piwik no script img

Gedenken an GenozidIsraels Regierung erkennt Völkermord an Armeniern an

Israel hatte eine offizielle Anerkennung lange vermieden – aus Rücksichtnahme auf die Beziehungen mit der Türkei. Die haben sich jedoch ohnehin verschlechtert.

dpa | Die israelische Regierung hat den Völkermord an den Armeniern vor mehr als 110 Jahren anerkannt. Das Kabinett habe einen entsprechenden Vorschlag des Außenministers Gideon Saar einstimmig angenommen, teilte ein Sprecher Saars mit. „Es ist niemals zu spät, das Richtige zu tun“, sagte der Außenminister demnach. Im vergangenen Jahr hatte bereits Benjamin Netanjahu in einem Interview als erster Regierungschef Israels den Völkermord anerkannt.

Rund 1,5 Millionen Armenier starben 1915 und 1916 – im Ersten Weltkrieg – nach Forschungen von Historikern durch die systematischen Tötungen im Osmanischen Reich. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin weist den Begriff Genozid, also die gezielte Auslöschung des armenischen Volkes mit systematischen Tötungsmethoden, zurück. Zugegeben werden Massaker an 300.000 bis 500.000 Menschen.

Lange Zurückhaltung wegen Beziehungen zur Türkei

Israel hatte eine offizielle Anerkennung lange vermieden. Es gab verschiedene Vorstöße im Parlament, die aber nie in einer formellen Abstimmung endeten.

Als Grund für die Zurückhaltung galt Rücksichtnahme auf die Beziehungen mit der Türkei. Diese haben sich jedoch in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert, vor allem vor dem Hintergrund des israelischen Vorgehens gegenüber den Palästinensern. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf Israel 2023 einen „Genozid“ (Völkermord) im Gazastreifen vor.

Der US-Kongress hatte die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges 2019 als Völkermord anerkannt. Der Deutsche Bundestag hatte dies bereits 2016 getan – dies belastete damals die deutsch-türkischen Beziehungen schwer.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare