Bau einer Tesla-Fabrik in Brandenburg

Mehr Marslandung für Deutschland

Dass Elon Musk nach Brandenburg kommt, ist gut. Er trifft auf ein Hightechland voller Ingenieure, das Angst hat, beim Klimaschutz zu verlieren.

Ein Auto der Marke Tesla Roadster mit dem Astronauten-Dummy Starman fliegt durch das All

PR-Aktion: Ein Tesla Roadster schwebt im All. Oder ist es Finsterwalde in Brandenburg? Foto: SPACEX/Newscom/picture alliance

Das geht runter wie … nein, nicht Öl. Geht um Elektroautos. Also, das geht runter wie eine Pille im Berghain: Elon Musk hat angekündigt, dass Tesla vor den Toren Berlins eine Gigafactory baut. Eine Fabrik für Batterien und Elektroautos. „Berlin rocks, Berlin is like … great. I love Berlin“, sagte der US-kanadische Unternehmer zur Begründung. Berlin heiratet Silicon Valley. Wie geil.

Musk betont Deutschland, vor allem Berlin; aus einem einfachen Grund. Weltweit stellen Autokonzerne auf Elektroautos um. Die Leute, die wissen, wie das technologisch, logistisch und emo­tio­nal zu meistern ist, sind rar. Deshalb Berlin. Weil die Stadt ein Image hat, weil sie ein Argument ist, mit dem man die guten Leute lockt.

Für die ängstlichen Deutschen kommt Musk gerade richtig. Hier geht zurzeit ständig der Industriestandort unter, weil alle so unsicher sind, ob dieser ökologische Umbau der Wirtschaft mit echtem Klimaschutz klappt. Musks Antwort darauf: Das ist ein Riesengeschäft, ihr Idioten. Vor ein paar Jahren schrieben Experten in Deutschland ernsthaft, ein Elektroauto könne aus physikalischen Gründen keine 400 Kilometer weit fahren. Jetzt baut sie Tesla bald in Brandenburg.

Die Entscheidung des Unternehmens ist ein Beispiel, wie Standortwettbewerb gehen sollte. Tesla braucht ein grünes Image, Brandenburg hat es, weil es dort viel Ökostrom gibt. Dort lässt sich klimaschonend produzieren, Ökologie wird zum positiven Wirtschaftsfaktor. Das ist die Idee eines Green New Deal, wie ihn die neue EU-Kommission oder die US-Demokraten wollen. Demnach obsiegt im Wettbewerb, wer sauberer wirtschaftet.

Musk gehört zu den prominentesten Vertretern dieser Idee. Ob er ein genialer Visionär ist oder ein Irrer, der ernsthaft eine Kolonie auf dem Mars gründen will: egal. Ob Musk ein genialer Unternehmen ist oder ein Verführer, der Dusel hat, weil seine Investoren Geld zum Verbrennen übrig haben: egal. Was Deutschland braucht, ist ein klein weniger mehr Marslandung. Denn bisher ist es ein Hightechland voller Ingenieur*innen und Weltunternehmen, das Angst hat, im Innovationswettbewerb Klimaschutz vor die Hunde zu gehen.

Die Sache hat allerdings einen Ladefehler: Ja, ein mit Solarstrom betanktes Elektroauto ist weniger schädlich als ein Benziner. Aber die Autokonzerne zielen auf Entwicklungsländer als neue Märkte, dort werden E-Autos wegen des fossilen Stroms noch Jahrzehnte das Klima killen. Das E-Auto ist kein Öko-Auto. Musks Talent im Storytelling verschleiert genau das. VW-Chef Herbert Diess sagte in Berlin, neben Musk stehend: „Elektroautos sind Spaß. Sie sind cool.“ Genau das wird noch ein Problem.

Einmal zahlen
.

Schreibt seit 2008 für die taz. Beschäftigt sich mit der Frage, ob Kapitalismus auch öko kann. War Korrespondent in Baden-Württemberg, gründete erfolglos ein Magazin und besuchte eine Journalistenschule. Ist außerdem Elektroingenieur.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben