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Sunnitisches Militärbündnis Die Atombombe im Blick

Jürgen Gottschlich

Kommentar von

Jürgen Gottschlich

Neues „Mekka-Bündnis“: Die Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien wollen nicht tatenlos abwarten, wie Iran sich atomar bewaffnet.

D er Nahe Osten hat ein neues Militärbündnis. Und nicht nur irgendeines, sondern ein Bündnis, das laut türkischem Außenminister Hakan Fidan die gesamte Region stabilisieren soll, die seit der Aufteilung des Osmanischen Reiches durch die europäischen Kolonialmächte nicht mehr zur Ruhe gekommen ist. Das will symbolträchtig das sogenannte Mekka-Bündnis der sunnitischen Regionalmächte Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan nun ändern.

Das Bündnis, so Fidan weiter, sei offen für weitere Mitglieder, als Erstes sei an Ägypten gedacht. Anders als von vielen gleich vermutet, sei es nicht gegen den schiitischen Iran gerichtet und auch nicht gegen Israel.

De facto tritt die Türkei einem Bündnis bei, das Saudi-Arabien und Pakistan schon früher geschlossen hatten, weil beide wissen, dass sie sich auf die USA nicht mehr verlassen können. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will das Bündnis nicht als Alternative zu Nato, sondern als ergänzende Struktur in der Region.

Das Bündnis sieht zwar eine Beistandsklausel ähnlich dem Artikel 5 der Nato vor, doch niemand scheint davon auszugehen, dass türkische oder saudische Soldaten Pakistan in einem neuen Krieg mit Indien unterstützen werden oder Saudi-Arabien die Türkei bei einem Konflikt mit Griechenland. Es geht mehr um die Bündelung jeweiliger Fähigkeiten.

Die Türkei hat in den letzten Jahren ihre Waffenindustrie immer mehr ausgebaut, ist jetzt international konkurrenzfähig und sucht sichere Absatzmärkte. Pakistan hat eine große Armee, die Saudis haben Geld und die Türkei die Militärtechnik. Das soll allen dreien nutzen, denn sie werden weniger abhängig von US-Waffenkäufen. Es gibt aber noch eine weiterreichende Überlegung. Pakistan ist zwar arm, aber es ist dennoch eine Atommacht.

Sowohl die Saudis wie die Türkei gehen davon aus, dass es Trump und Netanyahu letztlich nicht gelingen wird, den Iran vom Bau einer Atombombe abzuhalten. Für diesen Fall wollen sie vorbereitet sein und dafür ist die pakistanische Atomtechnik die beste Möglichkeit zur eigenen Atombombe, unabhängig von den USA.

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Jürgen Gottschlich

Jürgen Gottschlich Auslandskorrespondent Türkei

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4 Kommentare

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  • warum_denkt_keiner_nach?

    Da schließen sich drei autoritäre, antidemokratische Länder mit Rüstungsindustrie, Geld und Atomwaffen zusammen. Grund zur Sorge.

  • Jo Lang

    Seltsam, Le Monde, Haaretz und NYT diskutieren zwei Aspekte: Bedrohung durch Iran und durch einen Hegemon Israël. Hier taucht nur Iran auf, doch etwas eine fixe Idee. Interessant zu überlegen, warum die Taz unfähig ist, eine ernsthafte Analyse zu erstellen.

  • Flix

    Der Atom-Deal zwischen den USA und Saudi-Arabien hat nur Sinn, wenn atomwaffenfähiges Uran oder Plutonium gewonnen werden soll. Die Saudis verfügen über mehr als ausreichend erneuerbare Energie. Geld für den Aufbau einer Atomindustrie rein zur Energiegewinnung ist auch dort, wie überall, ökonomischer Unfug.

  • Stavros

    Es erinnert an "Die Physiker" von Dürrenmatt.

    Letztendlich kann die Menschheit (oder hier: weitere Teile davon) nicht davon abgehalten werden, sich einer existierenden Technologie zu bemächtigen.

    Man könnte zynisch bemerken: Na und, ist doch Gleichgewicht des Schreckens.

    Und purer illusorischer Kolonialismus, zu denken, die USA und Russland würden rationaler mit Nuklearwaffen umgehen als Pakistanis, Saudis oder Iraner.

    Trotzdem bedaure ich es als Teil dieser Menschheit, dass wir uns 2026 mit nichts Besserem beschäftigen und dass alle Versuche, international zu kooperieren, kaum noch zu funktionieren scheinen.

    Das betrifft die Nuklear-Nonproliferation genauso wie Klimaabkommen.