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Landratswahl in BrandenburgDie AfD kann nicht gewinnen

Bei der Landratswahl in der Uckermark im Norden von Berlin verliert AfD-Kandidat Felix Teichner gegen CDU-Landrätin Karina Dörk.

Auf seinen Werbeplakaten verglich die AfD CDU-Konkurrentin Dörk mit Angela Merkel Foto: Jens Kalaene/dpa
Stefan Reinecke

Aus Prenzlau

Stefan Reinecke

Es endet immer gleich: Die AfD ist in Brandenburg extrem stark, aber sie kann nicht gewinnen. Denn die Mobilisierung gegen die AfD ist wuchtiger als die kampagnenfähige rechtsextreme Partei. So kann man das Ergebnis der Landratswahlen in Brandenburg zusammenfassen.

In der Uckermark verlor Felix Teichner, ein umtriebiger, in Prenzlau geborener AfD-Landtagsabgeordneter, deutlich mit 40 zu 60 Prozent das Rennen um den Landratsposten gegen die CDU-Amtsinhaberin. Die Wahlbeteiligung war mit 55 Prozent fast doppelt so hoch wie vor acht Jahren. Dies war, so der CDU-Kreis-Dezernent Henryk Wichmann zur taz, „der am stärksten polarisierte Wahlkampf, den ich je erlebt habe“.

Am Sonntagabend war Landrätin Karina Dörk (61) bei der CDU-Wahlparty in einem Prenzlauer Lokal kurz zu Tränen gerührt. Im Wahlkampf hatte die AfD sie persönlich als Merkel-Imitat angegriffen. Laut einer Mitarbeiterin der CDU-Geschäftsstelle Uckermark gab es per Telefon und Mail während des Wahlkampfs extrem viele Beleidigungen. Landrätin Dörk gab indes schnell das Motto vor, das nur gelten soll: „Morgen geht die Arbeit weiter“.

Nico Beetz, Vorsitzender der Jungen Union in der Uckermark, sagte der taz, er sei „erfreut, dass die AfD nicht den Landrat stellt. Das ist besser für die Uckermark.“ Der AfD-Wahlkampf mit den verbalen Attacken sei „schwierig gewesen“. Henryk Wichmann lobte das klare Ergebnis. Denn damit seien auch alle möglichen Verdächtigungen über Manipulationen, die in der AfD stets auf fruchtbaren Boden fallen, hinfällig. AfD-Mann Teichner gratulierte Dörk zu ihrem Sieg, noch bevor das amtliche Ergebnis feststand.

Peinliche Affäre um Schlagersänger Heino

Die AfD ist in der Uckermark die am besten organisierte Partei. Teichner war ein attraktiver Kandidat, der im Wahlkampf alle Register der Aufmerksamkeitserregung zog. Ein Social-Media-Post, der den Schlagersänger Heino als AfD-Fan zeigte, war indes zu viel der Geschmacklosigkeit. „Am Sonntag würde Heino Felix wählen!“, behauptete Teichner dort, was Schlagersänger Heino als „Unverschämtheit“ bezeichnete. Dessen Anwälte fordern von dem AfD-Mann ein Schmerzensgeld von 250.000 Euro. Diese für Teichner peinliche Affäre schlug erst am Wahltag öffentliche Wellen und hatte somit kaum Auswirkungen auf den Ausgang. Teichner erklärte, dass 40 Prozent für die AfD ein „gutes Ergebnis“ sei.

Ausschlaggebend für Dörks Sieg waren drei Faktoren. Erstens unterstützten sie von FDP bis zur Linkspartei alle Parteien sowie mehrere demokratische Organisationen im Landkreis. Zudem ließ die CDU-Frau die persönlichen Attacken ihres Kontrahenten, die unter die Gürtellinie zielten, nüchtern ins Leere laufen. Und sie setzte auf einen Kompetenzwahlkampf, der eher nebenher Zweifel bestärkte, ob der AfD-Mann den komplexen Anforderungen des Landratsamtes genügen würde.

