Care-Arbeit gerecht verteilen : Frauen und Männer müssen gleichermaßen ran
Während Frauen nach wie vor den größten Teil der Familienarbeit leisten, bekommen Männer in großen Medien viel Platz, um darüber zu sprechen.
M änner ergreifen endlich das Wort in der Care-Debatte. Doch der Raum, den sie dafür in manchen großen Medien bekommen, nimmt leider wieder vor allem eine Sichtweise ein: die männliche. So benennt der Soziologe Aladin El-Mafaalani in einem Interview zu seinem neuen Buch „Kinder. Minderheit ohne Schutz“ die Folgen des maroden Bildungssystems. Treffend beschreibt er den Zusammenhang zwischen Bildungskrise und der gesellschaftlichen Entwicklung der vergangenen fünf Jahrzehnte in Westdeutschland: Mehr Frauen wurden erwerbstätig und Teile der familiären Care-Arbeit ausgelagert. Doch es gibt zu wenig Kitas und marode Schulen. El-Mafaalani schlussfolgert: „Der Staat kann die Mütter nicht mal eben ersetzen.“
ist Journalistin in Eberbach. Im März 2025 erschien im Ulrike Helmer Verlag ihr Buch „Mütter in die Politik“.
Da hat er recht. Der Staat kann aber auch die Väter nicht ersetzen, die – und das unterschlägt seine Argumentation – in weit größerem Umfang als die Mütter nach der Geburt ihrer Kinder wieder erwerbstätig sind. Und so bleibt die tägliche Care-Arbeit nach wie vor aufseiten der Frauen. Die das neben ihrem Teilzeitjob erledigen. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und geht ganz klar auf Kosten der Mütter und ihrer Kinder. Aber anders als Männer bekommen sie dafür in großen Medien weniger seitenfüllende Interviews, in den Buchläden landen ihre Bücher in der Ratgeber- statt in der Debattenecke.
Frauen brauchen Männer, darunter eben auch Väter, als Mitstreiter einer gemeinsamen Sache. Erst wenn Care-Arbeit in den Familien fair geteilt wird, fehlen Männer in Unternehmen, gesellschaftlichen Institutionen, in der Politik, wenn ihr Kind krank ist oder die Kita mal wieder schließt. Sie begreifen dann vielleicht, was es bedeutet, unbezahlt nach dem Job noch mehrere Stunden auf den Beinen zu sein, ohne Arbeitsschutz und Recht auf Urlaub. Es geht nicht mehr, dass Frauen die Care-Arbeit machen und Männer darüber entscheiden – und schreiben.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert