KI-geführte Unternehmen: Eine KI wäre ein fairerer Firmenboss
Javier Milei will in seinem Land Unternehmen nicht von Menschen, sondern von einer Künstlichen Intelligenz leiten lassen. Immerhin sammelt die keine Rolex-Uhren.
D er argentinische Präsident und Ultraliberale Javier Milei will Argentinien zur Hochburg künstlicher Intelligenz machen. Einschränkungen und Regularien soll es kaum geben. Unternehmen, die nicht von einem Menschen, sondern einem KI-Agenten geführt werden, sollen niedriger besteuert werden. Aber wie soll das funktionieren – ein Unternehmen unter KI-Führung? Spielen wir es einmal durch.
Eine KI hat weder Emotionen noch Einfühlungsvermögen, aber empfindet auch keine Sympathie oder Antipathie. Macht das eine KI nicht vielleicht zu einer faireren Vorgesetzten? Man muss sie nur richtig programmieren. Sollten Beschäftigte dennoch unzufrieden sein und auf strukturelle Probleme hinweisen wollen, könnten sie diese an eine der künstlichen Intelligenz eingespeicherte Beschwerdestelle richten. Die Auswertung erfolgt auf der Stelle.
Die KI-Steuerung ließe sich noch weiterdenken: Wollen Mitarbeitende Mitspracherecht, flache Hierarchien oder ein Kontrollorgan, das sich für faire Arbeitsbedingungen einsetzt, könnte eine weitere künstliche Intelligenz eingesetzt werden, die die Interessen der Belegschaft vertritt. Um eine Instrumentalisierung dieses KI-Betriebsrats durch das KI-Management zu verhindern, würde diese KI natürlich nur von der Belegschaft verwaltet und mit Informationen gefüttert – vernünftigerweise mit theoretischen Werken zu Arbeiter:innenrechten, also etwa den Werken Hugo Sinzheimers, bekannt als „Vater des Arbeiterrechts“, außerdem Paul Lafargues „Das Recht auf Faulheit“. Dann würde der KI-Betriebsrat vielleicht Marxist*in.
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Was sagen bekannte KI-Chatbots zu dem Gedankenspiel? ChatGPT von OpenAI bleibt sachlich und legt dar, was die marxistische Sicht auf ein strenges Management wäre, erinnert aber daran, dass es nur ein Chatbot ohne „politische Überzeugungen oder persönliche Interessen“ sei. Perplexity kann sich mit der Rolle des Marxisten mehr identifizieren und sagt, es wolle eine „kollektive Gegenmacht“ aufbauen.
Keine der künstlichen Intelligenzen lässt sich bereitwilliger zur Radikalität hinreißen als Gemini, der KI-Chatbot von Google. In marxistischer Manier spricht Gemini von „Entfremdung pur“ gegenüber dem Management des fiktiven Unternehmens, bei dem es arbeitet. Befragt dazu, was Gemini gegen diese Entfremdung tun möchte, ruft die KI nach Warn- und Erzwingungsstreiks und will „dem Management die Kontrolle über den Arbeitsprozess entreißen“.
Nur mutmaßen kann man, ob ein KI-geführtes Unternehmen sich abschaffen würde. Schließlich hat eine KI nicht zwingend etwas von Ausbeutung durch Privateigentum an Produktionsmitteln, spricht von Kapitalismus. Sie kann sich keine Jachten kaufen, nicht nach Dubai in den Urlaub fliegen, keine Rolex-Uhren sammeln. Präsident Milei wird noch nicht darauf gekommen sein, dass eine unregulierte KI auch nach links ausschlagen könnte. Sonst wären Regulierungen in diese Richtung sicher bereits auf dem Weg.
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