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Reaktionen auf Rot-Grün-Rot in BerlinAls ob das Rote Rathaus brennt

Die Union überschlägt sich vor Empörung über das drohende Linksbündnis und malt Schreckensszenarien an die Wand. Das ist auch ein Ablenkungsmanöver.

Die Union kann es nicht fassen: Grüne und SPD in Berlin haben nicht auf die Warnungen ihres Parteichefs Friedrich Merz gehört! Statt die Gespräche mit den linken Wahl­ge­win­ne­r:in­nen abzubrechen, wie es der Bundeskanzler gefordert hatte, haben sie sich nun auf Koalitionsverhandlungen mit ihr geeinigt. Skandal!

Nun sind bei der Union alle Dämme gebrochen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert eine „Brandmauer nach links“ und die Junge Union eine „Ächtung der Koalition“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß nennt das drohende Linksbündnis den „absoluten Dammbruch“, und Berlins CDU-Landeschef und Wahlverlierer Stefan Evers bezeichnet das Sondierungspapier als „Kapitulationserklärung von SPD und Grünen“.

Nordrhein-Westfalens CDU-Minister für Europa- und Bundesangelegenheiten, Nathanael Liminski, empfiehlt der Linken sogar „politische Säuberungen“ in ihren eigenen Reihen nach stalinistischer Art, um „Judenhasser und Clan-Freunde“ auszuschließen. Sogar Baden-Württembergs Grünen-Ministerpräsident Cem Özdemir findet, die Berliner Linke habe sich „radikalisiert“ und sei ein „Sonderfall“, weswegen seine Partei nicht mit ihr zusammenarbeiten solle.

Berlin ist nicht Paris

Je weiter man sich von Berlin entfernt, desto furchterregender ist das Bild, das von den Zuständen gezeichnet wird. Fast könnte man meinen, nicht in Frankreich, sondern in Berlin sei es am Wochenende zu schweren Ausschreitungen gekommen, bei denen Rathäuser in Brand gesetzt und ganze Straßenzüge verwüstet worden seien. Dabei haben die drei Parteien dort nur verabredet, etwas gegen steigende Mieten und Lebenshaltungskosten zu tun – also gegen das, wogegen nicht nur im Nachbarland gerade viele Menschen aus Protest auf die Straßen gehen.

Doch für die Union ist die mögliche Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen der weitaus schlimmere „Sündenfall“ (Markus Söder). Er empfehle diesen Unternehmen, künftig woanders zu bauen als in Berlin: „Sollen sie doch in Zelten wohnen!“, ätzt der bayrische Populist.

Berlins CDU-Chef Evers behauptet, das geplante Linksbündnis wolle außerdem das Wahlrecht verschenken. Denn Linke, Grüne und SPD wollen sich dafür einsetzen, dass Menschen, die seit mindestens fünf Jahren in Deutschland leben, auch ohne deutschen Pass zumindest auf kommunaler Ebene mitentscheiden dürfen. Evers sieht darin einen „Turbo für illegale Migration“ und unterstellt der Linken, sie wolle sich auf diesem Wege in Zukunft ihre Macht sichern – ein kleiner Wink in Richtung rechtsextremer Verschwörungstheorien vom „Großen Austausch“ des Wahlvolks.

Dass in Sachsen-Anhalt demnächst die AfD den Ministerpräsidenten stellen könnte, geht bei all der Empörung etwas unter. Aber daran ist die Union ja auch nicht ganz unbeteiligt. Und davon möchte sie gerne ablenken.

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20 Kommentare

  • whereischesgmt

    Das Migranten nach 5 Jahren wählen dürfen kann man schlecht oder gut finden, aber natürlich geht es hier vor allem um Wählerstimmen, genau wie beim herabsetzten Wahlalter. Ich persönlich würde das - genauso bei einer Einbürgerung auch - einfach abhängig von den gezahlten Einkommensteuer machen. Wer ausreichend Steuern zahlt als nichtdeutscher Staatsbürger darf sofort wählen. Warum nicht? Das wäre fair...

