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AfD und RechtsrockMusikalisch untermalte Hetze

AfD-Veranstaltungen werden regelmäßig mit extrem rechter Musik untermalt. Den Sicherheitsbehörden fehlen jedoch die Daten darüber.

Wie sehr Musik politische Hetze befeuern kann, ist spätestens seit dem Skandalvideo aus Sylt wieder stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Damals hatte eine Partygruppe zur Melodie des bekannten Songs „L'amour toujours“ rassistische und ausländerfeindliche Parolen gegrölt. Auch die AfD nutzt Musik gezielt, um ihre programmatischen Ressentiments zu emotionalisieren. Eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke offenbart, das die bundesdeutschen Sicherheitsbehörden diesen Events jedoch keine Beachtung schenken.

Alleine zwischen Juli und Dezember 2025 sollen demnach 20 Konzerte und 100 Liederabende der extremen Rechten stattgefunden haben, wie die Antwort der schwarz-roten Bundesregierung auf die Anfrage ergibt. Die Bundesregierung von Union und SPD listet dabei auch Musikevents von Die Heimat, einst NPD, Der III. Weg sowie Freie Sachsen auf.

Auf die Fragen jedoch, bei wie vielen Events die AfD „Mitveranstalter bzw. Mitorganisator“ war oder die Partei selbst oder ihrer Untergliederungen Saalveranstaltungen, Kundgebungen, Parteitagen, oder Demonstrationen mit musikalischen Darbietungen anbot, war die Antwort der Bundesregierung knapp. „Nach Kenntnis der Bundesregierung fand im zweiten Halbjahr 2025 keine entsprechende Veranstaltung statt“, lautete die wortgleiche Antwort bei beiden Fragen.

Verein weiß mehr als die Bundesregierung

Mit den Kenntnissen des Vereins „Argumente & Kultur gegen rechts“ stimmt diese Antwort nicht überein. Alleine von Juli bis Oktober vergangen Jahres erfasste der Verein siebzehn AfD-Veranstaltungen mit musikalischem Programm. Für Abendveranstaltungen und Büroeröffnungen lädt die Partei demnach regelmäßig szenebekannte Mu­si­ke­r:in­nen ein, das Repertoire reicht von Ballermann- bis Liedermacher:innen-Sound.

Rechte Musik soll eine emotionale Wir-Gemeinschaft erzeugen, durch die politische Schlagworte verinnerlicht und die Anhänger lebensweltlich angebunden werden.

„Diese Leerstelle verwundert auch aus der Logik der Sicherheitsbehörden selbst“, sagt Jan Raabe vom Verein. Raabe hebt hervor, dass nicht einmal der von einem AfD-Funktionär organisierte Auftritt des Liedermachers „Kavalier“ in Würzburg von den Behörden erfasst wurde – trotz Medienberichten.

Selbst in jenen Bundesländern, in denen AfD-Landesverbände als gesichert rechtsextremen eingestuft sind, erfolgten keine Nennungen. In Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt dokumentierte der Vereine mehrere Vortragsabende oder Familienfeste mit milieubeliebten Musikern – alles Männer.

Extrem rechte Ballermann-Musik

Zwei Musiker sind häufige Gäste bei der AfD: Estéban Cortez und Björn Banane. Cortez wurde in der Corona-Pandemie mit seinen Songs bekannter. Der Liedermacher trägt mit seiner Gitarre nicht bloß Kritik an den Pandemie-Maßnahmen vor. In dem Song „Mädchen aus Westberlin“ singt er: „Ich bin tausendmal lieber in Charlottenburg, als im grün versifften Friedrichshain (…) in der Stadt gibt es nur noch Messerstechereien (…), wo früher unsere Kneipe war, ist heute eine Shishabar.“

Der Song mit dem doppeldeutigen Titel „Die Ballade von Jenny und ihrem Stecher“ erzählt von einer „süßen“ 16-Jährigen die „krass verliebt“ in einen Jungen – eher Mann – mit Migrationsgeschichte ist und zu „Messerstechereien“ neige. Im Song wird sie nach der Trennung von ihrem Ex erstochen. Bei YouTube hat Cortez 46.000 Abonnenten.

Björn Banane, der bürgerlich Björn Winter heißt, vereint sogar 71.100 Abonnenten auf seinem Videokanal. Im stampfenden Schlagerrhythmus intoniert der Sänger in dem Lied „Alice für Deutschland“: „Sie, sie sieht verdammt gut aus. Sie, sie macht das Beste draus. Sie ist unsere Kanzlerin. Sie kriegt Deutschland wieder hin“ und „Wir holen unser Land zurück“. Björn Banane, der schon für die AfD arbeitete und auch kandidierte, trat früher mit Schlagern am Ballermann auf Mallorca auf. Im April dieses Jahres trat er bei einer AfD-Geburtstagsfeier im Bundestag auf.

Musik, um die Schlagworte zu verinnerlichen

Die Musik der extremen Rechten, sagt Raabe, hat mehrere Funktionen: Musikalisch soll sie eine emotionale Wir-Gemeinschaft erzeugen, durch die politische Schlagworte verinnerlicht und die Anhänger auch lebensweltlich angebunden werden. Im vorpolitischem Raum biete die AfD so eine Identifikationsoption an, die den parlamentarischen Raum erweitert.

Raabe, der seit Jahren zum Thema Rechtsrock publiziert, weist auch auf eine weitere Leerstelle in der Antwort der Bundesregierung hin. Diese habe auch keine Erkenntnisse zu musikalischen Events bei „Reichsbürgern“ und dem Bereich, den die Behörden „verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ nennen. In diesen Spektren von Reichsbewegten, Verschwörungsanhängern und Recht­se­so­te­ri­ke­r:in­nen treten jedoch auch die genannten AfD-Musiker auf.

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