Hiobsbotschaft fürs Klima: Neuer CO2-Rekord
Die Treibhausgas-Konzentration in der Erdatmosphäre steigt stark an. Offenbar schwindet die Kapazität der Ökosysteme, Kohlendioxid zu binden.
Foto: Canadian Forces via reuters
Neue Hiobsbotschaft für das Klima: Nie ist die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre so stark angestiegen wie im vergangenen Jahr. Demnach kamen binnen zwölf Monaten im Vergleich zum Vorjahr 3,37 ppm dazu. Die Konzentration der Treibhausgase wird in parts per million – abgekürzt ppm – gemessen: Teile Kohlendioxid pro Millionen Luftteilchen. Zu Beginn der Messungen 1958 lag der CO2-Gehalt bei 315 pm, als 1992 die Klimarahmenkonvention beschlossen wurde, registrierten die Wissenschaftler bereits 354 ppm. In diesem September liegt der Wert über 422 ppm.
Es ist die älteste Messreihe, die es gibt: In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann der junge Chemiker Charles Keeling auf Hawaii eine Messreihe aufzubauen. Die Lage des Laboratoriums auf dem damals erloschenen Vulkan Mauna Loa ist für atmosphärische Untersuchungen ideal: Hier, in 4.170 Höhenmetern, gibt es kaum lokale Einflüsse, die die Atmosphärenmessung verfälschen könnten – die nächsten Industrieschlote sind Tausende Kilometer weit weg.
Die Messkurve ist nach Charles Keeling benannt, sie variiert über das Jahr: Während des Sommers auf der Nordhalbkugel nimmt die Konzentration leicht ab, weil hier die Vegetation umfangreicher als im Süden durch die Photosynthese aus der Atmosphäre Kohlendioxid entzieht. Verlieren die Bäume im Norden dann ihre Blätter, steigt die Konzentration. Insgesamt aber steigt der Wert von Jahr zu Jahr.
Diesmal allerdings ist nicht die Gier der Menschheit nach fossilen Rohstoffen der Grund, denn die globalen Emissionen stiegen 2023 keinesfalls rekordverdächtig, wie Wissenschaftler in einer Vorabveröffentlichung schreiben. Vielmehr haben die Ökosysteme viel weniger Kohlenstoff aufgenommen als noch vor der Klimaerhitzung. Die Forschenden konstatieren „eine beispiellose Schwächung der Land- und Ozeansenken“, was die Frage aufwerfe, „wo und warum diese Verringerung stattfand.“ Die größten Einflüsse sehen sie in der Dürre im Amazonasbecken im zweiten Halbjahr sowie in den extremen Emissionen aus Waldbränden etwa in Kanada. Die Messreihe war 2022 unterbrochen worden, weil der Mauna Loa ausgebrochen war.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert