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Gescheiterte Iran-VerhandlungenTrump, der Kriegspräsident – eine globale Gefahr

Bernd Pickert

Kommentar von

Bernd Pickert

Immerhin: Die USA zeigten in Pakistan, dass sie die Lage ernst nehmen. Doch die Hilf- und Kopflosigkeit Trumps machte kleinste Hoffnungen zunichte.

Ein intellektuell überforderter Präsident, der sich aus der Verantwortung stiehlt Foto: Alex Brandon/ap/dpa

E s muss nicht zwingend als Drama interpretiert werden, wenn ein komplexer Konflikt zweier Kriegsgegner nicht gleich am ersten Verhandlungstag gelöst werden kann. Da würden sich normalerweise ohnehin Emissäre niedrigen Ranges treffen, um zunächst festzulegen, worüber in welcher Reihenfolge überhaupt verhandelt werden kann. Wenn ein paar Tage später die Entscheidungsträger dazukommen, etwa der Vizepräsident der größten Militärmacht der Welt, wären Einigungsoptionen weitgehend vorbereitet.

Nichts dergleichen hat am Wochenende die Verhandlungen über ein Ende des Krieges zwischen Iran und den USA in Pakistan gekennzeichnet. Washington schickte direkt das Hochrangigste, was die Trump-Regierung unterhalb des Präsidenten selbst zu bieten hat. Allein damit signalisierte die US-Regierung schon, wer in der aktuellen Lage unter Druck steht und wer nicht. Vorbereitet war offensichtlich absolut gar nichts. Und das mörderische iranische Regime kostet genüsslich aus, die Widersacher aus den USA nach allen Regeln der Kunst vorführen zu können.

Die wiederum verhakeln sich in selbst gebauten Tentakeln aus Fehlkalkulationen, Desinteresse, Selbstüberschätzung und blankem Irrsinn. Noch in der vergangenen Woche hatte Trump verkündet, eine Zivilisation auslöschen zu wollen, sollte die Straße von Hormus nicht geöffnet werden. Ein paar Tage und 21 Stunden gescheiterter Verhandlungen später kündigt er an, die US-Marine selbst werde nunmehr verhindern, dass irgendwelche Schiffe den strategisch wichtigen Seeweg passieren könnten – insbesondere solche nicht, die Iran für die Durchfahrt eine Gebühr gezahlt hätten. Das ist Hilf- und Kopflosigkeit auf einem wirklich ungekannten Niveau. Während seine Delegation in Pakistan verhandelte, stellte Trump seine Pläne für den gigantischen und geschmacklosen Triumphbogen in Washington D.C. vor und besuchte in Miami gemeinsam mit Außenminister Marco Rubio ein Kampfsportevent. Klar, das soll signalisieren, alles sei unter Kontrolle – gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

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Gibt es aber. Nämlich einen intellektuell überforderten Präsidenten, der sich aus der Verantwortung stiehlt. Und die hat er nicht nur für sich selber oder die Wahlchancen der Republikaner bei den Midterm-Wahlen im November. Trump als „Friedenspräsident“, der um den Nobelpreis bettelte, war eine peinliche und lächerliche Figur, die die USA beschämte. Trump als Kriegspräsident ist eine globale Gefahr. Womöglich ist Regime Change in Washington mindestens so dringend wie in Teheran.

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Bernd Pickert
Auslandsredakteur
Jahrgang 1965, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft, seit Juli 2023 im Moderationsteam des taz-Podcasts Bundestalk. Bluesky: @berndpickert.bsky.social In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org
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19 Kommentare

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  • "Trump als Kriegspräsident ist eine globale Gefahr. "

    Genau so ist es. Schon jetzt hat er einen kaum messbaren politischen und wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Zu was dieser Präsident fähig sein könnte, wenn er sich in die Ecke gedrängt fühlt, mag ich mir gar nicht ausmalen.



    Und sollte er abtreten (müssen), steht schon die zweite Reihe (Vance) bereit, der keineswegs ungefährlicher ist.



