+++ Nachrichten zur Stop-G7-Demo +++: 6.000 auf Anti-G7-Demo

Die Proteste verliefen weitgehend friedlich. Am Ende gab es Tumulte und Festnahmen. Die geringe Teilnehmerzahl führen die Veranstalter auf die Verunsicherung durch den Krieg zurück.

Demonstrant*innen mit Banner: "G7 - Gerechtigkeit schaffen"

Ein bunt gemischter Demonstrationszug zieht durch München Foto: Matthias Schrader/ap

Kundgebung geht dem Ende zu

Die Kundgebung geht dem Ende zu. Etliche Demonstranten haben sich längst ins sonnige Wochenende verabschiedet. Es war eine kleine und – größtenteils – friedliche Demo. Sie krankte jedoch wohl daran, dass zu viele unterschiedliche politische Positionen unter einen Hut gebracht werden sollten. Gerade noch von der Bühne die Info: Acht Demonstranten sollen festgenommen worden sein, weil sie sich vermummt hatten.

Damit verabschieden sich die taz-Korrespondent*innen vor Ort. Die taz begleitet die Proteste und den Gipfel in den nächsten Tagen natürlich weiter. Auf taz.de und auf Twitter.

Anmelder der G7-Demo zu Teilnehmerzahl: Verunsicherung durch Krieg

Der Anmelder der G7-Großdemonstration, Uwe Hiksch, hat die hinter den Erwartungen zurückbleibende Teilnehmerzahl mit dem Ukraine-Krieg erklärt. „Wir haben den Eindruck, dass ganz viele Menschen durch den Krieg in der Ukraine verunsichert sind“, sagte er am Samstag während der Demonstration in München. Gerade im rot-grünen Spektrum, das man normalerweise für die Demonstrationen mobilisiere, gebe es derzeit viele Menschen die sagten: „Es ist jetzt nicht die Zeit, dass man eine Gegenposition zu den Regierungschefs bezieht.“ (dpa)

US-Präsident Biden zu G7-Gipfel in Bayern aufgebrochen

Derweil ist US-Präsident Joe Biden am Samstag zum G7-Gipfel in Bayern aufgebrochen. Die Air Force One mit dem US-Präsidenten an Bord sollte am späten Abend in München landen, wie das Weiße Haus mitteilte. Von dort aus wollte Biden nach Schloss Elmau weiterfliegen, wo an diesem Sonntag der Gipfel der sieben führenden westlichen Industriestaaten beginnt. Noch vor Beginn des Gipfels will Biden zu einem bilateralen Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz zusammenkommen. Das G7-Spitzentreffen in Bayern dauert bis Dienstag. Anschließend will Biden zum Nato-Gipfel nach Madrid weiterreisen, bevor er am Donnerstag nach Washington zurückkehrt. (dpa)

Greenpeace: G7-Gipfel könnte „große Chance“ sein

Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser sagte in einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagausgabe), der anstehende G7-Gipfel könne eine große Chance sein, wenn es gelinge, „die großen Wirtschaftsnationen der G7 zu einer echten Wertegemeinschaft zu formen, die offen ist für andere Länder, die dieser Wertegemeinschaft folgen wollen“. Doch die Herausforderungen seien „riesig“, von der drohenden Hungerkrise bis zum raschen Ausstieg aus der Kohleenergie. (epd)

Beginn der Abschlusskundgebung

Nach unübersichtlichem Gerangel ziehen jetzt alle Blöcke weiter vor zur Bühne. Auf der Bühne heißt es, es gab einen unerklärlichen Angriff der Polizei auf den antikapitalistischen Block. Der Anmelder der Kundgebung, Uwe Hiksch von den Naturfreunden, zeigt sich solidarisch mit Antikapitalitischen Block. Er soll in die Mitte genommen werden.

Sieben als Scholz und Co. Maskierte kommen auf die Bühne. Als Reaktion ernten sie Buh-Rufe.

Die Abschlusskundgebung startet. Oxfamsprecherin Charlotte Beckerfordert eine sozialökologische Transformation. Und zwar jetzt.

