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Die Epstein Files und die MoralDas hat Pizzagate-Potenzial

Die Epstein Files symbolisieren ein neofeudales Zeitalter. Und das braucht keinen Marquis de Sade, es hat Jeffrey Epstein und seine Getreuen.

Die Abgründe sind tief – was wird aus der Wahrheit? Foto: Jon Elswick/ap

A dam Smith war der Moralphilosoph, der den modernen Kapitalismus mit erfand. In seinem Hauptwerk „Theory of Moral Sentiments“ aus dem Jahr 1759 schrieb er: „Die große Quelle sowohl des Elends als auch der Unruhen im menschlichen Leben scheint darin zu liegen, dass man den Unterschied zwischen einer dauerhaften Situation und einer anderen überbewertet. Die Habgier überbewertet den Unterschied zwischen Armut und Reichtum, der Ehrgeiz den zwischen einer privaten und einer öffentlichen Stellung, die Eitelkeit den zwischen Unbekanntheit und großem Ansehen. Wer unter dem Einfluss einer dieser übertriebenen Leidenschaften steht, ist nicht nur in seiner tatsächlichen Situation unglücklich, sondern neigt oft dazu, den Frieden der Gesellschaft zu stören, um das zu erreichen, was er so töricht bewundert.“

Der Kapitalismus kann nach Smiths zweitem Hauptwerk, „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“, erschienen im Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vor genau 250 Jahren, daher als ein System der Moral gesehen werden. Die Gesellschaft, die er schafft, muss sich an der Frage messen lassen, wessen „übertriebene Leidenschaften“ Menschen dazu treiben, den Frieden anderer zu stören.

Virginia Giuffre etwa, die sich am 25. April 2025 umbrachte, ein paar Monate bevor ihr Buch „Nobody’s Girl“ erschien, in dem sie unter anderem davon berichtet, wie sie im Jahr 2001 in Donald Trumps Spukschloss Mar-a-Lago von dem stets befriedigt grinsenden Jeffrey Epstein und seiner Gespielin Ghislaine Maxwell entdeckt wurde. Sie war das richtige Material, jung, hübsch, gefährdet. Das erste Verhältnis hatte sie mit Andrew, dem jüngeren Bruder des britischen Königs Charles III., einem Aschenputtel des neoliberalen Zeitalters.

Denn das Vierteljahrhundert, das die Epstein-Saga umfasst, diese sich mit immer neuen E-Mails und Fotos von barfüßigen Milliardären in Bermudashorts entfaltende Schauergeschichte einer verkommenen Elite von Adel, Geld, Politik und Tech, ist das Vierteljahrhundert, in dem die Lehre von Adam Smith endgültig zur Ideologie pervertiert wurde.

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Die Lässigkeit, mit der all die, die mit dem verurteilten Sexverbrecher Epstein verkehrten, die Legalität oder eben Illegalität seiner Taten wegwischten und wegwischen, bleibt frappierend. Was also ist im Kern die Geschichte der Epstein Files, die wie der Rohstoff eines Romans im Tiktok-Zeitalter in millionenfach zerhackten E-Mails der Mächtigen und der Unmoralischen erscheinen?

Ist es die Frage, welchen Einfluss Jeffrey Epstein, dessen Reichtum immer noch schwer erklärbar ist (Erpressung steht als Verdacht im Raum), auf die Männer hatte, die sich ihm so in Freundschaft und Liebe, wie sie bekundeten, zuwandten? Oder ist es die Frage, in welcher Welt diese Männer lebten, dass sie dachten, sie könnten tun und lassen, was sie wollten?

