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UN-Klimakonferenz in Antalya Kein Zukunftskanzler

Nick Reimer

Kommentar von

Nick Reimer

Friedrich Merz fährt nicht zur UN-Klimakonferenz. Mit solch gestriger Klimapolitik wird die CDU weiter an Bedeutung verlieren.

F riedrich Merz fährt nicht zur diesjährigen Weltklimakonferenz. Darauf hat sich der Bundeskanzler bereits vor Beginn der COP 31 im türkischen Antalya festgelegt. Und das ist auch konsequent: Merz schert sich keinen Deut um das drängendste Menschheitsproblem. Der Kanzler ist ein Politiker aus dem 20. Jahrhundert, der immer noch Politik wie im vergangenen Jahrhundert betreibt. Statt eine treibhausarme Zukunft einzuläuten, verlängert er und sein Kabinett die fossile Wirtschaftsweise, die uns die Klimaerhitzung erst eingebrockt hat.

Vor Jahresfrist hatte Kanzler Merz auf der Klimakonferenz COP 30 im brasilianischen Belém noch einen „bedeutenden Beitrag“ versprochen, den die Bundesrepublik bei der Schuldenbegleichung der Industriestaaten an die Länder des Globalen Südens zahlen wird. Tatsächlich hat die Regierung Merz dann aber die Klimagelder zusammengestrichen. Es ist also sogar klug, dass Merz nicht nach Antalya reist: Ihm bleibt so die Peinlichkeit auf der Weltbühne erspart.

Der eigentliche Skandal an der Absage von Friedrich Merz an den UN-Klimagipfel aber ist, dass er glaubt, damit durchzukommen. Tatsächlich nämlich hat der Hitzesommer mit 16.000 Todesopfern nicht dazu geführt, dass ein Sturm der Entrüstung das Wahlvolk auf die Straße treibt. Während jedes feige Attentat mit Toten oder Verletzten wochenlang analysiert und ausgewertet wird, verursachen die Hitzetoten bei der Mehrheit nur ein müdes Schulterzucken. Dabei müssen wir nicht in den Himalaja gucken, wo abreißende Gletscher ganze Täler auslöschen. Dieser Hitzesommer, die Niedrigstpegel, die sterbenden Wälder zeigen doch: Da gerät jetzt etwas aus dem Takt.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Und während sich der Klimawandel verselbstständigt, diskutieren wir noch über ein Verbrenner-Aus. Schluss damit! Wir kennen die Lösung längst und praktizieren sie in Teilen auch schon. Wenn die Union weiter nur mit gestrigen Konzepten Zukunft gestalten will, wird sie noch mehr Bedeutung in diesem Land einbüßen. Ein Kanzler, der nicht zur Weltklimakonferenz reist, kann kein Zukunftskanzler sein.

Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
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7 Kommentare

  • maestroblanco

    Ich halte eine Präsenz von Merz dort völlig unnötig. Deutschland ist vertreten, das reicht völlig. Die Gletscher werden deshalb nicht langsamer schmelzen. Abkommen und Pläne für die Zukunft, sofern sie noch nicht erarbeitet sind, können und werden auch ohne den Gipfel stattfinden. Generell kann man solche Mega-Konferenzen im Hinblick auf Nachhaltigkeit hinterfragen. Und letztendlich darf man auch hinterfragen, wie weit Beschlüsse solcher Konferenzen am Ende dann auch tatsächlich umgesetzt, und nicht von aktuellen wirtschaftlichen Krisen ignoriert oder teilweise ausgestzt werden.

  • Janix

    Merz kann so langsam mal seinen Abschied planen. Die Union kann so langsam mal überlegen, ob sie den Generationenwechsel hinbekommt und was sie dafür derzeit überhaupt an Personal hat.



    Das u.a. die Erderhitzung begriffen hat.

    Merz sollte bis dahin aber wenigstens seinen Umweltminister machen lassen und nicht Abermilliarden für Fossil, Flug und Auto versenken. Es wäre, nebenbei, auch eine wichtige Prestigesache für die Bundesrepublik.

  • behr Behr

    Viele würden Merz am liebsten in die „Wüste“ schicken, jetzt halten sie Merz auf der UN-Klimakonferenz für unverzichtbar. Die Bundesregierung ist vertreten, die Anwesenheit von Merz auf der letzten Klima-Konferenz hat ausser Irritationen über der Ort auch nichts geht für das Klima u. In die Türkei würde ich auch nicht fahren.

  • hornyunicorn

    Ein Zyniker würde sagen: Merz' Absage an den Klimagipfel ist das Beste, was er für's Klima tun kann. Immerhin spart das die Emissionen für seinen Flug in die Türkei und zurück, während seine Anwesenheit vor Ort im besseren Fall irrelevant ist, im schlechteren Fall die Verhandlungen bremst.

  • mdarge

    Angesichts seiner bisherigen Politik bin ich ganz froh, wenn Merz diesen Termin auslässt. Nicht nur der Klimawandel hat sich verselbstständigt, auch die Klimadebatte ist international. Wenn Carsten Schneider einen guten Job macht, ist dem Klima vermutlich besser gedient. Die Frage ist nur, was er dort mitbringen darf und mit welcher Verhandlungsmacht. solange Deutschland nicht als Bremser auftritt, wäre schon viel gewonnen. National richtet das Programm von Ministerin Reiche schon genug Schaden an.

  • Sonnenhaus

    Weder Zukunftskanzler noch Klimakanzler. Die Union verabschiedet sich von der Politbühne. Selbst die Junge Union denkt nur in Kategorien des letzten Jahrhunderts.



    Nur ungut, dass wir die Macher dieser Politik nicht belangen können.

    Um unsere Zukunft in jeder Hinsicht zu retten hilft leider nur das Kreuz an der richtigen Stelle zu setzen - weder Schwarz noch Blau, noch Rot oder Gelb. Und natürlich massenhaft zu demonstrieren, ohne Gewalteinmischung von Rechts, Link, der Mitte oder der staatlichen Gewalt.

  • Gerald Müller

    Merz war und ist kein Zukunftskanzler, er hat ja nicht mal den morgigen Tag im Blick. Die Umfragen sagen das alles deutlichst. Immerhin scheint er jetzt begriffen zu haben das er nicht jeden Tag rigendjemand anders in der Welt hunderte von Millionen oder mehrere Milliarden versprechen kann während in Deutschland das Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Pflegeversicherung, Schulen, Universitäten (Gen Z, die haben netürlich recht aber woher soll das Geld für deren Forderungen denn kommen bitte sehr??) usw. Die 300 Mio für die UA vorgestern sind da nur ein Beispiel. Was Merz allerdings für sein Land tut während er nicht zur COP fährt (oder genauer, klimaschädlich fliegt) ist auch mir ein Rätsel.