Martin Geilhufe vom Bund Naturschutz sagt, das Ziel von Elmau müsse sein, das fossile Zeitalter endgültig zu beenden. Er fordert die Zu­hö­re­r:in­nen auf, sich an die „Artenaussterbekatastrophe“ zu erinnern. Man dürfe die beiden Krisen nicht gegeneinander ausspielen. In einem Ökosystem habe jede Art ihre eigene wichtige Funktion.

Erste Tumulte

Wie zu erwarten war, geht der Stress erst am Ende der Demo los. Auf Twitter schreibt das Magazin Perspektive Online, die Polizei nehme Leute fest. Der Grund sei unklar. Es sollen auch Jour­na­lis­t*in­nen von Perspektive online von der Polizei angegriffen worden sein.

Ein Demonstrant sagte gegenüber einem taz-Korrespondenten vor Ort, ein Polizist habe fünfmal auf einen Mann eingeschlagen. Gesehen hat der taz-Kollege das nicht.

Offenbar hat die Polizei den Antikapitalistischen Block separiert und fordert die Demonstrierenden auf, Vermummungen abzulegen und einen Ansprechpartner zur Polizei zu schicken, der darüber aufklärt, was die De­mons­tran­t*in­nen vorhaben.

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Die entgegnen via Lautsprecher: „Bullen, verzupft Euch.“ Dann heißt es, die Polizei gehe gewaltsam gegen die Demonstration vor. Weitere Durchsage in Richtung der Polizei: „Das ist absolut lächerlich, was Ihr hier abzieht.“

Ein Polizeisprecher sagt einem taz-Korrespondenten vor Ort, es seien Auflagen nicht eingehalten und Rauchtöpfe gezündet worden. Deshalb sei ein Teil des Zuges gestoppt worden.

Auf Twitter die Polizei Bayern dazu nüchtern: „Die Versammlung ist mit 4.000 Teilnehmenden an der Theresienwiese in #München angekommen. Ein Teil der Versammlung hat sich dort entfernt. Wir sprechen gerade mit diesen Personen.“ In einem weiteren Tweet teilt sie mit, es habe eine Festnahme gegeben.

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Von der Theresienwiese zur Theresienwiese

Der Demonstrationszug erreicht wieder die Theresienwiese. Ein Polizeibeamter mit fränkischem Akzent bedankt sich via Lautsprecherdurchsage: „Hat ja alles wunderbar geklappt.“ Er wünscht noch eine gute Abschlusskundgebung und einen schönen Tag.

Deutlich weniger Teilnehmer als erwartet bei G7-Demo in München

Zur zentralen Demonstration zum G7-Gipfel in München sind am Samstag deutlich weniger Menschen gekommen als erwartet. Die Polizei sprach mehr als zwei Stunden nach Beginn der Veranstaltung von etwa 4000 Teilnehmern, die Veranstalter gaben 6000 Protestierende an. Ursprünglich war mit mindestens 20.000 Menschen gerechnet worden.

Eine Sprecherin der Veranstalter sagte, dass man die Ursache für die geringe Teilnahme allerdings noch nicht bewerten könne. Mehrere Aktivist*innen, die zu der Demo aus ganz Deutschland angereist waren, äußerten sich enttäuscht über die Resonanz.

Der Anmelder der Kundgebung, Uwe Hiksch von den Naturfreunden, meinte ebenfalls, dass das deutlich unter dem sei, „was wir erwartet haben“. Es habe sich aber schon seit etwa eineinhalb Wochen abgezeichnet, dass die Mobilisierung nicht so stark sei. (dpa)

50 Zelte im Protestcamp

Derweil in Garmisch-Partenkirchen, 100 Kilometer weiter südlich, nahe dem Schloss Elmau: Im Protestcamp der Gip­fel­geg­ne­r:in­nen ist es noch sehr ruhig. Vielleicht 50 Zelte stehen auf der etwas abgelegenen Wiese am Ufer der Loisach. Wer sich nicht noch im Zelt verkrochen hat, sitzt in Grüppchen auf dem Gras.