    Die mörderische iranische Regierung hingegen nutzt die Gemengelage, um sich als seriös und berechenbar darzustellen, was nicht besonders schwierig ist angesichts einer völlig kopflos agierenden amerikanischen Regierung. Darunter zu leiden hat auch das iranische Volk, dessen Aussichten, sich von diesem Regime zu befreien vorerst in weite Ferne gerückt ist.

  • Trump als Kriegspräsident ist eine globale Gefahr. Womöglich ist Regime Change in Washington mindestens so dringend wie in Teheran.



    ----



    Kann Dich ja verstehen Bernd, doch die Zeit "das wünschen noch geholfen hat" scheint vorbei zu sein.



    Vielleicht helfen die Midtrems im November, wenn nicht vorher was geschieht, das selbst dem Hardcore Maga-Fan klarmacht, das Nr. 47 als "Persilente & Sockenpuppe" nicht mehr akzeptable ist!

  • Die Iraner führen der Welt sehr gekonnt vor, was die USA unter Trump nicht können, wie sie scheitern und wie sie drohen und angreifen, ohne wirklich zu wissen, wie sie ihre Ziele erreichen können.



    Der Krieg kostet Trump 1 Mrd. US-Dollar. Und noch im Januar hätten viele Iraner gerne die Regierung gestürzt, derweil hat der Krieg das Unterstützerlage mobilisiert und zusammen gebracht. Jetzt sind die Revolutionsgardisten zu den alleinigen Machthabern geworden. Sie haben deutlich an Macht gewonnen und sie sind militärisch in der Lage, die Straße von Hormuz zu sperren und die Region mit Raketren und Drohnen anzugreifen.



    Wenn Trump den Iran wirklich militärisch in den Griff kriegen will, dann muss er definitiv viel tiefer gehen und dann müssen Soldaten aktiv werden.



    = Im Verhandeln hat Donald Trump eine Sechs erhalten. Der dürfte nicht mehr versetzt werden, aber das geht ja auch nicht, außer er ändert das Regierungssystem.

  • "die US-Marine selbst werde nunmehr verhindern, dass irgendwelche Schiffe den strategisch wichtigen Seeweg passieren könnten"



    Nicht irgendwelche, sondern nur solche, die iranische Häfen anlaufen oder von dort kommen. Das wäre durchaus, bei all dem Irrsinn der Situation, die vernünftigste Option. Wie machbar das für die US Marine überhaupt ist, keine Ahnung. Sehr teuer ist es auf jeden Fall.



    Und es würde voraussetzen, dass Trumps Entourage es nun schafft, ihn ein paar Monate bei der Stange zu halten. Ich habe da Zweifel. Trumps geistiger Meltdown ist ja offensichtlich.

  • Sehr gut getroffen das Artikelbild !



    Sehr gut ! Eine Augenweide.

  • Es bleibt u hoffen, dass Trump bis zum Ende der Wahlperiode durchhält und die Republikaner dann eine krachende Niederlage erleben, möglicherweise mit einem alten tatter-Trump der eine dritte Wahlperiode erschleichen will... alles andere, egal wie verlockend es erscheint, Trump nicht mehr erleben zu müssen wäre eine Chance die USA in eine Diktatur zu verwandeln. Die weite Reihe bei Maga ist nicht so egomanisch und kopflos wie Trump, da steckt mehr Strategie dahinter und mehr politische Ziel, als bei trump, der nur seinen Minderwertigkeitskomplex verdrängen will.



    So absurd wie es klingt, Trump hält (noch) genau diese Kräfte von der Macht fern, denn auch diese Kreise müssen (noch) an Trumps Ego vorbeikommen.



    An Stelle der Demokraten wäre es ratsam alles, nur kein Amtsenthebungsverfahren anzustreben. Der Schuß ginge nach hinten los!

  • >Das ist Hilf- und Kopflosigkeit auf einem wirklich ungekannten Niveau.<

    Trump ist Träger des Fifa-Friedenspreises und Besitzer einer Friedens-Nobelpreis-Medaille. Also bitte etwas mehr Respekt.

  • "Womöglich ist Regime Change in Washington mindestens so dringend wie in Teheran."



