen ebenfalls einen Krankenschein vom Arzt bekommt?

  • Ja, von mir aus ehrlich gerne. Wird den Frauen auf dem Arbeitsmarkt aber bestimmt nicht helfen, wenn der Arbeitgeber sich nicht nur über eine mögliche Schwangerschaft Gedanken machen muss, sondern auch bis zu 5 Arbeitstage weniger Arbeit im Monat...

    Und eine Krankschreibung wegen unterleibsschmerzen ist ja jetzt nicht stigmatisierend. Der Arbeitgeber kennt den Grund der Krankschreibung nicht und der Arzt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet.

    • @Pawel_ko:

      "... wenn der Arbeitgeber sich nicht nur über eine mögliche Schwangerschaft Gedanken machen muss, sondern auch bis zu 5 Arbeitstage weniger Arbeit im Monat..."

      Da dieser "Urlaub" dann allen Frauen zustünde, unabhängig davon, wie stark die Beschwerden sind, finde ich es auch den m/d-Kollegen gegenüber unkollegial, wenn Frauen nur drei Wochen statt vier Wochen pro Monat arbeiten müssen und die Vertretungsarbeit von Kollegen übernommen werden muss. Bei Erkrankungen ist das selbstverständlich und jede/r ist mit Menschen, die Schmerzen haben oder krank sind, solidarisch, aber der Vorschlag scheint ja in die Richtung zu gehen, dass jede menstruierende Frau, unabhängig ihrer Beschwerden, frei machen kann.

      Ich persönlich möchte auch nicht, nur weil ich halt menstruiere, dem Klischee der "schwachen" Frau, die geschont werden muss, entsprechen.

      • @*Sabine*:

        Eine Frau die sich also schonen muss ist also "schwach" in deinen Augen? Internalisierte Misogynie nennt man das. Du bist Teil des Problems.

        • @la sicaria:

          "Eine Frau die sich also schonen muss ist also "schwach" in deinen Augen?"

          Da habe ich mich missverständlich ausgedrückt und bitte um Entschuldigung.

  • Ich fände es schöner, wenn wir uns als Gesellschaft allmählich in die Richtung Gleichbehandlung von m/w/d bewegen. Im Fall auftretender Schmerzen finde ich es gut geregelt. Wenn m/w/d Schmerzen haben, gehen sie zum Arzt oder rufen den Notarzt, erhalten eine Krankschreibung und können ihrem Arbeitsplatz fernbleiben bzw. im HomeOffice aussetzen. (Die Situation von Müttern und Vätern m/w/d ist anders, wenn kleine Kinder zu Hause sind, aber das ist nicht das Artikelthema.)

    Da durch KI, Robotik usw. Arbeitsplätze wegfallen werden, halte ich es für kontraproduktiv, wenn Frauen als Bewerberinnen nicht nur durch ihre Gebärfähigkeit und evtl. Schwangerschaft, sondern auch durch zusätzlichen "Menstruationsurlaub" alle vier Wochen Wettbewerbsnachteile gegenüber m/d haben. Die Intensität der Menstruationsbeschwerden ist selbstverständlich unterschiedlich, dennoch denke ich, dass eine "normale Krankschreibung" der bessere Weg ist, zumal auch m/d, wenn sie Schmerzen haben, diesen Weg gehen müssen.

    Ich würde mich mit einer solchen Regelung bezüglich Menstruationsbeschwerden-Freie-Tage nicht wohl fühlen und finde das unangemessen.

  • An sich ist das eine gute Sache. Allerdings sollte die Rahmung des Ganzen mMn. anders verlaufen, denn auf diese Weise reproduziert man (un-)gewollt das Narrativ der schwächeren, weil weniger belastbaren Frau*/menstruierenden Person.



    Eine Regelung, die z.B. auch Personen mit wiederholter, starker Migräne (nur um ein anderes medizinisches Beispiel zu nennen), wäre mMn. sinnvoller, weil es eben auch Nicht-Frauen inkludiert. Ergänzt werden könnte das sicher durch weitere, vergleichbare Beschwerden. --> Das wäre a) inklusiver und würde b) das 'Problem' nicht derart an den menstruierenden Körper binden, weil - das zeigt das Beispiel Migräne - auch Nicht-Frauen durch solche Beschwerden massiv eingeschränkt werden können.

    Darüber hinaus ist der Begriff MenstruationsURLAUB ziemlich daneben, schließlich machen die betreffenden Personen keinen 'Urlaub', sondern müssen aufgrund ihrer Beschwerden freigestellt werden. Deshalb hat man historisch z.B. auch den Erziehungs'urlaub' nicht mehr so genannt.

    • @White_Chocobo:

      Ich geh mal davon aus, daß die privatversicherten Reformabnicker und -innen davon ausgehen, daß mer mit irgendwas chronischem auf ne Schwerbehinderung hinwirkt und somit "geschützt" ist und selbstredend im Zweifelsfalle ne ordentliche Berufs-/Erwerbsunfähigkeitsversicherung hat.