Die Küfa (kurz für „Küche für alle“) bietet Falafel und Gemüse an, später wird es noch Vorträge von Ak­ti­vis­t:in­nen aus dem globalen Süden geben. Wie viele bisher da seien? „Das weiß die Polizei besser als wir“, sagt ein Aktivist, der in einem Zelt am Eingang des Protestcamps Neuankömmlinge begrüßt. „Die stehen doch da vorn und zählen genau mit.“

Gesagt, getan: „120 bis 130 ist unser letzter Stand“, sagt eine Polizistin. Angemeldet sei das Camp für 750. Ein größerer Ansturm wird erst nach der Demo in München erwartet – klar, viele wollen dort mitlaufen, bevor sie sich in den Alpenort aufmachen.

Die vielleicht ein Dutzend Polizist:innen, die auf dem Kiesweg zur Wiese stehen, haben nicht viel zu tun. Manche der Einsatzkräfte laufen auf und ab, manche plaudern. Ein großer Polizeiwagen steht und rattert, als müsste er jede Sekunde Leute abtransportieren. Aber die sitzen ja nur falafelkauend auf der Wiese. „Besser zu viel als zu wenig“, sagt die Polizistin schulterzuckend.

Auch das nicht-uniformierte Garmisch-Partenkirchen verhält sich längst vorsorglich so, als wären die Massen schon unterwegs. Linienbusse aus den umliegenden Dörfern spucken ihre Fahrgäste am Stadtrand aus, fahren das Zentrum gar nicht mehr an. Er habe sein Auto für die Zeit des G7-Gipfels in der Werkstatt angemeldet, erzählt ein Taxifahrer. „Der ganze Aufwand für die sieben Leute!“, meint er kopfschüttelnd.

Die Demo kommt dem Ende näher

Die Spitze des Zuges hat gegen 14.30 Uhr das Sendlinger Tor erreicht. Von hier aus geht es zurück zur Wiesn. „Leute, lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein.“ Eine leicht wankende Zuschauerin steht mit einer Bierdose in der Hand auf dem Gehsteig und Beschwerden sich: „Die sollen mal etwas deutlicher reden.“

6000 Teil­neh­me­r*in­nen auf der Demo

Viviane Raddatz, Leiterin des Klima- und Energiebereichs beim WWF, ist ebenfalls bei der Demo. Die Stimmung sei gut, alles friedlich, sie ist zufrieden. Ca. 6000 Teil­neh­me­r*in­nen zählen die Veranstalter. Für Raddatz eine gute Zahl – auch wenn „mehr immer schöner ist“.

Die Polizei spricht jetzt von 4000 Teilnehmer*innen. Wenn man sich das Polizeiaufgebot anschaut, wurde auf jeden Fall mit mehr gerechnet.

Erstes Banner an Hauswand

Lindwurmstraße. Eine Frau radelt an dem Zug vorbei und sagt zu ihrem Kind im Kindersitz: „Die demonstrieren alle gegen was Gutes.“

Banner an Hauswand: G7 Ausbeutung Kima-Zerstörung, Imperialismus

Das erste Banner hängt

Ak­ti­vis­t*in­nen entrollen ein Banner an einer Hauswand. „G7 Ausbeutung Klimazerstörung Imperialismus“, steht darauf. Zwei Polizisten kommentieren, das sei alles „komplett straffrei“. Könne man nichts machen. Bisher läuft alles friedlich.

„Keine Baerbock, Putin oder Biden.“

Die Demonstration hat sich in Gang gesetzt. „Was macht den G7 Dampf? Klassenkampf!“, tönt es aus dem antikapitalistischen Block. Beamte des „Anti-Konflikt-Teams“ beobachten lächelnd, wie der antikapitalistische Block an ihnen vorüberzieht. Bis jetzt haben sie noch nichts zu tun. Aus den Lautsprechern Gesang: „Keine Baerbock, Putin oder Biden.“

Nach den lautstarken Antikapitalisten folgt der deutlich gemütlichere Teil der Demo. Leute allen Alters sind dabei, auch Kinder. Mehrere haben ihre Hunde mitgebracht. Überall sind Fahnen und Schilder der diversen Verbände zu sehen. Die Forderungen lauten jetzt „Fossile im Boden lassen“ und ähnliches.

Am Ende des Zuges dann ein „schwarzer Block“ von neun Po­li­zis­t*in­nen in Kampfmontur. Ob sich der von der Polizei erwartete echte Schwarze Block bei so wenigen Teil­neh­me­r*in­nen aus der Deckung traut – fraglich.