    • Selbstauslöser

      @whereischesgmt:

      Also käufliches Wahlrecht, sozusagen.

      • Perkele

        @Selbstauslöser:

        Das ist pure Polemik, no less.

  • Berliner99

    Damit werden die Mieten also noch weiter steigen... Und dafür geht noch Steuergeld drauf... Denn aktuell schüttet Vonovia an Dividenden in etwa das aus, was zum Begleichen der Schulden für die Vergesellschaftung in 50 (!!!) Jahren nötig ist. Woher soll also das Geld für Mietsenkungen kommen? Neue Wohnungen werden auch nicht mehr privat gebaut, das wird also auch noch viel mehr Geld brauchen. Sorry, aber bei der Linken kann offenbar niemand auch nur ansatzweise etwas mit Mathematik anfangen. Hauptsache vergesellschaften, der Rest wird dann hinterher überlegt. Und die Zeche zahlen die Bürger.

    • Marcel Sziwek

      @Berliner99:

      Grundsätzlich kann der Staat natürlich Kredite zu besseren Konditionen aufnehmen. Dazu kommt, dass eben keine Dividende ausgeschüttet werden muss. Neue Wohnungen werden sowieso kaum von den betroffenen Firmen gebaut. Also wer kann hier nicht ansatzweise Mathematik? Bisschen weniger köcheln wäre angebracht.

    • A.S.

      @Berliner99:

      Wenn vonovia kein Dividende zahlt, also vergesellschaften ist, kann die Miete kleiner sein.

      • Berliner99

        @A.S.:

        @A.S.:



        Sie haben offenbar nicht verstanden, was ich geschrieben habe. Das Geld, das aktuell als Dividende gezahlt wird, wird für die Rückzahlung des Kredites für die Vergesellschaftung benötigt, wenn man diese auf 50 Jahre streckt. Dazu kommen noch die Zinsen, so dass am Ende die Mieten sogar steigen könnten. Und bei kürzerer Kreditlaufzeit werden die Mieten noch einmal deutlich höher.

      • rero

        @A.S.:

        Nicht mal die Aktivisten vom Volksentscheid versprechen Mietsenkungen.

        Es wird keine geben.

        Es geht nur darum, dass die Mieten weniger schnell steigen.

        • Berliner99

          @rero:

          Und wie soll das funktionieren? Aktuell nach (!!!) den ganzen Mieterhöhungen wäre kein Spielraum für Mietsenkungen nach einer Vergesellschaftung. Den Konzernen wirft man aber vor, dass die Mieten überhöht sind. Finde den Fehler.

          • rero

            @Berliner99:

            Wie das funktionieren soll, müssen Sie schon die Vertreterdieser Position fragen.

            Ich finde es interessant, wie Verfechter der Vergesellschaftung an Mietsenkungen glauben, obwohl die nie versprochen wurden.

    • Perkele

      @Berliner99:

      Ja, ist klar, die uralte Leier der csdU - Sozis können nicht mit Geld umgehen. Das macht ihnen die csdU gerne vor, indem sie Gasförderung betreibt und damit enorme Kosten für Privathaushalte und Industrie fördert. Das Beispiel der Spritkostensenkung qua MWSt-Senkung ist ein anderes Beispiel für deren Rechenkünste: das kostet den Staat Milliarden und nützt - - - den Konzernen. Tolle Kiste das!! Und hier noch eins: Ein Steuerfahnder bringt seinen Lohn etwa dreifach wieder ein. Das aber wird nicht gestattet weil man sparen muss und dafür dann etwa 100 Milliarden Steuerhinterziehung duldet. Jaaaa! Die Union kann rechnen, gell?

      • Berliner99

        @Perkele:

        @Perkele:



        Die Spritkostensenkung ist aber kein berechenbarer mathematischer Fehler, wie es die Vergesellschaftung ist. Und das gilt für andere Beispiele auch, zum Beispiel die extrem teuer Frührente oder die Mütterrente, durch die extrem viel Geld in der Rentenkasse fehlt. Aber ja, ich halte die teure Steuersenkung bei Sprit auch für falsch.

