Forderung nach EU-Regeln: Konzerne wollen Aus für Verbrenner
Mehrere Länder haben schon ein Verbot geplant – aber Deutschland lässt das Thema schleifen. Jetzt fordern mehrere Unternehmen ein Umdenken.
Dänemark hat es schon, Großbritannien auch, Indien und Schweden ebenso: ein Verbot von neuen Autos mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2030. In Frankreich soll es 2040 so weit sein. Norwegen will nichts verbieten, aber durch Vorteile für E-Auto-Besitzer:innen erreichen, dass sogar schon ab 2025 niemand mehr ein neues Benzin- oder Dieselauto kauft. Und wer hat noch keinerlei Pläne dieser Art? Natürlich, Deutschland.
Dass Länder wie die Bundesrepublik das Thema schleifen lassen können, sollte die Europäische Union unterbinden, finden 27 internationale Großkonzerne. Sie haben in einem offenen Brief die EU-Kommission, die einzelnen europäischen Regierungen und das EU-Parlament aufgefordert, den Verkauf fossil betriebener Neuwagen ab 2035 zu verbieten. Denkbar sei das zum Beispiel schon, wenn im Juni die europäischen CO2-Grenzwerte für Autos überprüft werden. Die könne man für 2035 einfach auf null setzen.
Mit dem schwedischen Autobauer Volvo ist sogar ein Unternehmen der direkt betroffenen Branche unter den Unterzeichnern. Es ist allerdings eines, das schon versprochen hat, nach 2030 nur noch E-Autos herzustellen – und sich dafür den passenden politischen Rahmen wünscht. Auch dabei sind Unternehmen wie der US-amerikanische Getränkegigant Coca-Cola oder das schwedische Möbelhaus Ikea, die ein Verbrenner-Aus nur am Rande treffen würde und die die Kampagne wohl eher aus Marketing-Gründen unterstützen.
Die Liste zeigt aber auch, dass ein Aus für Verbrennungsmotoren eben kein Wirtschaftskiller ist. Die meisten der beteiligten Unternehmen dürften sogar davon profitieren. Für die Fahrtenvermittlung Uber zum Beispiel sind fossil betriebene und folglich besonders klimaschädliche Autos sicher ein Image-Problem. Und Energiekonzern Vattenfall möchte Strom an möglichst viele E-Auto-Besitzer:innen verkaufen.
E-Autos gelten nach aktueller EU-Regelung als Nullemissionsfahrzeuge. Praktisch sind sie das nicht, denn Produktion und Betrieb erfordern viel Strom, der bisher eben nirgendwo vollständig aus regenerativen Quellen stammt. Etwas klimafreundlicher als fossil betriebene Autos sind die Stromfahrzeuge aber insgesamt jetzt schon, und mit fortschreitender Energiewende vergrößern sie ihren Vorsprung immer weiter, hat eine Berechnung des Thinktanks Agora Verkehrswende ergeben.
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