Kämpfe an ukrainischem AKW: Den Super-GAU verhindern

Saporischschja ist das größte Atomkraftwerk in Europa. Umso bedrohlicher sind die gegenwärtigen Kampfhandlungen dort. Nun ist die IAEO in der Pflicht.

Ein Mann mit gelbem Shirt geht vor dem Atomkraftwerk Saporischschja auf einem Zebrastreifen

Russland beschuldigt die Ukraine und umgekehrt: Atomkraftwerk Saporischschja Foto: Alexander Ermochenko/reuters

Fast zehn mal mehr atomare Brennstäbe befinden sich derzeit in Europas größtem Atomkraftwerk, dem ukrainischen AKW Saporischschja in dem Städtchen Enerhodar, als 1986 im Unglücksreaktor von Tschernobyl. Bewaffnete Kämpfe, wie sie sich derzeit am AKW Saporischschja abspielen, hat es in der Geschichte der Atomenergie noch nie gegeben.

Die Russen beschuldigen die Ukrainer, das von russischen Truppen besetzte AKW zu beschießen. Die Ukrainer machen den Russen umgekehrt den Beschuss zum Vorwurf. Dass die Russen militärische Gewalt im AKW anwenden, ist allein durch die Besetzung und der Stationierung von Waffen erkennbar. Aber auch die Ukrainer haben zugegeben, mindestens einmal auf das AKW geschossen zu haben.

Verhandlungen sind der einzige Ausweg aus dieser gefährlichen Situation. Schwierig, aber nicht aussichtslos. Beim Getreide hat man sich schließlich einigen können. Russland und die ­Ukraine sind bei der Getreidefrage sogar bereit, miteinander in einer gemeinsamen Kommission zu arbeiten.

Können diese Verhandlungen Vorbild für eine Entspannung der Situation um das AKW Saporischschja sein? Nun, beim Getreide geht es um Geld, um viel Geld. Ginge es „nur“ um humanitäre und ökologische Belange, würde sich, so traurig und zynisch das klingen mag, eine dringende Lösung für das AKW Saporischschja wohl kaum finden lassen.

Geld und Macht

Aber auch beim AKW Saporischschja geht es um Geld und Macht. Die Ukraine will den lukrativen Atomstrom ins Ausland verkaufen, Russland will mit diesem die besetzten Gebiete mit Strom versorgen. Und der russische Atomkonzern Rosatom will keine Partner im ­internationalen Atomgeschäft verlieren.

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Die Hoffnung richtet sich auf die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), in dieser Gemengelage einen Ausweg zu finden. Ziel ist, zumindest die Atomanlage von den Kampfhandlungen zu verschonen. Endlich hat auch die ukrainische Seite Bereitschaft signalisiert, einer IAEO-Delegation den Zugang zum AKW zu ermöglichen. Jetzt ist Eile geboten.

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Jahrgang 1957 Ukraine-Korrespondent von taz und Eurotopics.de. Er hat in Heidelberg Russisch studiert. Daneben gute Ukrainisch-Kenntnisse. Hat sich jahrelang in den Bereichen Frieden, Menschenrechte, Anti-AKW, Asyl engagiert. Zusammenarbeit mit Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen in der ehemaligen UdSSR und in Deutschland. Schreibt seit 1993 für die taz.

Wir alle wollen angesichts dessen, was mit der Ukraine derzeit geschieht, nicht tatenlos zusehen. Doch wie soll mensch von Deutschland aus helfen? Unsere Ukraine-Soli-Liste bietet Ihnen einige Ansätze fürs eigene Aktivwerden.

▶ Die Liste finden Sie unter taz.de/ukrainesoli

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