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Israels Vorgehen im Westjordanland Die Spirale der Gewalt dreht und dreht sich

Susanne Knaul

Kommentar von

Susanne Knaul

Mit der Großoffensive im besetzten Westjordanland will Regierungschef Netanjahu noch punkten. Am Dienstag wird gewählt, und der Ausgang ist offen.

N och einmal Stärke zeigen auf den letzten Metern vor den Parlamentswahlen in Israel will Mr Security alias Benjamin Netanjahu, der auf Plakaten seiner Likud-Partei als „der Mann, der für uns kämpft“, propagiert wird. Um das erneut mit einer militärischen Großoffensive zu demonstrieren, kam – so zynisch es klingt – der Tod zweier israelischer Soldaten nahe Hebron im Westjordanland genau zur rechten Zeit. Denn das Attentat auf die beiden Männer rechtfertigt aus israelischer Sicht die Vertreibung von über 2.000 PalästinenserInnen, die – wie schon so oft – kollektiv bestraft werden.

An diesem Dienstag wird ein neues Parlament gewählt. Es könnte knapp werden für den amtierenden Regierungschef, der sein Land zu allem anderen als mehr Sicherheit führte. Sein Versprechen, die Hamas im Gazastreifen ein für alle Mal auszumerzen, konnte er ebenso wenig wahrmachen wie den angestrebten Sturz der iranischen Führung. Die libanesisch-schiitische Terrororganisation Hisbollah ist zwar stark geschwächt, aber trotzdem noch immer eine Bedrohung, vor allem für die Bevölkerung im Norden Israels.

An keiner der vielen Fronten, an denen das kleine Land im Nahen Osten derzeit kämpft, hat das massive Vorgehen des Militärs auch nur annähernd zu einer Lösung geführt, im Gegenteil. Ohne diplomatische Perspektive wird sich die Spirale der Gewalt immer weiter drehen. Man stelle sich nur vor, was momentan in den Köpfen der gewaltsam aus ihren Häusern vertriebenen PalästinenserInnen vor sich geht.

Nahost-Debatten

Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert. Auch in der taz existieren dazu teils grundverschiedene Positionen. In diesem Schwerpunkt finden Sie alle Kommentare und Debattenbeiträge zum Thema „Nahost“.

Von Diplomatie ist im Wahlkampf indes kaum die Rede. Mit der Hoffnung auf eine friedliche Koexistenz und zwei Staaten für zwei Völker ist in Israel keine Wahl zu gewinnen – nach dem Massaker vom 7. Oktober weniger denn je. Stattdessen ist Sicherheit das zentrale Thema. Nicht länger nur nach dem Motto „Wir können es besser“, sondern nun nach der Parole „Ihr seid schuld an der Gewalt“, zieht Verteidigungsminister Israel Katz (Likud) kurzerhand die Opposition für kommende Attentate präventiv zur Verantwortung. Katz nennt namentlich drei Parteichefs vom sogenannten Block des Wandels, die sich gegen Netanjahu und seine rechtsextremen Minister verbündet haben.

Der Vorwurf ist absurd. Denn es ist ja grade die offen rassistische Regierung, die die Gewalt mitverschuldet, indem sie die israelische Besiedlung im besetzten Land vorantreibt, die palästinensische Bevölkerung vertreibt und die gewaltsamen SiedlerInnen weder stoppt noch ahndet. Die Palästinenser werden die Wahl mit Bangen verfolgen. Ebenso wie diejenigen Israelis, für die Menschenrechte noch eine Bedeutung haben.

Susanne Knaul

Susanne Knaul Redakteurin Meinung

1961 in Berlin geboren und seit 2020 Redakteurin der Meinungsredaktion. Von 1999 bis 2019 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina.
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10 Kommentare

  • Janix

    Kriegstreiber, einfach nur Kriegstreiber. Ich wünsche Netanyahu und seinen Kumpanen eine gemeinsame Zelle in Den Haag mit den Kriegstreibern der Hamas (und die Letztgenannten sind zumindest in puncto Kriegstreiben sogar nur die kleinen Brüder von Bibi).