Die Demo in den sozialen Medien

Auf Twitter hat es die G7-Demo bisher nur mit der „Theresienwiese“ in die Trends geschafft. Der offizielle Twitter-Kanal @g7_demo diente offenbar nur der Mobilisierung. Heute hat sich dort noch nichts getan. Wer sich per Twitter über die Demo informieren will, folgt am besten den Hashtags #StopG7 und #GerechtGehtAnders – oder natürlich @tazgezwitscher

Polizei spricht von 3500 Teilnehmern bei G7-Demo in München

Zu der zentralen Demonstration zum G7-Gipfel in München sind am Samstag zunächst nach Polizeischätzung nur etwa 3500 Teil­neh­me­r*in­nen gekommen. Das sagte der Münchner Polizeisprecher Andreas Franken etwa eine Stunde nach Beginn der Veranstaltung auf der Theresienwiese. Ursprünglich war mit mindestens 20.000 Menschen gerechnet worden.

Eine Sprecherin der Veranstalter sagte, dass erst nach Beginn des späteren Demonstrationszuges eine Schätzung möglich sei. Die Kundgebung auf der Theresienwiese diene zunächst dazu, die Teilnehmer zu sammeln. Oft schließen sich bei solchen mehrstündigen Demos dann noch viele Teil­neh­me­r*in­nen erst im Laufe der Veranstaltung an.

Allerdings zeigten sich einigen Ak­ti­vis­t*in­nen bereits auf der Theresienwiese verwundert und überrascht über den geringen Zulauf. „Wir sind enttäuscht“, sagte die 46-jährige Andrea von Greenpeace aus Hannover. Es wirke so, als ob nur Organisationen vor Ort seien, aber niemand aus der Bevölkerung. „So schlecht ist das Wetter ja auch nicht“, sagte sie. (dpa)

Demonstrant:innen hinter einem Transparent mit der roten Aufschrift "G7 = Krise, Krieg, Kapitalismus"

„G7 = Krise, Krieg, Kapitalismus“ Foto: Wolfgang Rattay/rtr

„Whatever they say in Elmau, it’s all bullshit“

„Whatever they say in Elmau, it’s all bullshit“, ruft Esteban Servat, Aktivisit bei Debt for Climate, auf der Bühne. Hinten macht sich ein geschlossener Block mit Sprechchören selbständig: „Hoch die internationale Solidarität.“

Gegen 13.30 geht die Auftaktkundgebung unspektakulär zu Ende. Jetzt soll sich gleich der Zug in Bewegung setzen. Es gibt einen „Kulturblock“, einen „ antikapitalistischen Block“ und so weiter… „Reiht euch ein!“

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Die De­mons­tran­t*in­nen fordern: Ausstieg aus Gas, Kohle und Öl jetzt

Der Demogott hat ein Einsehen: Immer wieder schieben sich Wolken vor die sengenden Sonne. Bestes Demonstrationswetter. „Frieden in Europa gibt es nicht ohne oder gegen, sondern nur mit Russland“, steht auf einem Schild. Viele rote Flaggen mit der Aufschrift „Partizan“ verteilen sich über den Platz. „Niemand muss Bulle sein“, steht auf einem T-Shirt. Die Demonstranten verteilen sich weitläufig über den hinteren Teil der Theresienwiese. Von 20.000 Teilnehmern kann noch keine Rede sein.

Greenpeace-Vertreterin Lisa spottet über den „Klimakanzler Scholz“, der jetzt auf „Gas-Shopping-Tour“ gehe. „Wir haben die Schnauze voll.“ Die G7 müssten jetzt aus Gas, Kohle und Öl aussteigen.

12,1 Mrd. Euro für Gas, Öl und Kohle aus Russland

Kurzer Reminder: Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine hat Deutschland 12,1 Mrd. Euro für Gas, Öl und Kohle aus Russland bezahlt. Und: In Deutschland gilt seit Donnerstag Stufe 2 des Notfallplans Gas. Das schafft die formale Voraussetzung für folgende Maßnahme: Die Stromproduktion in Gaskraftwerken verringern, um Gas zu sparen, und dafür Kohlekraftwerke länger am Netz lassen als bisher geplant. Mehr Infos dazu, hier.