        • Perkele

          @Berliner99:

          Es mag sein, dass einige Projekt nicht exact auf den Cent berechnet werden können, doch es ist etwas ganz anderes, wenn man sehr wohl weiß, dass es extrem teuer wird und nicht mal ungefähre Einschätzungen hinkriegt - oder nicht hinkriegen will. Es hilft alles nix: die csdU ist genauso viel oder wenig kompetent wie die sPD.

      • Ricky-13

        @Perkele:

        Heißt der Mathematiklehrer der CDU nicht Jens-"Masken"-Spahn?

  • Ricky-13

    taz: *Die Union überschlägt sich vor Empörung über das drohende Linksbündnis und malt Schreckensszenarien an die Wand.*

    Die Union sollte sich mal lieber um AfD-Sympathisanten in ihren Reihen kümmern, anstatt weiterhin Schreckensszenarien über eine Partei zu erfinden, die fest auf demokratischem Boden steht.

    • rero

      @Ricky-13:

      Tut die CDU doch. Sie geht zur Abstimmung raus.

      Welche Partei meinen Sie, die fest auf demokratischen Boden steht?

      Die Grünen? Die SPD?

      Mit ihrem Antisemitismus und ihren guten Beziehungen in die OK können Sie die Linke nicht meinen.

      Sonst hätte sie deutlicher reagiert und die Leute mehr ins Abseits gestellt.

      • Alex_der_Wunderer

        @rero:

        @ rero



        Morgen diskutieren wir dann einmal über die Thematik :



        " Worin sind die Unterschiede zwischen, rechtsextremistischen Antisemitismus, linken Antisemitismus und Antisemitismusi n der Mitte der Gesellschaft zu differenzieren "...



        Gell'

      • Ricky-13

        @rero:

        *[...] Sie geht zur Abstimmung raus.*

        Damit meinen Sie sicherlich die anstehende Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt, wo Sven Schulze (CDU) eine drastische Maßnahme beschlossen hat. Mitte Oktober kam es bei der geheimen Wahl des neuen Landtagspräsidenten Tobias Rausch (AfD) zu einem politischen Beben, da er mit 4 Stimmen mehr gewählt wurde als AfD und BSW haben. Da man annimmt das 4 von 15 CDU-Politikern (also rund 27% der eigenen Fraktionsmitglieder) im Verdacht stehen heimlich mit der AfD zu paktieren, kann Sven Schulze wohl nur noch zu solchen Mitteln greifen.

        Aber natürlich redet man in der CDU/CSU wieder nur über die "böse Linke". Und natürlich brachte Friedrich Merz sofort die Option einer "Politischen False-Flag-Operation" ins Spiel. 😃 Klar, denn "Christdemokraten" würden ja niemals die AfD pushen, das machen höchstens 'undemokratische Linke und Grüne'. 😂

        Gleichzeitig stellte der Kanzler aber unmissverständlich klar (er weiß wohl doch etwas mehr!): Sollte sich der Verdacht gegen CDU-Abgeordnete erhärten, gebe es für diese keinen Platz mehr in der CDU. Wenn man das jetzt auf alle CDU-Politiker in Deutschland hochrechnet, dann fehlen Merz ja bald 27% CDU-Politiker.

  • Perkele

    Die Union stellt einen Ministerpräsidenten, der den Faschisten in allen Parlamenten auch den Vorsitz von Arbeitsgruppen geben will. In der Union wachsen die Ansichten, man müsse mit der AgD -die demokratiefeindlich ist- zusammenarbeiten, auf allen Ebenen. Das wird bald geschehen, ohne jeden Zweifel. Und diese Partei verlangt eine Brandmauer gegen eine demokratische Partei? Was für eine ungeheure Heuchelei! Oder ist es schon vorauseilender Gehorsam??

    • Selbstauslöser

      @Perkele:

      Ich teile Ihre Empörung, würde allerdings - besonders nach dem Lesen ihrer Worte - nicht von Heuchelei sprechen, sondern im Gegenteil. Endlich ehrlich, die Zivilisationsfassade fällt.



      „Der Herr der Fliegen“ fällt mir dazu ein.