    Nur um die Wahl nicht zu verlieren und damit in den Knast zu kommen, was für ein Verfall.

  • Moritz Pierwoss

    Keine der Parteien mit Chancen auf einen Wahlerfolg, setzen sich für Frieden ein.

  • Bürger L.

    Ich fürchte, außer ein paar nichtssagenden Floskeln und einer schwachen Aufforderung zur Mäßigung wird auch in Zukunft nichts von der Bundesdeutschen Regierung zu hören sein.



    Die durch nichts wiedergutzumachende Schuld, die Deutschland mit dem Holocaust auf sich geladen hat, wird auch weiter dafür herhalten müssen, dass sich die deutsche Politik vor einer klaren Verurteilung der rechten Israelischen Regierung drückt.

    Das x-te Sanktionspaket gegen Russland (zurecht) auf den Weg zu bringen ist einfach - ohne auch gleichzeitig gezielte Sanktionen gegen einzelne rassistische Aggressoren in Israel zu fordern, bleibt das unglaubwürdig.



    Es ist ein Irrtum zu glauben, Deutschland könne sich durch den pauschalen Verweis auf "Staatsräson" von Schuld entlasten. - im Gegenteil.

    Durch das Wegsehen bei völker- und in Teilen menschenrechtswidrigem Verhalten der Israelischen Regierung, lädt Deutschland erneut Schuld auf sich und stärkt damit (sicher ungewollt) radikale arabisch/palästinensische Kräfte hier bei uns im eigenen Land.

  • vieldenker

    Ist echt schräg. Da möchten die Juden nachvollziehbar einfach nur sicher sein und die meisten Palästinenser einfach nur eine Zukunft. Stattdessen bekommen sie beide radikale Nationalisten und eine völlig ungeeignete UN. Was fehlt ist die Erkenntnis Es geht nicht gegen einander.

    • Tom Farmer

      @vieldenker:

      Guter Beitrag!



      Egal was wo zur Wahl stand und steht. Die Bevölkerung wählt entweder gegen die eigenen Interessen, oder es gibt keine Parteien die die Interessen langfristig vertreten. Insbesondere auch in den palästinensischen Gebieten. Was da zur Wahl stehen würde wenn gewählt werden würde.... das Grauen!

      • Janix

        @Tom Farmer:

        Barghouti gehört freigelassen.



        Die PLO braucht einen Generationenwechsel und demokratische Konkurrenz.



        Und das Land braucht ein Ende der bewussten Destabilisierung vom Zwillingsbruder Israel. Panzer vor dem Regierungssitz, Geldentzug, demütigende Brüskierungen. Da unterstelle ich Absicht.

  • Elite123

    Natürlich ist mit Friede-Freude-Eierkuchen keine Wahl zu gewinnen.



    Der 7. Oktober und vor allem der Jubel auf der Straße hat die Israelis ganz schnell zu Realisten werden lassen.

    • Francesco

      @Elite123:

      Der Jubel galt wohl eher dem Durchbrechen der Grenze und den militärischen Erfolgen gegen die israelische Armee als den Massakern.

    • Janix

      @Elite123:

      Ein Realist dächte auch Krieg von folgenden Frieden her (v. Clausewitz).



      Und ließe sich nicht von Hass-Schwätzern in den Dauerkrieg hineinquatschen.

  • Janix

    Netanyahu hat seinen Orwell gelesen. Dauer-Krieg, bewusst immer wieder hergeführter Dauer-Krieg, um eigene Fehler zu vertuschen und das Wählervolk aufzuputschen.



    Die Gesellschaft ist schon arg nach rechts-rassistisch radikalisiert. Hoffentlich funktioniert es wenigstens an der Urne nicht. Hoffentlich reicht wenigstens der Ekel vor der Korruption aus.