Appell an Hersteller: Biker gegen Motorradlärm
Eine Fahrer-Organisation appelliert an die Hersteller, leisere Motorräder anzubieten. Sie befürchtet sonst mehr Streckensperrungen.
Zusätzliche Lärmemissionen reduzierten die Akzeptanz des Motorradfahrens. Das zeige auch die Forderung des Bundesrats von Mitte Mai, dass die Lärmgrenzwerte immer und nicht nur unter den Bedingungen der Zulassungstests einzuhalten seien. Zudem verlangte die Länderkammer, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Streckensperrungen an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes zu ermöglichen.
„Der BVDM fordert die Motorradindustrie daher auf, freiwillig Motorräder zu produzieren, die im realen Fahrbetrieb sozialverträglich leise sind!“, heißt es in dem Brief. Er appelliert an den Industrie-Verband Motorrad, die Hersteller „zur Produktion von leiseren Fahrzeugen zu bewegen.“ Zudem sollten leisere Austausch-Auspuffe angeboten werden. Beides liege auch im Interesse der Firmen, denn wenn immer mehr Strecken für Motorräder gesperrt würden, ließen sich auch weniger Fahrzeuge verkaufen.
„Der Bundesratsbeschluss hat die Biker aufgeweckt“, sagte Holger Siegel, Sprecher des Arbeitskreises Motorradlärm beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der taz. „Es wird auch von dieser Seite eingeräumt, dass nicht nur ein paar schwarze Schafe mit illegal manipulierten Maschinen unterwegs sind, sondern dass viele Motorräder ab Werk sehr laut sind.“
Empfohlener externer Inhalt
Allerdings vertritt der BVDM nach eigenen Angaben die Interessen von nur 20.000 Fahrern. In Deutschland sind aber etwa 4,5 Millionen Motorräder zugelassen. Der BVDM-Konkurrent Biker Union etwa erklärt: „Moderne Motorräder sind nicht übermäßig laut.“ Das Problem seien illegale Auspuffanlagen.
„Fangt doch erstmal an, die Maschinen leiser zu fahren“, appellierte Achim Marten, Sprecher des Industrie-Verbands Motorrad, an die Biker-Community im Gespräch mit der taz. „Wir sehen die Hauptverantwortung bei den Fahrern selber.“
Umfragen zufolge fühlen sich etwa drei Viertel der Bevölkerung durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt, also in der Lebensqualität eingeschränkt. Die Karte der taz mit Protesten gegen Lärm von Motorrädern und unnötig lauten Autos in Deutschland enthält bereits mehr als 300 Orte. Dabei können chronische Lärmbelastungen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle verursachen, warnt das bundeseigene Robert-Koch-Institut.
Kennen Sie Orte, wo es Proteste gegen unnötigen Motorrad- und Autolärm gibt, die auf unserer Karte fehlen? Dann schicken Sie bitte Ort, Straße, Postleitzahl und Quelle (zum Beispiel Link zu einem Medienartikel) an kfzlaerm@taz.de.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen