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Genozid als UnterrichtsthemaGeschichte vielfältiger lehren

An Schulen ist der Völkermord an den Christen im Osmanischen Reich kaum Thema. Nachfahren der Opfer fordern die Bildungministerkonferenz auf, das zu ändern.

An der Gedenkstätte für die im Osmanischen Reich verfolgten und ermordeten Christen zeigen Städtenamen die Herkunftsorte Foto: Uta Schleiermacher

Menschenrechtsvereine und Bildungsträger fordern, dass Schulen mehr als bisher über das Thema Genozid im Unterricht lehren sollten. In einem Brief an die Bildungsministerkonferenz fordert die „Arbeitsgruppe Anerkennung“, die besonders zu dem Genozid an den Christen im Osmanischen Reich forscht, sich mit Beispielen von Völkermorden auf dem Gebiet der heutigen Türkei auseinanderzusetzen.

Dies würde die Geschichte von vielen türkeistämmigen Menschen im Einwanderungsland Deutschland berücksichtigen. Eine gesellschaftliche Aufarbeitung oder gar schulische Auseinandersetzung mit diesen Themen sei in der Türkei bis heute stark eingeschränkt.

Der Forderung haben sich unter anderem der „Zentralrat der Armenier“, die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ und der „Bund der Alevitischen Jugendlichen in NRW“ und pontosgriechische Vereine angeschlossen (Pontosgriechen sind die Nachfahren der Griechen, die im Osmanischen Reich lebten – sie gelten als die zweitgrößte Opfergruppe). Hintergrund ist die sogenannte Armenien-Resolution. Der Bundestag hatte diese vor 10 Jahren verabschiedet und darin den Völkermord an den Ar­me­nie­r*in­nen im Osmanischen Reich als Genozid anerkannt.

Bisher ist der Genozid an den Ar­me­nie­r*in­nen noch in keinem Bundesland im Lehrplan verankert

In der Resolution hatte der Bundestag damals auch eine bildungspolitische Forderung festgehalten. Schulischer, universitärer und politischer Bildung in Deutschland komme die Aufgabe zu, die „Aufarbeitung der Vertreibung und Vernichtung der Armenier“ als „Teil der Geschichte ethnischer Konflikte im 20. Jahrhundert in den Lehrplänen und Lehrmitteln aufzugreifen“. Bisher ist der Genozid an den Ar­me­nie­r*in­nen allerdings noch in keinem Bundesland im Lehrplan verankert. Die Resolution jährt sich am 2. Juni zum zehnten Mal.

Konkret schlägt die Arbeitsgruppe in dem Brief vor, Genozide im Unterricht vergleichend zu behandeln. Hier böte sich eine Beschäftigung mit Beispielen an, die mit der deutschen Geschichte verbunden sind: Die Genozide an den Herero und Nama im heutigen Namibia und der Genozid an den Christen im Osmanischen Reich, an denen das deutsche Kaiserreich als Bündnispartner mitschuldig war.

Historische Feindbilder

In Deutschland sei das Thema Genozid bisher hauptsächlich am Beispiel der Shoah unterrichtet worden, stellt die Arbeitsgruppe in ihrem Brief fest. Doch Schule sei ein „Ort der Zusammenkunft und des Lernens“, an dem unterschiedliche Perspektiven, Hintergründe und Narrative aufeinandertreffen – und auch ein Ort, an dem Schü­le­r*in­nen mit griechischer, armenischer, assyrischer, aramäischer, kurdischer, ezidischer oder alevitischer Herkunft von Mit­schü­le­r*in­nen mit türkischen nationalistischen Ressentiments psychische und verbale Gewalt erfahren würden.

Die ökumenische Gedenkstätte für den Völkermord an den osmanischen Christen in Berlin-Charlottenburg Foto: Uta Schleiermacher

Schulen sollten Besonderheiten von Shoah und Porajmos – dem Genozid an den Sinti und Roma im Nationalsozialismus –, aufzeigen, aber auch Gemeinsamkeiten mit anderen Genoziden herausarbeiten.

„Historische Feindbilder aus der osmanischen und kemalistischen Zeit bestehen bis heute“, erklärt die Arbeitsgruppe. „Fehlende Information über transnationale autoritäre Ideologien und die Kontinuität politischer Realitäten“ seien eine Herausforderung für Schulen und für Bildung gegen antidemokratische Tendenzen.

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Auch das weitverbreitete Leugnen der Verbrechen sei belastend für Schü­le­r*in­nen und könne retraumatisierend wirken. Schulen bräuchten Wissen über „historische und politische Tatsachen im Türkei-Kontext“ und müssten diese in ihre Lehrpläne und in ihre Arbeit gegen Diskriminierung aufnehmen.

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