Bei der Weltklimakonferenz 2021 hatten sich noch 19 Staaten darauf geeinigt, Investitionen in fossile Projekte im Ausland bis Ende 2022 zu beenden. Projekte, die Kohle, Öl oder Gas nutzen, sollen kein Geld mehr bekommen. Bundeskanzler Scholz hat unterdessen vor Kurzem Senegal Unterstützung bei der Erschließung der Gasvorkommen des Landes angeboten. Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, kommentiert: „Neue fossile Infrastruktur in anderen meist ärmeren Ländern zu fördern, um kurzfristige Bedarfe in der EU zu decken, legt die Grundlage für neue große Krisen“.

Schuldenerlass für verarmte Länder

Auch am Start: Debt for Climate – eine Graswurzel-Initiative, angeführt von Menschen aus dem globalen Süden. Ihr Ziel: Ein Schuldenerlass für verarmte Länder, sodass diese nicht weiter aus finanzieller Not, fossile Energieträger abbauen und verkaufen müssen.

Die Idee des Schuldenerlasses ist zwar nicht neu, die Gruppe will den G7-Gipfel aber zum Startpunkt einer großen Kampagne für das Thema machen. Es müsse in der Klimabewegung fest verankert und immer wieder auf den Tisch gebracht werden, bis es Mainstream geworden ist, fordert zum Beispiel Esteban Servat, Aktivisit bei Debt for Climate, der gleich auf der Kundgebung sprechen wird.

Der Aktivist und Gründer von EcoLeaks, Esteban Servat, kommt aus Argentinien, lebt aber seit drei Jahren in Deutschland. Er sagt: “Der Globale Norden treibt die Förderung fossiler Brennstoffe im Globalen Süden weiter voran. Wenn er den Ländern des Globalen Südens stattdessen ihre Schulden erlassen würde, könnten die freiwerdenden Ressourcen dazu beitragen, dass fossile Brennstoffe im Boden bleiben.“

Warum Entwicklungsländer ohne Schuldenerlass keine Chance haben in Klimaschutz zu investieren, haben wir mit Prof. Ulrich Volz von der University of London besprochen. Hier gehts zum Interview.

Geschäfte und Gaststätten schließen in Garmisch-Partenkirchen

Wegen des G7-Gipfels auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen schließen zahlreiche Geschäfte und Gaststätten in dem Touristenort an der Zugspitze. Einige Lokale hatten schon am Samstag, einen Tag vor Gipfelbeginn, geschlossen und ihre Außenbereiche abgesperrt. In vielen Geschäften und auch in einer Bankfiliale hingen Zettel mit Hinweisen auf Schließungen für die Zeit des Gipfeltreffens, das von Sonntag bis Dienstag dauern soll.

Anders als beim letzten G7-Treffen auf Elmau vor sieben Jahren fehlten große Absperrungen oder Barrikaden zunächst. 2015 hatten viele Einwohner vor allem Sorge um die farbenfrohen sogenannten Lüftlmalereien an den Fassaden ihrer Häuser. „Wir verlassen uns dieses Mal auf die Polizei“, sagte der Besitzer eines Souvenirladens. Ein Auktionshaus, das sich auf Oldtimer spezialisiert hat, fuhr allerdings schwerere Geschütze auf. Davor wurden Schiffscontainer positioniert, um die alten Autos zu schützen. (dpa)

Worum es geht

Die Kundgebung hat vier Schwerpunkte: den Ausstieg aus fossilen Energien, Erhalt von Tier- und Pflanzenvielfalt, die soziale Gerechtigkeit auf dem Planeten und die Bekämpfung des Hungers. Darauf konnte man sich unter den 15 Verbänden, die zur Demo aufgerufen hatten, einigen. Ansonsten ist das Bündnis sehr breit aufgestellt, reicht von Greenpeace über Attac bis zu Brot für die Welt – Organisationen, die sehr unterschiedliche Sichtweisen mitbringen.

