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Contra WirtschaftswachstumBessere Verteilung statt ressourcenfressenden Wachstums

Nick Reimer

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Nick Reimer

Die deutsche Wirtschaft wächst nur minimal? Gut so. Denn Wachstum können wir uns nicht mehr leisten, es verbraucht Ressourcen, die wir nicht mehr haben.

Mehr Windräder, weniger Container: Frachtgutverladung im Hamburger Hafen Foto: Marcus Brandt/dpa

B auholz, Trinkwasser, Stahl oder Getreide: Der „Overshoot Day“ ist jener Tag, an dem die Menschheit all das aufgebraucht hat, was eine sich selbst erhaltende Natur binnen eines Jahres liefern kann. Zuletzt fiel dieser Tag in der Bundesrepublik auf den 10. Mai, würden alle so haushalten wie wir Deutschen, wären drei Erden nötig.

Braucht Deutschland mehr Wirtschaftswachstum? Nein, schreibt Nick Reimer in seinem Contra, weil weiteres Wachstum aufgrund des Klimawandels nicht mehr akzeptabel ist. Ja, entgegnet Simon Poelchau in seinem Pro, weil es bei der Wirtschaft nicht nur um Wohlstand, sondern auch um die Demokratie geht.

Daher ist es eine gute Nachricht, dass die Wirtschaft weiter nur minimal wächst. Denn Wirtschaftswachstum können wir uns nicht mehr leisten, es verbraucht Ressourcen, die wir nicht mehr haben. Dass unsere Gier nach Rohstoffen noch immer so gut gestillt wird, liegt an der perfiden Plünderung anderer Länder.

Man kann das Dilemma auch aus Sicht der Bundesregierung beschreiben: Beschlusslage ist, das Paris-Protokoll einzuhalten, also für eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu einzustehen. Allerdings ist das Budget, das uns Deutschen dafür noch zur Verfügung stand, seit Frühjahr 2024 vollständig aufgebraucht, wie der Sachverständigenrat der Bundesregierung ermittelte. Also Gasheizungen aus, Fahrverbote für Verbrenner, kein Dünger mehr für die Landwirtschaft.

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Beim Klimaschutz lahmt auch diese Bundesregierung: 2025 sanken die Emissionen gerade einmal um 1,5 Prozent, das gesetzlich vorgeschriebene Ziel – minus 65 Prozent bis 2030 – scheint nicht mehr erreichbar.

Natürlich gibt es den Traum vom „grünen Wachstum“: Wenn die Energieversorgung erst einmal auf „fossilfrei“ umgestellt ist, dann wäre die Steigerung des BIP schon okay. Erstens aber sind gerade einmal 20 Prozent der deutschen Energieversorgung erneuerbar, obwohl es bei der Stromversorgung 2025 fast 56 Prozent waren, ist es noch ein langer Weg bis 100 Prozent „fossilfrei“. Zweitens verschlingt auch „Grünes Wachstum“ Ressourcen wie Bauholz, Stahl oder Lithium: In einer endlichen Welt lassen sich davon nicht unendlich viel beschaffen.

Aufgeklärte linke Politik sollte deshalb anfangen, eine Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum vorzudenken: Wie können Ressourcen besser genutzt, Energie eingespart, wie kann der vorhandene Wohlstand einer Gesellschaft besser verteilt werden? Wer weiterhin dem Wachstumsfetisch hinterherlechzt, der will unseren Enkeln eine Welt ohne Hummeln, ohne Grönland, ohne Hamburg hinterlassen. Eine Welt mit verheertem Antlitz.

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Nick Reimer
Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
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