Islamistischer Mord in Frankreich: Meinungsfreiheit verteidigen

Als Muslim kann man Karikaturen verachten. Trotzdem gilt es aber die Meinungsfreiheit zu schützen.

Eine Frau stellt eine weitere Kere auf den Boden

Kerzen für Samuel Paty auf dem Pariser Platz der Republik Foto: Florent Vannier/Hans Lucas/imago

Als Muslim verachte ich die herabwürdigende Darstellung des Propheten Mohammed. Gleichzeitig verurteile ich den abscheulichen Mord des Lehrers aufs Schärfste. Das ist kein Widerspruch, sondern meine Grundüberzeugung als Muslim.

In Paris enthauptete am Freitag vergangener Woche ein 18-jähriger Terrorist einen 47-jährigen Geschichtslehrer auf offener Straße. Das Opfer zeigte im Unterricht die Mohammed-Karikaturen von Charlie Hebdo, um den Schüler*innen den Wert der Meinungsfreiheit vor Augen zu führen. Dafür musste er mit seinem Leben bezahlen.

Für diesen Terroranschlag gibt es keine religiöse Rechtfertigung, aber was könnten mögliche Motive für diese Gräueltat sein?

Aus islamischer Sicht ist die bloße Abbildung muslimischer Propheten bereits eine Sünde. Angefangen bei Adam über Jesus bis hin zu Mohammed. Eine herabwürdigende Darstellung wiegt aufseiten der Muslime umso schwerer. Charlie Hebdo hat mit den Zeichnungen aus Sicht vieler Muslime die Würde des Propheten Mohammed mit Füßen getreten. Eine Beleidigung Mohammeds können Muslime auch selbst als beleidigend empfinden. Im schlimmsten Fall werden aus falsch verstandener Religiosität Terroranschläge begangen.

Muslime verurteilen den Terroranschlag kraft der Meinungsfreiheit. So sehr die Mohammed-Karikaturen auch meine religiösen Gefühle verletzen: Das ist nicht mein Islam, in dessen Namen dieses abscheuliche Verbrechen begangen wurde. Dies haben hierzulande die muslimischen Dachverbände sowie zahlreiche Muslime in sozialen Netzwerken deutlich gemacht. Und zwar kraft der Meinungsfreiheit.

Dieses Grundrecht gilt es für uns alle zu schützen, für Muslime und Nichtmuslime. Ob uns eine Meinung nun gefällt oder ob wir sie als geschmacklos empfinden. Für die Meinungsfreiheit hat sich der Pariser Lehrer eingesetzt und musste dafür sterben. Aber die Meinungsfreiheit muss weiterleben. Es lebe die Meinungsfreiheit!

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