Lockerung von Coronabeschränkungen: Jetzt aufgeben wäre dumm

Nach einem Jahr Corona liegen die Nerven blank. Trotzdem wäre es dumm, genau jetzt Lockerungen zuzulassen.

Pflaster auf einem Oberarm

Pflaster nach einer Corona-Impfung im Pflegeheim Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Diskussionen vor dem nächsten Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch sind schwer zu verstehen. Trotz Teillockdowns steigt die Zahl der Neuinfektionen derzeit wieder an; die Warnungen, dass die Ausbreitung der stärker ansteckenden Mutationen den Rückgang ins Gegenteil verkehren wird, haben sich also bestätigt. Trotzdem wird nicht etwa darüber diskutiert, wie sich die drohende dritte Welle noch aufhalten lässt; stattdessen geht es vor allem darum, wo die Beschränkungen als erstes gelockert werden.

Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, denn nach einem Jahr Corona liegen vielerorts die Nerven (und teilweise auch die Bankkonten) blank. Aber zugleich ist die Lockerungsdebatte zum jetzigen Zeitpunkt ziemlich dumm.

Denn erstmals gibt es nun eine echte Perspektive für ein Ende der Epidemie. Die zunehmende Zahl der Impfungen fängt bereits an, sich in niedrigeren Todeszahlen niederzuschlagen. Weil inzwischen klar ist, dass die Impfung nicht nur gegen eine Erkrankung, sondern auch gegen die Infektion schützt, wird sie in wenigen Monaten auch zu niedrigeren Infektionszahlen führen. Zugleich könnte ein systematisches Test-Konzept die Zahl der Ansteckungen weiter reduzieren. Und auch die wärmeren Temperaturen, die weniger Aufenthalt in geschlossenen Räumen mit sich bringen, dürften helfen.

Alle diese positiven Entwicklungen brauchen aber noch eine Weile, um wirklich wirken zu können. Gefragt ist darum zum einen ein bisschen mehr Geduld. Die Vereinigung der Intensivmediziner hat berechnet, dass Lockerungen zum jetzigen Zeitpunkt eine Überlastung der Stationen – und damit viele zusätzliche Tote – zur Folge hätten, während sie im April weitaus glimpflicher ausgehen würden.

Statt kurz vorm Ziel aufzugeben, sollte die Politik zum anderen die positiven Entwicklungen beschleunigen, indem sie für mehr Tests und schnellere Impfungen sorgt. Neben besserer Organisation der Terminvergabe kann dabei auch eine Verschiebung der zweiten Impfdosis helfen. Denn auch das rettet neuen Berechnungen zufolge zusätzliche Leben.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

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