Wir brauchen eine moralische Revolution, sagte neulich der niederländische Historiker Rutger Bregman in den vier Vorträgen, die er für die BBC hielt – die Insel Little Saint James von Jeffrey Epstein wäre demnach so etwas wie das Versailles eines Sonnenkönigs im virtuellen Zeitalter, wo Männer, die eine immer spekulativere und irrealere Welt bauten, sehr reale Verbrechen begangen. Es sind Männer wie Leon Black, der mit seiner Private-Equity-Firma Apollo Global Management Milliarden machte, Bill Clinton oder der heutige Handelsminister von Donald Trump, Harold Lutnick, der Kontakt zu Epstein hielt, lange nach dessen Verurteilung 2006.

Die Verrottung der Eliten ist real – und sie ist wirkungsvoll

Diese Verurteilung war „der Deal seines Lebens“, wie es der Miami Herald nannte: Epstein war wegen organisiertem Sex mit zum Teil 14 Jahre alten Mädchen und Frauen angeklagt und kam mit 13 Monaten Gefängnis nicht nur sehr milde davon – der Deal schloss im Grunde künftige Ermittlungen aus und sollte vor den beschuldigenden Frauen verheimlicht werden. Der Mann, der den Deal aushandelte, Alex Acosta, war Arbeitsminister im ersten Kabinett von Donald Trump.

Auch Paranoiker haben Feinde, so heißt es. Auch wüste Verschwörungstheorien können eine Verbindung zur Wahrheit haben, könnte man ergänzen. Die Enthüllungen über die Beziehungen von Donald Trump, Elon Musk, Richard Branson, Bill Gates, mächtigen anderen Männern aus der Finanzwelt oder doppelgesichtigen Schlüsselfiguren dieses Zeitalters wie Peter Mandelson, der die britische Labour-Partei in den neunziger Jahren auf neoliberalen Kurs brachte, reichen zurück in die Zeit, in der die Post-Truth-Welt, in der wir heute leben, Gestalt annahm.

Eine der wichtigsten und womöglich mit wahlentscheidenden Verschwörungstheorien dieser Zeit ist das Pizzagate aus dem Jahr 2016 – die Geschichten von einem Ring von vor allem US-Demokraten mit Hillary Clinton als zentraler satanischer Gestalt, die Pädophilie feierten und einen Ring von jungen Mädchen zu Sexspielen unterhielten. Die Geschichte, könnte man sagen, stimmte in etwa. Nur, dass der Ort nicht die Pizzeria Comet Ping Pong in Washington, D. C., war, sondern die Insel Little Saint James in der Karibik. Und dass die Beteiligten nicht die Demokratin Clinton, sondern männliche Milliardäre waren.

Die Epstein Files liefern damit mehr als ein Sittengemälde des „Elends als auch der Unruhen im menschlichen Leben“, wie es Adam Smith ausdrückte. Sie sind so etwas wie der Schlüssel, um das Wesen dieser Zeit, unserer Zeit zu verstehen. Die Verrottung der Eliten, so suggerieren die guten Wünsche und intimen Botschaften zwischen mächtigen Männern, ist real und sie ist wirkungsvoll. Die Taten waren individuell, die Organisation der Taten, ihre Netzwerke, ihre Machbarkeit waren systemisch. Dieses neofeudale Zeitalter braucht keinen Marquis de Sade, es hat Jeffrey Epstein.

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49 Kommentare

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  • Erstens wissen die Reichen und Superreichen nicht wohin mit dem Geld



    Zweitens wird es keine Aufklärung über die Epstein-Netzwerke geben, solange Trump und die Rechtsradikalen Präsident sind



    Drittens bitte Trump immer verpixeln, der macht so scheußlich selbstgerechte Grimassen, Posen und Gesäusel.

