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Gaza im Jahr 2050Trumps Riviera?

Wovon träumt man, wenn 70 Prozent der Heimat in Trümmern liegen? Bewohnerinnen und Bewohner des Gazastreifens geben wenig hoffnungsvolle Antworten.

Seit meiner Kindheit habe ich von meiner Familie, die in einem kleinen Dorf am Rande von Ramallah lebt, gehört, dass die Menschen im Gazastreifen dafür bekannt sind, stur zu sein. Als ich für meine Recherche Gespräche mit Leuten aus Gaza führte, hatte ich das Gefühl, dass dieses Bild kein weit von der Wahrheit entferntes Klischee ist, sondern sehr real.

Stellen Sie sich vor, Sie fragen jemanden, dessen Haus zerstört wurde, der einen Teil seiner Familie oder sogar seine gesamte Familie verloren hat, der in einem Zelt lebt und auch seine Lebensgrundlage verloren hat, wie er sich Gaza im Jahr 2050 vorstellt. Ein einziges Luftbild von Gaza nach zwei Jahren Krieg reicht aus, um die Hoffnung zu verlieren, dass jemals wieder eine Art von Normalität zurückkehren wird.

Aber genau daran glauben die Menschen, mit denen ich gesprochen habe. Sie klammern sich geradezu an die Hoffnung auf ein besseres Leben. Donald Trumps KI-generierte Vision von „einer Riviera des Nahen Ostens“ mit Luxushotels und ganz viel glänzendem Gold hat dabei niemand im Sinn.

Sonderbeilage der taz panterstiftung

Wie die arabische Welt der Zukunft begegnet

Im Jahr 2050 droht der Region der Klimakollaps. Gibt es nur noch Hitze? Oder auch Hoffnung? 25 Journalistinnen aus 16 arabischsprachigen haben im Rahmen des zweijährigen Projekts MENA Green Panter (2024-2026) der taz panterstiftung erfrischende Antworten erarbeitet. Am 17. Juni 2026 findet der taz panter talk in Berlin dazu. Eine Podcastfolge dazu gibt es im Format Freie Rede. Alle Texte, die im Rahmen dieses Projektes erschienen sind, können Sie hier lesen.

„Gaza wird sich schon aufgrund seiner Lage nicht verändern“, sagt mir Suhad al-Rubaie, eine Bürgerin Gazas: „Gaza ist eine historische Stadt und eines der wichtigsten Handelszentren der Region. Dass sie sich in eine Touristenstadt oder ein Resort verwandeln wird, ist sehr schwer vorstellbar. Die Menschen in Gaza werden diese Ideen nicht akzeptieren.“

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Stur und entschieden, wie sollte es anders sein, ergänzt sie: „Wir sind an das Meer, die Landwirtschaft und den Fischfang gewöhnt. Wir werden nicht akzeptieren, dass uns jemand vorschreibt, wie wir zu leben haben. Gaza lehnt jede Form der Besatzung ab. Wir streben danach, dass wir in Gaza endlich wieder selbst über unser Schicksal entscheiden dürfen. Wir kennen unseren Boden und unser Land am besten und sind am besten in der Lage, es zu bewirtschaften.“

Techniken wie vertikale Landwirtschaft sind unumgänglich

Auch die Agraringenieurin Safiya Abu Daqqa hat ihre eigene Sicht auf die Zukunft von Gaza-Stadt: „Riviera? Nein. Realistischer ist eine palästinensische Stadt, die ihre eigenen Lebensmittel mit modernen Methoden herstellt und in der jeder Zentimeter Land für die landwirtschaftliche Produktion genutzt wird.“ Vor dem Krieg, sagt sie, wäre damit bereits begonnen worden. Jetzt, da alles zerstört und Wasser ohnehin knapp sei, müsse man eben neu beginnen. Moderne Techniken wie vertikale Landwirtschaft, Dachlandwirtschaft und intelligente Landwirtschaft sind für die Agraringenieurin unumgänglich, wenn es darum geht, die Landwirtschaft wieder aufzubauen.

Nelly Ismail, noch so eine sture Bürgerin aus Gaza, mit der ich gesprochen habe, betont, dass es bis dahin ein weiter Weg sein wird. „Überall hier ist der Boden durch Explosionen verseucht, den Boden von Chemikalien und Kriegsrückständen zu reinigen, wird dauern.“

Wie lange?

Mohammed Odeh, der Sprecher des Umweltministeriums in Gaza, sagt: „Wenn es wirklich ernst gemeint ist, dass wir Gaza wiederaufbauen können, erwarten wir, dass sich die Umwelt innerhalb von zehn Jahren erholt.“ Vorausgesetzt natürlich, es gibt keinen Krieg.

Einig waren sich alle, mit denen ich in Gaza gesprochen habe, dass sich Gaza nicht nach den Vorstellungen anderer umgestaltet lässt. Sie wollen die Zukunft selbst in die Hand nehmen, ohne Wenn und Aber. Wie gesagt, die Menschen in Gaza sind stur.

Wafa Arouri ist Journalistin bei der Arab Reporters for Investigative Journalists (ARIJ). Preisgekrönte Journalistin mit mehr als zehn Jahren Erfahrung als Reporterin und Redakteurin.

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3 Kommentare

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  • Ich wünsche den Menschen in Gaza, dass es möglich sein wird, die gegenwärtige gazanische Regierung und ihre Kämpfer/Hamas zu entwaffnen und zu entmachten. Sonst sehe ich keine Möglichkeit, dass sich die Wünsche der Gazaner erfüllen werden. Deren Visionen gefallen mir sehr gut, aber für die gazanischen LGBTQ+ macht es keinen Unterschied, ob sie von einem Dach mit oder ohne Dachgarten gestürzt werden. Und auch für die wahllos gefolterten und hingerichteten Bürger:innen in Gaza ist das keine echte Verbesserung.

    Jedenfalls scheint dieses Fleckchen Erde sehr schön sein zu können und ich hoffe, dass die gazanischen Bürger:innen Entscheidungen treffen, die ihnen und ihren Kindern dort ein gutes Leben ermöglichen.

  • Israels Regierung versucht seit jeher, Menschen die Hoffnung zu nehmen, die wirtschaftliche Grundlage abzuschnüren. Zuletzt ganz offen und brutal. Dafür wohl auch wurde die Hamas zuerst mitaufgebaut und dann bebombt.



    Gaza hat mit seinen grundsätzlich gut gebildeten, ehrgeizigen Menschen eigentlich sehr gute Chancen. Aber dafür muss Israel sich mal an grundsätzliche Regeln halten müssen. Was auch in Israels langfristigem Interesse wäre, nebenbei.

  • Spannender Artikel.

    Aber keiner, der Hoffnung macht.