    Ich finde dringlicher, denn die USA können in kürzerer Zeit nochmehr mehr Schaden anrichten.

  • "Das ist Hilf- und Kopflosigkeit auf einem wirklich ungekannten Niveau. Während seine Delegation in Pakistan verhandelte, stellte Trump seine Pläne für den gigantischen und geschmacklosen Triumphbogen in Washington D.C. vor und besuchte in Miami gemeinsam mit Außenminister Marco Rubio ein Kampfsportevent."

    Da ist nicht mal mehr Platz für Satire.

  • Iran wird sich freuen das sie garnicht mehr drohen müssen um den Schiffsverkehr zu blockieren. USA reichtihm die Hand und macht die Tür von der anderen Seite zu. Da werden die anderen Staaten erfreut sein wenn ihre Schiffe von der USA bedroht werden. Sicher trägt das zu internationalen Stabilität bei und bringt Trumple den Nobelpreis für Dummheit.



    Davon auszugehen eine Verhandlung mit Erpressung zum Erfolg zu führen zeugt auch nicht von Inteligenz und diplomatischer Fähigkeit.



    Kein Deal innerhalb einem Tag? Wie konnte er so naiv sein das zu erwarten? Oder wollte er keinen Deal, sondern nur ein Alibi?

  • Nein, ICH blockiere jetzt die Straße von Hormuz und NIEMAND darf mehr rein!



    Ich wusste garnicht, dass der US-amerikanische Diktator den Islamfaschismus so sehr hofiert. Ein wahrer Bärendienst!

  • "...kündigt er an, die US-Marine selbst werde nunmehr verhindern, dass irgendwelche Schiffe den strategisch wichtigen Seeweg passieren könnten."



    'Der Iran blockiert die Straße gar nicht - das sind wir! Wir sind die größten!'



    Das gibt der Bettelei um Hilfe bei der Öffnung eine wirklich ironische Wendung...

  • Durch den unsinnigen Krieg hat der Iran gelernt dass er mit der Blockade der Straße von Hormus eine unfassbar starke Waffe in der Hand hat.



    Während der Transport von Energie in die ganze Welt gestoppt wird, exportiert der Iran weiter fröhlich Öl zu seinem Großkunden China. Es bleibt die Hoffnung (!) dass China nun den Iran zum Einlenken zwingt, wenn aus dem Iran kein Öl mehr kommt.

    • @MK:

      "Es bleibt die Hoffnung (!) dass China nun den Iran zum Einlenken zwingt, wenn aus dem Iran kein Öl mehr kommt."



      Ich wäre viel mehr daran interessiert, was eigentlich passiert, sollte die US-Marine tatsächlich chinesische Frachter stoppen - ein Akt der Piraterie in internationalen Gewässern. Spannend.

      • @Encantado:

        ja, damit könnte dann doch eine andere Dimension des Konflikts eröffnet werden. Bislang fehlt diese Komponente, die die Welt abseits des Irans in zwei (nenneswerte) gegnerische Lager teilt.

  • Auch wenn ich mich wiederhole, der Sexualverbrecher Trump ist nicht einfach vom Himmel gefallen und über das arme US-amerikanische Volk gekommen. Er wurde von den Bürgern dort gewählt und das zeigt, daß diese mindestens genauso dumm und verbrecherisch sind wie der von ihnen gewählter Präsident und seine Regierungsmannschaft.

    • @Alberta Cuon:

      Er wurde von ca. der Hälfte der Bürger*innen gewählt. Soviel Differenzierung sollte schon sein.

  • Es wäre interessant zu wissen, wer in Trumps Umfeld davon wusste und entsprechend an den Finanzmärkten gehandelt hat. Bei all dem Irrsinn verlieren Trumps Gefolgsleute und Familie nie den eigenen finanziellen Vorteil aus dem Auge. Darin nehmen sich Trump und andere Autokraten nichts: Hauptsache es fließt Kohle in die eigenen Taschen.

  • Auf www.n-tv.de ist heute ein Kommentar von Thomas Schmoll erschienen, der Trumps "Geistlosigkeit" wunderbar beschreibt. Dem ist nichts hinzuzufügen.