  • Es scheint beim Kontakt der Mächtigen und Reichen mit Epstein nicht nur um Sex gegangen zu sein, sondern mindestens genauso um Korruption, Geldwäsche, Insider-Informationen und was noch alles. Fast noch heftiger als die Briten mit dem Fall Mandelson hat es die Norweger erwischt. Mit Thorbjorn Jagland, Borge Brende, Mona Juul und Terje Rod-Larsen sind zwei ehemalige Außenminister, einer davon auch mal Ministerpräsident und Chef des Nobel-Komitees, sowie zwei Top-Diplomaten heftigst ins Zwielicht geraten. Im Mailwechsel zwischen Borge Brende,, jetzt Präsident des WEF in Davos, wurde norwegischen Medien zufolge mit dem Gedanken gespielt, die UN durch das WEF zu ersetzen. Da denkt man unwillkürlich an Trumps ominösen Friedensrat (von dem habe ich letzte Woche nichts mehr gehört, hoffentlich ein Rohrkrepierer).



    Dass der amtierende MP Gahr Store (der schon früher seine schützende Hand über Rod-Larsen gehalten hat) und sein Außenminister Barth Eide das als Einzelfälle runterzuspielen versuchen und eine interne Untersuchung durch das Außenministerium statt einer unabhängigen externen Untersuchung, wie vom Storting gewünscht, angekündigt haben, macht die Sache eher schlimmer als besser.

  • Dieser Elitenclub sexueller Ausbeuter und Versklaver erinnert stark an die Republik von Salo (Salò am Gardasee (ab 1944 Mailand), de.wikipedia.org/w...che_Sozialrepublik,



    www.gedenkorte-eur...e-salo-regime.html Pasolini wurde wegen dem Film über diese Ekelbourgeoisie ermordet: Die 120 Tage von Sodom de.wikipedia.org/w...e_von_Sodom_(Film).



    Bevor die Zuschreibungen aus den Phantasien der Pandemieeindämmungsgegner wieder hervortreten gegen Bill Gates und die Kinder essenden Juden sei hier darauf hingewiesen, dass diese Verwertung von Jugendlichen und Kindern Mädchen durch die Eigentumsherrscher in anderen Weltregionen genauso verbreitet ist: Hanna Polaks Filme über Die Kinder von Leningradsky 2005 und Yulas Welt (Something Better to Come 2014) de.wikipedia.org/wiki/Hanna_Polak zeigen dies.



    Bereicherung und Rechtlosigkeit sind Teil der Verhältnisse in Russland, Saudi-Arabien.



    Was Eigentumsherrscher so machen.

  • "Wir brauchen eine moralische Revolution,"

    Epstein hat wohl vor allem auch einen Prostituierten-Ring betrieben.



    Und die Beteiligten werden sich bei der Prostitution von Minderjährigen wieder mit den üblichen Sprüchen raus reden, das man von nichts gewusst hat.

    Mit moralischen Revolutionen ist dem nicht bei zu kommen. Freiertum muss unter Strafe stehen! Wir brauchen das Nordisches Modell für Prostitution.

  • Also FFP2-Maske aufsetzen, falls einem mal die Clintons begegnen oder Bill Gates über den Weg läuft. Da ist sie wieder, die gute alte Kontaktschuld. Alles „doppelgesichtige Schlüsselfiguren“, aber man will ja nichts selbst gesagt haben und am Ende ist Adam Smith womöglich auch verstrickt, selbst wenn das gar nicht möglich ist, aber wen interessiert das schon. Smiths Zitat ist allerdings ein Plädoyer für gegenseitige Zuneigung und emotionale Verbundenheit. Wie kann man ausgerechnet das als Grundlage heranziehen, um Menschen schon ihren Kontakt zu Epstein vorzuwerfen. Durfte der keine Freunde haben? Wäre das im Sinne von Smith gewesen? Oder geht es darum, dass „die“ so sind? Ob man nun arm ist oder reich, barfüßig oder Aschenputtel: Über diejenigen, die tun und lassen können, was sie wollen, ereifern sich regelmäßig die am lautesten, die es selbst wollen, aber nicht können (Elchtest F. W. Bernsteins nicht bestanden). Smith würde dazu wohl sagen: „Die Sensationslust überbewertet den Unterschied zwischen Empörung und Bedeutung.“

  • Pädokriminelle bzw Überreiche, die denken, sie können machen was sie wollen, sind nicht so neu. Neu ist nur die Verbreitung in Social Media.