Allerdings zeigt dieses Ergebnis auch: Die AfD ist im Norden von Berlin keine Protestpartei mehr. Sie ist ein Machtfaktor und kann in der Uckermark mit 40 Prozent rechnen. Genauso viel bekam sie auch bei der Bundestags- und der Landtagswahl 2025.

Im Landkreis Barnim muss SPD-Amtsinhaber Daniel Kurth am 10. Mai in eine Stichwahl gegen den AfD-Herausforderer. Die Chancen stehen gut: Kurth bekam im ersten Wahlgang 40,9 Prozent – zehn Prozent mehr als der AfD-Kandidat. So zeigen beide Landratswahlen das gleiche Muster wie schon etliche andere Wahlen um Landrats – und Bürgermeisterposten in Brandenburg. Die AfD ist stark – scheitert aber, wenn es gelingt, die gesellschaftliche Mitte gegen ihre extremistischen Parolen und Positionen zu mobilisieren.

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7 Kommentare

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  • Dem letzten Satz kann ich zustimmen, mit einer Einschränkung. Bei einer Persönlichkeitswahl wie zum Landrat oder Bürgermeister kann eine breite 'anti-blaubraune Einheitsfront' Wahlsiege der AFD verhindern. Dies funktioniert aber bei Landtags- und Bundestagswahlen so leider nicht, da kämpft jede Partei für sich.



    Was vielleicht im Herbst bei den Landtagswahlen helfen könnte, wäre die Wahluntertützung durch US-Aussenminister Vance für die AFD.

  • kann die cdu frau nicht verbieten lassen dass ihr gesicht auf einem afd wahlplakat erscheint?

    • @prius:

      Wohl eher nicht. Den Parteien wird vom Grundgesetz ausgehend eine sehr weitgehende Freiheit zugestanden, was Wahlwerbung betrifft. Und die Kandidaten haben sich schließlich auf einen Wettbewerb eingelassen, da (so der Gesetzgeber) müssen sie auch harte Kritik in Wort und Bild aushalten können.



      Die Grenze ist erst bei strafbaren Inhalten überschritten, Volksverhetzung und strafrechtlich relevante Diffamierung eines Gegners sind nicht erlaubt, aber das sehe ich bei dem fraglichen Wahlplakat nicht...

  • ""Laut einer Mitarbeiterin der CDU-Geschäftsstelle Uckermark gab es per Telefon und Mail während des Wahlkampfs extrem viele Beleidigungen.""



    ==



    So sieht die Verwüstung der politischen Kultur in der Uckermark durch die ""Alternative gegen Deuschland"" aus - ausser Beleidigungen und persönliche Attacken unter der Gürtellinie gegen demokratische Wahlbewerber hat die Alternative, die Brandenburg gegen die Wand fahren möchte, nichts zu bieten.



    ==



    Wahltag auch in Barnim - Nach der Auszählung von 228 von 229 Wahlkreisen liegt hier der amtierende Landrat Daniel Kurth / SPD mit 40,9 Prozent vorn. Auch hier wird es höchstwahrscheinlich nach der Auszählung aller Stimmen zur Stichwahl kommen.

  • Ich möchte Herrn Reinecke zustimmen. Das Ergebnis der Landratswahl in der Uckermark zeigt doch eines: wenn es darauf ankommt, die AfD von wichtigen politischen Positionen (auch schon auf kommunalpolitischer Ebene) fernzuhalten, muss die Brandmauer stehen.



    Das ist in diesem Fall gelungen, deshalb mein Glückwunsch an die CDU-Amtsinhaberin Karina Dörks.



    #Keine Normalisierung der rechtsextremistischen, verfassungsfeindlichen AfD.

  • Gott sei Dank.

  • Die ekelhAfDen mussten wieder einen Verlust hinnehmen. Gut so!

    Anmerkung:



    Irgendwie hat meine Tastatur verrückt gespielt.