So findet Christoph Bautz, Vorstand von Campact, den G7-Gipfel eigentlich eine feine Sache. Wenn nur die Ergebnisse stimmten! Es sei wichtig, dass Länder zusammenkämen, die „ganz klar zu Demokratie und Rechtsstaat stehen“. Demokratie? Rechtsstaat? Für Uwe Hiksch vom Bundesvorstand der Naturfreunde, der die Kundgebung angemeldet hat, ist Elmau nichts anderes als eine Zusammenkunft „imperialer Staaten“.

Es geht los

Die Theresienwiese füllt sich langsam. Auf der einen Hälfte werden bereits die Zeltgerippe für das Oktoberfest 2022 aufgebaut, auf der anderen Hälfte kommen langsam die G7-Demo-Teilnehmer*innen zusammen. „Imperialismus beginnt hier“, steht auf einem riesigen Transparent. „Greifen wir ihn an.“ Kommunistische Zeitungen werden verkauft.

Demo, blauer Himmel, einzelne Wolken, riesiger Luftballong mit der Aufschrift "Klima retten"

Die Demo an der Theresienwiese ist gestartet Foto: Lena Wrba

Gegen 12.30 Uhr ist dann auch die Auftaktkundgebung mit Reden von der Greenpeace Jugend gestartet. Fiona und Kylian fordern, endlich die Weichen für erneuerbare Energien zu stellen und nicht weiter Fossile einzukaufen. Außerdem könne Gas nicht einfach durch Kohle ersetzt werden.

Gegen 13 Uhr wollen sich die De­mons­tran­t*in­nen dann auf einen 4,5-Kilometer-Marsch durch die Stadt machen, der wieder hier endet. Mit rund 20.000 Teilnehmern wurde gerechnet. 2015, beim ersten G7-Gipfel auf Schloss Elmau waren es 35.000. Schau'n mer mal!

Auch von der Polizei sind ganz viele da: 3.000 Be­am­t*in­nen sollen den Zug sichern. Das sind immerhin ein Sechstel der insgesamt für den Gipfel im Einsatz befindlichen Ordnungskräfte. Man rechne auch mit einem schwarzen Block, hatte Einsatzleiter Michael Dibowski im Vorfeld gesagt. In der Nacht auf Mittwoch waren vor einem Hotel in der Au acht Polizeiautos ausgebrannt. Die Polizei vermutet dahinter einen linksextremistischen Anschlag.

Polizei testet Lautsprecher vor G7-Demo mit Defiliermarsch und Rock
große Wiese, Bühne, davor wenige Menschen - Luftbild

Die Wiese füllte sich am Anfang langsam Foto: Daniel Karmann/dpa

Normalerweise wird der bayerische Defiliermarsch zum Einzug des Ministerpräsidenten auf Veranstaltungen und Volksfesten gespielt, am Samstag wurde er auch auf der Münchner Theresienwiese gespielt. Gut eine Stunde vor Beginn der Großdemonstration testete die Polizei eine neue Lautsprecheranlage mit einem bunten Mix aus Musik – vom Defiliermarsch über volkstümliche Schlager bis zu deutschem Rock.

Ob die Gipfelgegner viel von der musikalischen Untermalung mitbekamen, ist allerdings zweifelhaft: Sie versammelten sich einige hundert Meter entfernt auf der anderen Seite des Geländes, auf dem im Herbst das Münchner Oktoberfest stattfindet. (dpa)

Scholz: Berge versetzen werden wir in Elmau nicht

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat vor Beginn des G7-Gipfels auf Schloss Elmau in Bayern die Erwartungen an das Treffen gedämpft. Elmau liege zwar in den Bergen, „Berge versetzen werden wir dort sicher nicht“, sagte Scholz am Samstag in seinem wöchentlichen Internet-Format „Kanzler kompakt“. Aber die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten könnten „wichtige Entscheidungen treffen und Dinge vorbereiten, die für uns alle nützlich sind“.

Scholz empfängt am Sonntagmittag die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten zu dem dreitägigen Gipfel auf Schloss Elmau. Die Gruppe großer Industrieländer berät im Laufe des Tages zunächst über die weltwirtschaftliche Lage, internationale Partnerschaften bei Infrastruktur und Investitionen sowie die Wirksamkeit der gegen Russland verhängten Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs.