  • Die beweise lagen seit Jahren bis Jahrzehnten bei den Behörden

    Und weiterhin keine Verhaftungen

  • Bitte nicht von "Sex" sprechen - es ist Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen.

    • @Sherry Bobbins:

      Da wäre es einfacher, wenn Sie Ihr persönliches Verständnis des Begriffs „Sex“ dem allgemeinen Sprachgebrauch anpassen. Ansonsten dürfte es schwerfallen, die Vorwürfe überhaupt zu formulieren, weil Missbrauch und Vergewaltigung ja gerade in sexuellen Handlungen bestehen.

      • @Yes:

        Es ist eben auch eins der Worte, deren Bedeutung verwässert, verändert, verdreht oder verkommen ist.

  • Die Gefahr und die politischen Auswirkungen, wenn Politiker sich Erpressbar machen lassen, sind schon krass. Vieles was an politischen Entwicklungen nicht logisch zu erklären & nachvollziehbar war, können mit diesen Verwicklungen in Zusammenhang stehen. Unglaublich, wie verantwortungslos Verantwortliche, sich in die Hände von noch skrupelloseren Subjekten begeben.

  • Ich glaube nicht, dass man de Sade ernsthaft mit Epstein in einem Atemzug nennen kann.

    • @Gothograecus:

      Auch nach meinem Kenntnisstand muss man den Artikel in dieser Hinsicht kritisieren. De Sade hat die verrottete und verrohte Gesellschaft durch grausame Verdichtung kritisiert, keine literarische Sexparty abgefeiert. So hat es auch Peter Weiss interpretiert und verarbeitet. Am Ende liegt es wohl in und an den Augen der Betrachter*innen. Aber es gibt ganz sicher nicht nur diese eine Lesart, die da im Artikel mitschwingt.

    • @Gothograecus:

      Die Dekadenz des Ancien Regime hatte Ähnlichkeit mit dem Neofeudalismus der neuen Ungleichheit heutzutage.



      De Sade war aber immerhin auch ein Intellektueller.

      (Ansonsten sind dies fünf Silben, das ist in einem Atemzug durchaus machbar)

      • @Janix:

        Ein Apnoetaucher könnte sogar alle seine Werke und sämtliche in den Eklat verwickelten Personen in einem Atemzug nennen.

  • "Epsteins System funktionierte, weil es auf Mechanismen baute, die tief in elitären Milieus verankert sind: Diskretion als soziale Norm, Zugang als Währung, Schweigen als Loyalitätsbeweis. [...] Epstein ist tot, sein System aber nicht."



    aus Cicero

    • @Diogeno:

      In einem anderen Kommentar bezog ich mich auf Veränderungen in der Bedeutung von Worten.



      Für mich gehört "Elite" ebenfalls dazu.



      So wie heute "Elite" benutzt wird, will ich auf keinen Fall dazu gehören.

    • @Diogeno:

      Vgl. Larry Summers bei einem Finanzministertreffen sinngemäß: Entweder man sei drin, mache mit und habe Einfluss oder nicht. Varoufakis solle sich entscheiden.



      Der entschied sich fürs Nicht-Mitmachen und veröffentlichte sein lesenswertes Buch darüber

      Summers hingegen zog es dann auch noch zum Epstein-Turteln.

  • Das Trump und Musk als erste genannt werden obwohl sie nie die Massagedienste angenommen haben und nicht Bill Gates, Bill Clinton, Jef Bezos , Whoophie Goldberg, Beyonce also die ganze erste Reihe der Demokraten ist bezeichnend.

    • @Timelot:

      War das denn so, wie Sie es gerade sagen? In vielerlei Hinsicht.

  • So, und was passiert nun wenn unsere deutschen Politiker da auch involviert sind? Ich denke an Blackrock Merz? Als jemand, der im Vorstand sitzt in einem Unternehmen, das hohe Geldmengen bewegt, ist er sicherlich auch einmal kontaktiert worden.

