piwik no script img

Ergebnis der Social-Media-KommissionDann vielleicht doch besser das, was Karin Prien sagt

Anna Klöpper

Kommentar von

Anna Klöpper

Seit September beraten Ex­per­t:in­nen über den richtigen politischen Umgang mit den sozialen Medien. Die wichtigste Frage lassen sie einfach offen.

S eit September 2025 haben sich die Ex­per­t:in­nen getroffen, beraten, abgewogen zu den Gefahren von Social Media für die Jugend. Am Ende konnten sich auch diese klugen Köpfe zu keiner klaren Antwort auf die Frage durchringen: Braucht es ein Social-Media-Verbot für bestimmte Altersgruppen?

Stattdessen nun zwei Alternativen. Entweder ein Mindestalter von 13 Jahren: Das ist heute bei vielen Plattformen schon Standard, wird aber nicht durchgesetzt. Oder aber man guckt sich die Anbieter einzeln an, ohne pauschale Altersvorgabe. Mit anderen Worten: Problem vertagt, beziehungsweise der Ball liegt jetzt wieder im Feld der Politik. Aus einer Fachfrage, bei der man sich endlich eine klare Orientierung gewünscht hätte, ist wieder eine politische geworden. Wir sind – trotz aller geballten Expertise der Ex­per­t:in­nen – also so schlau wie zuvor.

Denn dass die Sache kompliziert ist, das wusste man ja. Gute Argumente gibt es für ein Verbot, gute Argumente gibt es auch dagegen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Dafür: Schutz vor Mobbing, Gewalt, Fake News, süchtig machenden Funktionen wie Endlos-Scrolling. Vor allem, wenn man sich nicht sicher sein kann, wie schnell und wirksam nun tatsächlich datenschutzkonforme Technik für eine Altersverifikation bereitgestellt wird, die zudem – wie in Australien der Fall – nicht einfach umgangen wird.

Gegen eine Altersgrenze kann man wiederum das Teilhabeargument zu Felde führen. Social Media, heißt es dann oft, biete gerade auch der queeren Jugendlichen auf dem niedersächsischen (oder wo auch immer) Dorf einen digitalen Treffpunkt. Und überhaupt, das verschiebe doch nur wieder den Druck weg von den Plattformen hin zu den Kindern, die ausbaden müssen, dass die Erwachsenen eine bessere digitale Welt nicht hinbekommen.

Eine klare Entscheidung bleibt aus

In dem Sinne zeigt das Ringen der Ex­per­t:in­nen­kom­mis­si­on, wie verflixt schwierig dieser Abwägungsprozess ist. Vermutlich gibt es kein ganz Richtig und kein ganz Falsch bei der Frage nach einer Altersgrenze. Dennoch hätte man eine klare Entscheidung erwarten dürfen.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat sich bereits für die Variante mit einer Altersgrenze von 13 Jahren für Social-Media-Accounts ausgesprochen. Leider muss man wohl sagen: In Anbetracht der Alternativen wäre das der richtige Weg. Denn die präventiven Maßnahmen, die die Ex­per­t:in­nen­kom­mis­si­on vorschlägt, sind zum einen enorm umfangreich und zum anderen weder finanziert noch mit Personalressourcen abgesichert.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Anna Klöpper

Anna Klöpper Leiterin taz.eins

Seit 2011 bei der taz. Leitet gemeinsam mit Sunny Riedel das Ressort taz.eins. Hier entstehen die ersten fünf Seiten der Tageszeitung, inklusive der Nahaufnahme - der täglichen Reportage-Doppelseite in der taz. Davor Ressortleiterin, CvD und Redakteurin in der Berliner Lokalredaktion. Themenschwerpunkte: Bildungs- und Familienpolitik.
Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • Ich denke schon, dass es ein "Ganz richtig" gibt - und zwar eine Richtigkeit des Verbots; so wie es ja auch gänzlich richtig ist, Kindern Schnaps zu verbieten.

    Der Suchtfaktor, mit allem was da dran hängt, ist schließlich die größte Gefahr sozialer Medien. Ein täglicher Medienkonsum am Smartphone von 4 Stunden ist ja bei Jugendlichen heutzutage gerade mal Durchschnitt. Da kommt nur sehr wenig Gutes bei rum - und vieles, was man eigentlich lieber nicht hätte, nicht zuletzt hinsichtlich der kognitiven und psychosozialen Entwicklung.

    Das Argument mit den queeren Jugendlichen wirkt übrigens auch etwas an den Haaren herbeigezogen angesichts der Tatsache, dass gerade die noch deutlich mehr als ihre heterosexuellen Peers von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen sind; und diese Gewalt bei weitem nicht nur von Erwachsenen, sondern in großem Umfang auch von Gleichaltrigen ausgeübt wird.

    Insofern: Her mit dem Verbot! Aber politisch ein bisschen mutiger bitte; soziale Medien erst ab 16 Jahren!

  • Der Satz "Dennoch hätte man eine klare Entscheidung erwarten dürfen." zeigt die Unkenntnis wie Experten/Wissenschaftler arbeiten. Diese können nur das "für und wider" bereitstellen, aber entscheiden müssen die Politiker. Ansonsten könnten wir alles den Kommissionen überlassen.