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KI in Medien, Queerfeindlichkeit, WMZwei Schritte vorwärts, einer zurück

Deutschland kommt nicht so recht voran mit den Rechten für Queers. Ein WM-Vorrunden-Aus wäre ein Statement. Und dieser Text wurde nicht von einer KI geschrieben.

t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Unter Fußball-Turnieren sollen früher unpopuläre Gesetze durchgeschoben worden sein.

Und was wird besser in dieser?

Küppersbusch: Was passiert bei unpopulären Turnieren?

Trump wird 80. Hat er das verdient?

Küppersbusch: Dass diese gequälte Seele nicht früher raus darf, kann man dialektisch betrachten.

Der Tagesspiegel verzichtet wegen KI-Nutzung vorerst auf seinen Editor-at-Large Stephan-Andreas Casdorff. Die FAZ depubliziert aus demselben Grund einen Beitrag des thüringischen Ministerpräsidenten. Können wir uns auf Sie verlassen?

Küppersbusch: Ich hab ChatGPT mal einen Milchreisberg Texte von mir zu fressen gegeben und sie aufgefordert, in diesem Stil zu antworten. Das wurde teilweise peinlich, weil sie mich in Nullkomma durchschaute, teilweise auch tröstlich, weil sie überzuckert und fehlerfrei herumküppersbuschte. So Disneyfred. Völlig durchschaubar. In seiner Welt bzw. Welt ließ Matthias Döpfner nun wiederum die FAZ ganz offen von einer KI in seinem Namen bepöbeln. Er hält sich für einen Verlegerrockstar, sicher auch kein leichtes Schicksal, so am Lebensziel vorbeizulanden. In seinem KI-Text ist FAZ-Journalismus „Postkutsche“ und der hoho-Spaß von der Springer-Jungstoilette „Qualitätsjournalismus“. Und in der Tat – dass bei der Recherche oder beim Ausformulieren KI mitwirkt, wird sich immer weniger verhindern lassen. Wer diese Antwort nicht versteht; fehlende Zusammenhänge, unnötige Abschweifungen und Gewaltbereitschaft gegen den Sinn bemängelt, hat immerhin Indizien, dass ich es war.

Volkswagen-Markenvorstand Martin Sander sagt, Elektroautos mit extrem kurzen Ladezeiten werde man Anfang der 2030er-Jahre anbieten können. Ist das früh genug erwacht für die deutsche Autoindustrie?

Küppersbusch: Gerade VW hat sich seine Verbrenner mit Abgasbetrug und Flottenverbrauch-Lobbyismus jahrelang schön getrunken. Zöge man das ab, hätten sie spätestens jetzt konkurrenzfähige Angebote. Learning: Wer es gut mit ihnen meint, glaubt ihnen nix.

Vor zehn Jahren, am 12. Juni 2016, wurden im Club Pulse in Orlando, Florida 49 Menschen ermordet. Der Anschlag gilt als die schlimmste queerfeindliche Tat in der Geschichte der USA. Wie sollte man daran erinnern? Und hat es Konsequenzen gegeben zum Schutz von LGBTQ-Personen?

Küppersbusch: Ihr tut’s! Also: Dran erinnern. Weltweit wurde damals regenbogenfarben geflaggt und beleuchtet, in Berlin der Funkturm und das Brandenburger Tor. Die „Ampel“ brachte das „Selbstbestimmungsgesetz“ auf den Weg, die Kriminalstatistik wies erstmals Verbrechen gegen „sexuelle Orientierung“ und „geschlechtsbezogene Diversität“ als „Hasskriminalität“ aus. Dann scheiterte der Versuch, das Unwort „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen und bei der Gelegenheit die „sexuelle Identität“ ausdrücklich unter seinen Schutz zu stellen. Vorige Woche beschlossen die Länderjustizminister auf Druck dreier Unions-Frauen, das Selbstbestimmungsgesetz „nachzuschärfen“. Zwei Schritt vorwärts, einer zurück, oder wie man in den USA sagt: Damals Obama, heute Trump. Also gut, dass Ihr dran erinnert.

Die WM ist losgegangen. Wie ist Ihre Stimmung gerade?

Küppersbusch: In der Vorrunde rausfliegen kann „die Mannschaft“ ganz gut, 2018 und 2022 zuletzt. Diesmal – Trumps Amerika, Infantinos Prostitutionsfestspiele – wäre das mal ein Statement. Ich bin gespannt, ob ich in der Vorrunde reinfliegen kann.

Das neue EU-Asylsystem ist in Kraft. Wird es die AfD halbieren?

Küppersbusch: Europas Rechten zu widersprechen, indem man ihnen recht gibt, ist ein gedanklich eher bizarrer Ansatz. Kanzler Merz hatte seinen geplanten Wirtschaftswahlkampf den Migrationsthemen geopfert und so eher die Union halbiert – gemessen an blumigen Erwartungen vorher. Seither lobpreisen sich Merz und Dobrindt für einen deutlichen Rückgang der Zuwanderung – so als sei das auch schon was Tolles, wenn uns keiner mehr besuchen kommt. Wieder: AfD-Logik. Tatsächlich verdankt SchwarzRot dies wesentlich den Maßnahmen der Vorgängerregierung, die eben auch „Geas“, das neue EU-Asylsystem, durchwinkte. Die Grünen haben „Geas“ so zugestimmt wie dunnemals „Hartz“ und ein bemerkenswertes Glück, dass ihnen das hinterher kaum jemand übelnimmt. Warum nicht mal ’ne Teflon-Partei.

Und was macht der RWE?

Küppersbusch: Kein aktiver, ehemaliger oder sonstwie RWE-Spieler bei der WM. So geht Haltung.

Fragen: Waam

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Friedrich Küppersbusch

Friedrich Küppersbusch

Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".
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