Zur G7-Gruppe gehören neben Deutschland und den USA auch Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada. Der Ukraine-Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen mit rasant steigenden Energiepreisen sind ein zentrales Thema des Treffens. Weitere Schwerpunkte sind die Klimapolitik und die globale Ernährungssicherheit. (afp)

🐾 20.000 De­mons­tran­t:in­nen erwartet

Am Sonntag treffen sich die Staats- oder Regierungschefs der „Gruppe der Sieben“ im Luxushotel Schloss Elmau, 100 Kilometer südlich von München – am selben Ort wie schon vor sieben Jahren, als Deutschland das letzte Mal G7-Gastgeber war.

Die Gip­fel­geg­ne­r:in­nen haben sich da schon gewappnet und ein Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen aufgebaut. Am Samstag haben sie zur Groß-Demonstration nach München eingeladen. Um 12 Uhr soll es losgehen, angekündigt ist der Protest bis 15 Uhr.

„Klimakrise, Artensterben, Ungleichheit: Die G7-Staaten tragen Verantwortung dafür, dass sich die weltweiten sozialen und ökologischen Krisen immer dramatischer zuspitzen. Schluss damit. Gerecht geht anders.“ So lautet der Aufruf zur Demo. Auf Twitter lauten die Hashtags zur Demo #GerechtGehtAnders und #StopG7Elmau.

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Mehr als 20.000 Menschen werden erwartet. Mit dabei sind auch große Organisationen wie Attac, WWF und Greenpeace. Und natürlich die taz.

🐾 Gebremste Gipfelstürmerei
Aktivisten der Organisation Oxfam tragen Masken der G7-Spitzenpolitiker (v.l.) Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, Fumio Kishida, Premierminister von Japan, Joe Biden, Präsident der USA, Mario Draghi, Ministerpräsident von Italien, Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und stehen in Wanderkleidung vor einem Wegweiser, der in der einen Richtung „Leben retten“ anzeigt, in entgegengesetzter Richtung „Profite ohne Ende“ anzeigt.

Aktivisten der Organisation Oxfam beim G7-Protest in München Foto: Michael Kappeler/dpa

Der G7-Gipfel müsste gar nicht im abgeschiedenen Elmau stattfinden. Denn die globalisierungskritische Protestbewegung ist erlahmt. Was sind die Gründe? taz-Redakteur Christian Jakob schaut zurück auf die G7-Protestgeschichte.

🐾 Worum es in Elmau geht: Der Wunsch nach Harmonie

In Zeiten von Krieg und Klimakrise will G7-Gastgeber Deutschland für einen Schulterschluss der führenden Demokratien sorgen.

Endlich mal in Ruhe unter 14 Augen reden: Der Olaf mit dem Joe, der Emmanuel mit dem Mario und dem Boris, der Fumio mit dem Justin. Die jährlichen Treffen der Staatschefs der sieben wirtschaftlich stärksten Demokratien sowie der EU dienen in erster Linie dem informellen Austausch.

Gemeinsame Beschlüsse sind eh nicht bindend, da die G7 keine internationale Organisation ist. Und doch kommt dem G7-Treffen in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu. Welche, das hat taz-Parlamentskorrespondentin Anna Lehmann aufgeschrieben.

🐾 Wo die G7 gipfeln: Bei Müllers auf'm Schloss

Das Schloss Elmau ist wie gemacht für einen Gipfel, obwohl es im Tal liegt. So zumindest sieht das Schlossherr Dietmar Müller-Elmau, der den Gipfel etwas „ganz Tolles“ findet und sagt: „Ich habe dieses Hotel so gebaut, dass es perfekt ist für einen G7-Gipfel.“ Eine Behauptung, die in den Augen der Bundesregierung nicht ganz abwegig zu sein scheint, schließlich hat man sich nach 2015 in diesem Jahr schon zum zweiten Mal für das Schloss als Austragungsort der weltpolitischen Kaminrunde entschieden.

Ab Sonntag werden sich hier Joe Biden, Olaf Scholz und Co. treffen – im tiefsten Süden der Republik, nach München sind es etwas mehr als hundert, nach Flensburg etwas mehr als tausend Kilometer. Mehr über das Schloss Elmau erzählt taz-Korrespondent Dominik Baur.

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