    Sagt mir nicht, das wäre nicht sein Ideal oder er wäre asexuell oder so. Denn niemand hätte es Kronprinzessin Mette-Marit zugetraut.

    • @Troll Eulenspiegel:

      ? Was lässt Sie an die un schuldige Mette Marit glauben? War nicht Norwegen damals beunruhigt ob ihrer Wahl durch den Kronprinzen, weil ihr Ruf nicht tadellos sei?

    • @Troll Eulenspiegel:

      Sie lehnen sich mit ihren Verdächtigungen gegen Merz ganz schön weit aus dem Fenster.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Was "zugetraut"? Haben Sie gerade Belege, die wir nicht haben?



      Zu Merz: die Atlantik-Brückenverbindung hat ihn bei Blackrock wie politisch auch gefüttert, da ist Kompromat nicht mehr nötig. Auch ist hierzulande Sexualität nicht so skandalös wie in den Staaten. Bei uns konnte ein a-christlicher mehrfach verheirateter Schwerenöter Kanzler werden etc.

      • @Janix:

        Mette-Marit hatte regen E-Mail-Verkehr mit Epstein gehabt, dem Sohn wird Vergewaltigung vorgeworfen.

        Ich glaube nicht, dass das einfach so schulterzuckend hingenommen wird. Weder in Norwegen, noch in Deutschland. Man nehme doch nur die ganzen Stammtischgespräche, wo es heißt, Vergewaltiger verdienen die Todesstrafe. Da ist es auch irrelevant, wie aufgeklärt Deutschland in Sachen Sexualität ist.

        Das prüde Amerika aber, wo Sexualität gottgewollt was schädliches ist (aber trotzdem so gut wie jeder Erwachsene Pornografie konsumiert), erlebt vielleicht einen Sinneswandel: Milliardäre missbrauchen jahrelang junge Frauen, warum soll ich das nicht auch dürfen????

        Diese Art von Skandalen werden in Deutschland weitaus kritischer betrachtet als Steuerhinterziehung und Maskendeals. Und so sehr mir das widerstrebt weil ich nicht die AfD noch mehr im Aufwind sehen will, aber ein Missbrauchsskandal von ranghohen CDU-Politikern wird die Umfagewerte in den Keller stürzen lassen. Die Wahrscheinlichkeit ist immernoch als gering einzuschätzen, aber die Liste an Leuten, die in diesem riesigen Missbrauchsring involviert sind, ist teilweise doch sehr überraschend.

        • @Troll Eulenspiegel:

          In D sind viele homosexuelle Politiker in hohen / einflussreichen Posiitonen, vielleicht sind die ja da wenig anfällig?

          • @ja wirklich?:

            Mit dem Briten Peter Mandelson ist es widerlegt das homosexuelle Leute da wenig anfällig sind.

          • @ja wirklich?:

            Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, dass bei Sultanen die Haremswächter großen Einfluss hatten und bei wichtigen Entscheidungen mitgewirkt haben.



            Ich mein ja nur....

        • @Troll Eulenspiegel:

          Die Methode Skandalisieren wurde von der NSDAP eingesetzt, aber auch von der SPD im Kaiserreich. Die AfD hat so viel an der eigenen Backe kleben. Jede Woche wieder.



          Einzelfälle gab es ja auch unter Politikers, auch wenn ich die Namen gnädig wieder vergaß.



          Ich kann gut damit leben, dass Ehebrecher Politik bis zum Kanzleramt machen oder ein Haus-der-Geschichte-Direktor seltsam agierte oder oder. Auf die Politik kommt es an. Und mensch sollte sich nie erpressbar zeigen.

          In UK ist das Bonmot: Labour stolpert über Geld, Tories über Sex. Ich füge hinzu: also jeder über das, was er sonst nicht hat.

