Feuerpause im Nahen Osten: Keine guten Optionen
Israel steckt in einem erdrückenden Dilemma. Eine Feuerpause könnte der Hamas einen wichtigen Vorteil bringen. Weiterkämpfen gefährdet die Geiseln.
W er die Bilder sieht, die uns aus dem Gazastreifen erreichen, wer hört, wie Narkosemittel für Operationen fehlen, wie Kinder in der Nacht vor Hunger weinen, wie ganze Familien unter Schutt begraben werden, der kann im Grunde nicht anders, als umgehend einen Waffenstillstand zu fordern. Der Krieg lässt die nach dem grauenhaften Terrorangriff der Hamas auf Israel so oft gestellte Frage offen, wie anschließend eine Koexistenz von Israelis und Palästinenser:innen noch möglich sein soll.
Die blutigen Schlachten führen nicht nur zu einer humanitären Katastrophe für die Palästinenser:innen im Gazastreifen, sondern sie bergen auch für Israel die Gefahr, die Entführten zu treffen. Die internationale Stimmung, die anfangs vor allem angesichts des brutalen und in der Region bislang präzedenzlosen Terrors solidarisch mit Israel und Israels Recht auf Selbstverteidigung stand, kippt zusehends. Bei Demonstrationen und in den sozialen Medien wird immer öfter der Vorwurf des Genozids laut.
Rechtsextreme Fanatiker:innen, die auch in der Regierung sitzen, heizen diese Stimmung zusätzlich an, wenn, wie geschehen, die Rede gar von einer Atombombe ist, mit der man Gaza ein für alle Mal auslöschen solle. Doch es sterben auch deshalb Tausende von Zivilist:innen, weil die Hamas die Zivilbevölkerung als Schutzschild missbraucht und ihre Quartiere neben Kindergärten und unter Spitälern einrichtet. Und auch die Islamisten halten nicht mit Drohungen zurück.
So hat einer der Köpfe der Hamas vor wenigen Tagen geschworen, dass sie Angriffe wie den vom 7. Oktober wiederholen werde, bis Israel von der Landkarte verschwunden sei. Die israelische Regierung steckt in einem erdrückenden Dilemma: Wenn sie auf die Forderungen nach einem Waffenstillstand eingeht, akzeptiert sie, dass die Hamas weiter den Gazastreifen kontrolliert und von dort aus Israel bedroht. Wenn sie die Bombardements fortführt, macht sie sich bei allem Recht auf Selbstverteidigung weiterer Kriegsverbrechen schuldig und isoliert sich international.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert