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Haushalt ohne Perspektiven1,4 Milliarden Euro weniger für Bildung und Familien

Der Familien- und Bildungsausschuss hat getagt und weitere Kürzungen beschlossen. Der Staat zieht sich mehr und mehr aus der Verantwortung.

Clara Dünkler

Aus Berlin

Clara Dünkler

Gute Bildung und starke Familien, das sei wichtig für die Zukunft des Landes, sagte Familienministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstagnachmittag im Bundestag. Trotzdem plant ihr Ministerium mit Kürzungen bei Elterngeld und deutlich weniger Bundesmitteln für Alleinerziehende. Das sei ihr nicht leicht gefallen, sagte die Ministerin. Verteidigte aber die Kürzungspläne. Für den Haushalt 2027 sind für den Etat Familien und Bildung insgesamt 15,48 Milliarden Euro vorgesehen. 2026 waren es noch 16,66 Milliarden Euro.

Scharf kritisiert wurde vor allem das Vorhaben, das Elterngeld von 14 Monaten auf 12 Monate herabzustufen. „Die zwei Monate sind wichtig für die Kita-Eingewöhnung, wie soll das funktionieren“, hieß es von Tamara Mazzi (Linke). Trotzdem sagte Prin, dass sie Eltern als die ersten und wichtigsten Bildungsbegleiter ihrer Kinder sehe. „Es verdient unsere höchste Anerkennung“, sagte die Ministerin. Gerade Familien in schwierigen Situation und Alleinerziehenden dürfe man nicht alleine lassen. „Tun Sie aber!“, kam es aus Richtung der Linksfraktion.

Denn, neben den Kürzungen beim Elterngeld sind auch bei der Unterstützung von Alleinerziehenden Kürzungen geplant. Statt 1,31 Milliarden Euro, wie in diesem Jahr, sind für das nächste nur 914 Millionen Euro eingeplant. Kinder sollen auch nicht mehr, bis sie 18 sind, Anspruch haben, sondern nur noch, bis sie 16 werden. „Sind 16-Jährige plötzlich finanziell unabhängig?“, sagte von Jamila Schäfer von den Grünen dazu kopfschüttelnd.

Mazzi (Linke) rechnete vor, was die Kürzungen bedeuten würden: Für 100.000 Jugendliche von Alleinerziehenden wären das monatlich 400 Euro weniger. Gespart werden könne damit 450 Millionen Euro. „Aber 1,6 Milliarden Euro für den Tankrabatt ausgeben“, ärgerte sich Mazzi. Das passe für sie nicht zusammen. Auch, dass der Kindersofortzuschlag gestrichen werden soll, hielt sie für dramatisch: „25 Euro machen einen Unterschied für die ärmsten Kinder“, sagte sie bei der Debatte.

Beschwerden

Die Abgeordneten der AfD nutzten den Moment, um sich zu beschweren. Allerdings kam wenig zu konkreten Inhalten des Haushaltsplans, mehr Beschwerden über die Campact-Kampagne, die bei der Wahl in Sachsen-Anhalt zu strategischem Wählen aufgerufen hatte. AfD-Abgeordneter Sebastian Maak wurde schließlich ermahnt, sich auf die Haushaltsdebatte zu konzentrieren. Thema verfehlt, hätte das in der Schule geheißen.

Die SPD steht den Etatplänen gemischt gegenüber. Svenja Stadler (SPD) sprach von guten Impulsen und war sich sicher, dass man im Anschluss gute gemeinsame Lösungen finden werde. SPD-Parteikollege Truels Reichardt war enttäuscht: Man müsse endlich an die großen Erbschaften und Vermögen ran, statt bei Familien und Kinder zu kürzen, „bevor wir weiter abschmieren“, sagte Reichardt.

Der Haushalt für 2027 sieht weitere Kürzungen beim Sozialstaat vor. So wurde ebenfalls am Donnerstagnachmittag der Etat für Bauen und Wohnen diskutiert. Etwa die geplanten Änderungen beim Wohngeld. Künftig wird nur noch jeder Dritte die Unterstützung beziehen können. Sascha Wagner (Die Linke) appellierte im Bundestag, man müsse mehr für bezahlbaren Wohnraum tun: „Wohnen bedeutet Sicherheit“, sagte er.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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6 Kommentare

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  • Perkele

    Es gibt immer noch Leute, die sich über die PISA-Ergebnisse wundern. Das hundsmiserable Abschneiden unserer Kids beruht ganz erheblich auf dem Irrsinn bei Erziehung und Ausbildung zu "sparen". Das was hier vermeintlich gespart wird, das kostet die Gesellschaft später Unsummen von Geld. Bei Klassen mit 35 oder noch mehr Kids ist kein Bemühen der Lehrkräfte erfolgversprechend, bei verkommenen Schulbauten ist kein ordentlicher Unterricht möglich. Bei Lehrermangel (schon seit Jahrzehnten!!!!) kann es keine anderen Ergebnisse geben. Schlecht gebildete Kids können mit der Konkurrenz aus anderen Ländern nicht mithalten und unsere Wirtschaft hat entsprechend weniger Potential. Der Beruf eines*r Kindergärtners*in ist z.B. in Japan höchst !!!angesehen - in Deutschland zuckt man bestenfalls mit den Schultern und bemüht sich um möglichst geringe Bezahlung - man muss ja sparen. Das ganze System hier bei uns braucht eine DRINGENDE Renovierung in Gesellschaft und Politik.

  • David Lejdar

    Bei Art an Reform könnte ich schon verstehen, wenn es spez. bei dem Unterhaltsvorschuss Argumente gäbe wie: "Dobrindt steht bereit, den ausstehenden Unterhalt von den Vätern einzutreiben." - Aber so pauschal Kürzung, die dazu noch im Widerspruch dessen steht, worauf der Zehnte Familienbericht hinwies, und dies anscheinend im Namen von: "Tja, so ein Monster-SUV verbraucht halt viel Sprit, und all die Panzerfahrzeuge erst, und Hangars für Privatflugzeuge sind auch nicht umsonst.", absurd.

    Also, ich selbst bin da weit eher für Kürzung bei Pensionen, wo der Durchschnitt bei mehr als 3.000 Euro liegt, und generell auch Obergrenze bei weiteren Bezügen (siehe im Bundestag jemand mit fast 30.000 Euro monatlich und vielleicht noch Tiktok-Einnahmen als "politische Prominenz") - womit man konkret Dinge machen kann, wie eBusse für alle Kreise, Azubi-/Studentenwohnheime, Neuaufstellung der IT-Infrastruktur (womit jeweils auch Jobs einhergehen, die wiederum Sozialetat entlasten, und kein Bedarf da zu kürzen).

  • DiMa

    „Die zwei Monate sind wichtig für die Kita-Eingewöhnung, wie soll das funktionieren“.

    Sorry, der Elterngeldbezuges meiner Frau endete mit dem Datum des Beginns des Kitagutscheines. Die Eingewöhnung ist auch nach der jetzigen Regelung nicht vom Elterngeld gedeckt. Da kommen Zweifel auf, ob Frau Mazzi Kinder hat und weiß, wovon sie spricht.

    • David Lejdar

      @DiMa:

      Betreuung hat angeblich* keinen Einfluss auf die Dauer. Falls bei Ihnen die Dauer nur 12 Monate war, dann vielleicht weil keine 2 Partnermonate?

      * familienportal.de/...elternzeit--227528

  • pumble

    Es ist, als wäre der letzte Sonntag schon in Vergessenheit geraten.

  • Pico

    Klar doch: Kürzen, streichen, einstellen! Die Rüstung ruft, die Ukraine auch ...