  • Die Fokussierung hier im Artikel auf die verrotteten Reichen und Mächtigen ohne moralischen Kompass greift meiner Meinung nach zu kurz, denn sie ist vielmehr ein Spiegel der Gesamtgesellschaft. Von Arm bis Reich: "Die eigenen Ziele zu Lasten anderer der Gesellschaft zu erreichen" lese ich. Dann lassen wir den Bogen noch weiter spannen:



    Unser Leben in der sogenannten entwickelten Welt fußt letztlich ausschließlich auf törichtem Egoismus (Epsteins Kunden) der viel anderes kaputt macht (die Opfer) und uns letztlich selbst schadet (Titel verlieren, Knast gehen...).



    Erderhitzung, Plastikmüll, E-Schrott Export nach Nigeria oder auch Finanzegoismus (Rente auf Kosten der jüngeren Generation) und vieles andere mehr ist Ausfluss des eigenen Egoismus und der Hoffnung, dass das folgenlos bleibt.



    Manchmal denke ich, dass der Fokus auf die Superreichen und Superschurken nur dazu dient, das eigene Handeln im Kleinen zu legitimieren. Nein, das Problem sind wir alle, und deshalb wird es uns alle auch negativ erwischen. Umwelt, Klima, Finanzen, ... ich denke, unvermeidlich. Somit werden auch wir Normalos viel verlieren, so wie die Epstein Kumpels auch. Nur eben anders.

    • @Tom Farmer:

      Drehen wir es um: Wenn manche, gerade die potentes, es vormachen, lockert es das moralische Mieder der Vielen, der pauperes.



      Also die Treppe stets von oben kehren (und gerne dann gleich in einem Rutsch auch durch).



      Nie den Pharisäer machen, aber auch nie den Zyniker.

      • @Janix:

        Sehr schön. Shit flows down.

        • @ja wirklich?:

          Und der Fisch stinkt vom Kopf her.

    • @Tom Farmer:

      Ich glaube, Sie spannen den Bogen zu weit. Es ist ja ein Artikel und kein Buch. Und ich sehe schon einen gewissen Unterschied, ob jemand Rente aufgrund Gesetze bezieht und Gesetze können geändert werden oder ob hinter verschlossenen Türen Mädchen und Frauen missbraucht werden und eine Machtelite wegschaut. Bei dem Ausmaß, den es hier wohl gab, müssen viele weggeschaut haben.

      • @Strolch:

        Nun, der Artikel thematisiert die Moral. Und hier mal die Gesamtgesellschaft zu spiegeln, wie die denn im Vergleich dazu tickt scheint mir schon legitim. Es geht nicht um Vergleich Kindermissbrauch zu Plastikmüll. Aber den zufrundeliegenden 'alles scheißegal Egoismus' und 'man wird mich schon nicht erwischen' schon.

    • @Tom Farmer:

      "Finanzegoismus (Rente auf Kosten der jüngeren Generation)"



      Wollen wir bitte mal festhalten, dass ich (Rentnerin) mein Berufsleben lang einen Haufen Geld in die Rentenversicherung eingezahlt habe und da nur das raus bekomme, was sich daraus errechnet, und das reicht gerade so zum Leben.

      • @Stinepizza :

        Yes. Wie vielen Rentner:innen geht es so. - Was ist eigentlikch mit den Rentenzahlungen derjenigen Menschen, die jahrelang im DDR System gerarbeitet haben? Woher kommen deren Renten heute ? Gab es in der DDR eine Rentenversicherung, deren Geld über die Vereinigung rübergerettet wurde?

      • @Stinepizza :

        Sie sollten immer daran denken, dass das Geld dass Sie einbezahlt haben längst ausgegeben wurde. Und nun von den Jungen zu erwarten den gleichen Fehler zu machen ... sehe ich als Egoismus an, da das so nicht gut ausgehen wird können.

