Kohlegegner reichen Antrag an: Weltkulturerbe Lützerath

Braunkohlegegner hoffen auf die Ernennung des Dorfes am Tagebau zum industriellen Denkmal. Ob das was wird, ist allerdings fraglich.

Eckardt Heukamp

Eckardt Heukamp ist Bauer und der letzte Bewohner von Lützerath Foto: Heike Lachmann

LÜTZERATH taz | Seit Monaten wird in Lützerath laut postuliert und groß plakatiert: Hier entscheidet sich das Pariser 1,5-Grad-Ziel! Ist das nicht größenwahnsinnig für das winzige Restdorf? Hier wohnen nur noch der mittlerweile wohl berühmteste Bauer Deutschlands, Eckardt Heukamp, und 13 andere Personen offiziell zur Untermiete in seinen Nebengebäuden. Heukamp verweigert den Verkauf seines Hofs an die Braunkohlegräber von RWE, hat die Monsterbagger direkt vor seiner Nase – und wartet darauf, dass das Oberverwaltungsgericht Münster seine Enteignung stoppt. Im Januar wird ein Urteil erwartet.

Aber jetzt soll Lützerath sogar Unesco-Weltkulturerbe werden. Der Antrag liegt schon beim NRW-Bauministerium und beim Landesamt für Denkmalpflege. Beide Behörden sind für eine solche Erstprüfungen zuständig, bevor sich die Unesco in Paris selbst damit befasst.

Initiiert hat den Vorstoß der Polizist Bastian Brinkmann von Parents for Future Bielefeld. Lützerath stehe „für eine historisch belegte Form der Energiegewinnung“, damit sei der Ort „gleichermaßen industrielles Kulturerbe wie Mahnmal.“ Unter Denkmalschutz steht Heukamps 250 Jahre alter Hof schon lange. Nun hofft er auf eine positive Entscheidung, seinen Hof zum „Schutzwall zugunsten der Gesunderhaltung von Klima, Natur, Mensch“ zu machen.

Allerdings ist höchst fraglich, ob die zuständige Landesbauministerin dem Antrag zustimmt. Ina Scharrenbach (CDU) ist jene Politikerin, die sich 2018 die Brandschutzordnung als Begründung ausgedacht hatte, um den besetzten Hambacher Wald gut 20 Kilometer südlich räumen zu lassen.

Bis zur Entscheidung aus Münster hält RWE still

Die 50 Millionen Euro teure Aktion hatte das Verwaltungsgericht Köln im Sommer für illegal erklärt: Brandschutz? Vorgeschoben, also rechtswidrig. Der Stadtrat der zuständigen Gemeinde Kerpen lehnte darauf eine Revision ab. Scharrenbach setzte sich darüber sogar hinweg und erteilte umgehend Weisung zur Berufung.

Der Energiekonzern RWE, der sich bis zur Entscheidung aus Münster über Lützerath zum Stillhalten verpflichtet hat, sorgt indes weiter für Unruhe. Einen halben Kilometer neben Heukamps Hof gräbt seit Wochen ein Bagger, als wolle er den Ort von der Außenwelt abschneiden. An diesem Montag wollte RWE zudem die Schutzwälle aus Erdreich näher an den Ort heranschieben. Sofort kam es zu Protesten der rund 300 Menschen, die seit Monaten auf den Wiesen und in Baumhäusern neben Heukamps Hof leben.

Polizeikräfte konnten RWE offenbar beschwichtigen. „Der Polizei ist auch an Deeskalation gelegen“, sagt Antje Grothus von der Widerstandsinitiative „Buirer für Buir“. Vor zwei Wochen erst hatte RWE das Bochheimer Wäldchen neben dem Hambi gerodet.

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