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Konflikt in GarzweilerKein zweiter Hambi

Eine polizeiliche Großräumung wie im Hambacher Forst wäre politischer Suizid. Aus dem Dorf Lützerath darf kein Tagebau werden.

Ein Haus im Dorf Lützerath Foto: Matthias Oesterle/imago

F ür Klimagerechtigkeit und den sozialen Frieden im Rheinland brauchen wir ein Moratorium für das Dorf Lützerath. Das Dorf an der Kante der Kohlemine Garzweiler lebt, das wird vor Ort schon nach wenigen Minuten deutlich. Regnerischer Wind treibt die Geräusche von Hämmern und Sägen über die große Wiese des Ortes zu uns, fast übertönen sie den Lärm der riesigen Kohlebagger unten im Loch.

Tausende Menschen haben hier protestiert, Hunderte Menschen sind hier in den letzten zwei Jahren hingezogen und machen Lützerath zum neuen Symbolort der Klimagerechtigkeitsbewegung. Eckhardt Heukamp betreibt hier seinen landwirtschaftlichen Betrieb in vierter Generation und klagt dagegen, dass er für RWEs Tagebau zwangsenteignet werden soll. „Hier wegzugehen ist unmöglich. Du kannst das hier nicht verpflanzen“, erklärt er uns seinen Wunsch, sein Zuhause und die umliegenden Äcker zu behalten.

Antje Grothus und Kathrin Henneberger

Grothus kandidiert für die Grünen im Rhein-Erft-Kreis. Henneberger ist Grüne Bundestagsabgeordnete für die Region Garzweiler.

Ginge es nach dem Kohlekonzern und der schwarz-gelben Landesregierung, droht am Tagebau Garzweiler ein „zweiter Hambacher Forst“. Wer einmal in Lützerath war, weiß, dass ein Polizeiaufgebot in der Größenordnung der „Hambi-Räumung“ nötig wäre, um RWE den Weg freizuräumen. Die Anordnung einer solchen Maßnahme wäre politischer Suizid. Wieder einmal würden Fakten der Zerstörung geschaffen, obwohl die Kohle unter dem Dorf weder energiewirtschaftlich notwendig ist noch mit Blick auf die Realität der Klimakrise verfeuert werden darf.

Es ist an der Zeit, dass die Landesregierung einem Moratorium zustimmt: Bis die Bundesregierung den Kohleausstieg auf 2030 beschleunigt und in NRW eine neue Leitentscheidung verabschiedet wurde, darf in Lützerath nicht gerodet, geräumt oder gebaggert werden. So gewinnen die demokratischen Prozesse nach dem Regierungswechsel in Berlin und vor der Landtagswahl in NRW Zeit und Raum und unsere Region eine Verschnaufpause. NRW-Ministerpräsident Wüst steht nun vor der Wahl: Sucht er die Eskalation im Rheinland, oder gönnt er dem Revier Dialog und Versöhnung?

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4 Kommentare

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  • Die einzig legitime Politik in dieser Sache wäre es, dem Dorf Zukunft zu geben. Erstens, weil weiterer Kohlebergbau klimaschädlich ist, zweitens, weil es ohnehin ein Verbrechen ist, ganze Dörfer, Landschaften, Heimaten zu zerstören. Das muss ein Ende haben!

    Mit der schwarzgelben Koalition auf Landesebene sieht das aber schlecht aus. Die CDU nimmt das C in ihrem Namen wenig ernst, sie treibt gerne eine unchristliche Politik zulasten der kleinen Leute. Und die FDP, die die Freiheit im Namen trägt, meint damit auch nur Freiheit für Reiche.

  • "Die Anordnung einer solchen Maßnahme wäre politischer Suizid."



    Ah geh, das ist doch Unsinn. Das wirkt vielleicht in der grün-linken Blase so - beim Großteil der Bevölkerung spielt das keine große Rolle, siehe auch aktuelle Umfragewerte der CDU in NRW. Wenn sich überhaupt breit über derartiges aufgeregt werden sollte, dann nur so lange, bis die nächste Sau durch's Dorf getrieben wird.

  • Korrekt

    “ Konflikt in Garzweiler : Kein zweiter Hambi



    Eine polizeiliche Großräumung wie im Hambacher Forst wäre politischer Suizid. Aus dem Dorf Lützerath darf kein Tagebau werden.“

    kurz - Vorschlag zur Güte!



    Is doch ganz einfach: Lasset - der sitzt eh nur rum & der Oberstupidienrat Reusch kommen wg eklatantem Rechtsbruch Hambi & Verdunklungsgefahr in U-Haft. Der Vollglatti MP NRW/CDU kriegt vorsorglich & wg Wiederholungsgefahr ne Abmahnung & wird wg Corona Verdacht für 14 Tage in Quarantäne genommen & mit einem Tätigkeitsverbot belegt!



    Doch. So müßts gehen! Newahr.



    Na - Aber Si‘cher dat. Dat wüßt ich ever.



    Da mähtste nix.



    Normal •

  • Politischer Selbstmord, den gibt es noch?



    Der letzte, an den ich mich erinnere, war der von Margot Käßmann, die nach einer Alkoholfahrt mit ihrem Pkw vom Bischofsamt und EKD-Ratsvorsitz zurück trat. Und dass war aller Ehren wert.