        • @Tom Farmer:

          Ich kann Ihre Skandalisierung der umlagefinanzierten Rente nicht nachvollziehen. Sogar im Kapitalismus muss das Geld ausgegeben werden, muss im Fluss bleiben. Es kommt nicht genug unten an?! Das ist im sogenannten Raubtierkapitalismus egal oder gewollt. Im Sozialstaat (soziale Marktwirtschaft) muss aber umverteilt und reguliert werden. Da liegt doch das Problem, zu wenig Umverteilung, wenn überhaupt, dann passiert sie von unten nach oben! Das Umlageprinzip ist doch nicht das Problem, jedenfalls keines im von Ihnen kritisierten fast feindlichen Sinne! Das sehen auch Journalist*innen wie Holger Balodis und Dagmar Hühne so. Ihre Kritik kommt aber einfach nicht ,unten‘ an, bei Leuten wie Ihnen! Warum nur?! Eine gute Sache wird schlechtgeredet und schlechtgemacht, ich verstehe das nicht. Man kann natürlich auch die soziale Marktwirtschaft als klandestin neoliberal kritisieren, aber dann hat man mit der umlagefinanzierten Rente trotzdem einen Hebel! Sie verdient einfach diesen notorisch schlechten Ruf nicht. Es hat einen Grund, warum Wirtschaftsliberale sie einfach nicht verstehen WOLLEN, siehe ,Die Vorsorgelüge‘ (2013), Seite 56. Unter anderem und unter anderen!

  • Haarfarbe "Gry", ah ja.



    In den USA wird traditionell eher Sexualität skandalisiert (in dieser Form wie bei Epstein ist sie auch skandalös - der sammelte damit offenbar Kompromat wie andere ihre Briefmarken). In Europa kann mensch sich auch noch über Ungleichheit vor Recht nach Herkunft und/oder Geld aufregen.



    Setzen wir die Empörung in universale Politik um, bevor es noch die Falschen tun.

    • @Janix:

      Fuer wen sammelte er

      • @Marco Dorn:

        Für sich recht sicher und evtl. für andere.



        Setzen wir aber vor allem die Empörung konstruktiv in universale Politik um, bevor es noch die Falschen tun.

  • In den letzten Tagen hatte ich auch den Gedanken, dass Pizzagate vermutlich in die Welt gesetzt wurde um zum Einen von Epstein und den Taten abzulenken, aber zum Anderen auch, um es in anderer Form öffentlich zu machen.

    • @Gnutellabrot Merz:

      Manchmal wird anderen genau vorgeworfen, was mensch selbst tut. Nicht nur manchmal.

      Schlimm ist auch, zur Ablenkung von eigenen riesigen dunklen Flecken die Welt anzuzüngeln. Putins Modell, auf die USA übertragen.

  • Dann sollten sich unsere Linken und Grünen aber bitte schön auch mit dem seit einigen Jahrzehnten immer größer werdenden Schaumschlägerfeudalismus (Musik, Film, Sport) zuwenden, denn genau hier wird die Vergötterung öffentlichkeitswirksam zelebriert, die Menschen dazu bringt sich über andere zu erheben und zu glauben, sie wären sakrosankt. Da muss jetzt langsam mehr Kritik kommen als „Eat the Rich“.

    • @BS:

      Jap.

    • @BS:

      Richtig.... früher hieß es von Links der Mitte "dein Fernseher lügt" heute ist Links der Mitte beschäftigt mit Besprechung von Netflix Serien oder in welchem Hostel man das beste WiFi hat, idealerweise auf Bali o.ä.

      • @Tom Farmer:

        Oder machen wie Gregor Gysi mit dem durch Werbefinanzierung zum Millionär gewordenen Gottschalk oder Schmidt im werbefinanzierten rechten Fernsehen, hier n-tv., Small Talk. Leider hat er vergessen ihnen zu sagen, welche nützliche Arbeit im kommenden Sozialismus auf sie wartet. Da fehlten dann die Cojones.