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Bedrohtes VW-Werk in Zwickau Und die AfD reibt sich die Hände

Kommentar von

Gunnar Hinck

Auch nach dem Beschluss des Aufsichtsrats ist die Zukunft mehrerer Standorte ungewiss. Zwickau dürfte die schlechtesten Karten haben – das ist fatal.

Ü berraschend schnell hat sich der Aufsichtsrat von VW auf drastische Maßnahmen geeinigt: Seit Donnerstagabend ist klar, dass weitere 50.000 Arbeitsplätze im Konzern gestrichen werden – wie schon 2024. Unklar ist weiter die Zukunft von vier Standorten. Aber schon jetzt kann prognostiziert werden, dass der traditionsreiche Auto-Standort Zwickau in Sachsen die schlechtesten Karten hat: Realistisch dürfte das Szenario sein, dass Zwickau am Ende geopfert wird, um die Werke in Emden und Hannover zu retten. Die stehen dem VW-Anteilseigner Niedersachsen natürlich näher als das Werk in Sachsen.

Die Auswirkungen werden für Sachsen und den Osten insgesamt katastrophal sein – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für das gesellschaftliche Klima. Mit einer Schließung würden 120 Jahre sächsische Autoindustriegeschichte einfach mal geschreddert werden.

Einst war Sachsen einer der bedeutendsten Standorte; der Chemnitzer Konzern Auto-Union, zu dem Audi gehörte, war einmal der zweitgrößte Autohersteller in Deutschland. Audi ging nicht nach Bayern, weil es da so schön ist, sondern wegen der deutschen Teilung.

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Das Signal, das gesendet wird, ist wieder einmal: Mit den Ossis kann man es ja machen, die werden sich schon nicht groß wehren. Doch, das tun sie, seit Längerem in Form einer vermehrten Stimmabgabe für die AfD. Die sächsische AfD dürfte sich mit Blick auf die nächste Landtagswahl in dem Bundesland die Hände reiben, nimmt die Partei doch seit Längerem die Kümmererrolle für die gekränkte Ostseele ein. Der Fall VW bestätigt leider die „Die da oben“-Gefühle.

Eine Schließung wäre geradezu irrwitzig: Zwickau ist ein hochmoderner Standort, der komplett auf E-Autos setzt. Und genau das ist die Zukunft. 8.000 gut bezahlte Arbeitsplätze mit Tariflohn, von denen es im Osten nicht viele gibt, würden verloren gehen; Zulieferer wären auch betroffen. Und an die gerichtet, die sagen, dass die VW-Löhne zu hoch seien: In Zwickau sind die Gehälter niedriger als in westdeutschen VW-Werken.

Volkswagen muss dringend seiner sozialen Verantwortung, die der Konzern sonst gern proklamiert, gerecht werden und gerade Zwickau halten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gunnar Hinck

ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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11 Kommentare

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  • Heideblüte

    Der Logik folgend, dass jede (notwendige) Veränderung der AfD hilft, macht man gar nichts, was dann auch wieder der AfD hilft.



    Also starren alle auf die AfD wie das Kaninchen auf die Schlange.

    Vielleicht sollte jede(r) sich fragen, warum zum einen die Bildung in Deutschland zurückgeht und gleichzeitig das Ausleben von Hass und Rechtsradikalität schlicht wieder salonfähig geworden ist. Da liegt die Ursache für den Erfolg der AfD. Die Blaunen haben nachprüfbar keine Lösungen für die drängenden Probleme, zumindest keine, die finanziell machbar sind - aber sie lenken davon ab, indem sie den Leuten den Hass auf ALLES, was anders ist geben und eigentlich undefinierbare Ängste schüren. Hasserfüllte und ängstliche Menschen sind leicht zu manipulieren und zu führen.



    Das wussten schon die Demagogen der Antike.

  • Astrid Sehnefeld

    "Mit den Ossis kann man es ja machen, die werden sich schon nicht groß wehren. Doch, das tun sie, seit Längerem in Form einer vermehrten Stimmabgabe für die AfD"



    Diese Einsicht hätte die taz gerne auch schon haben dürfen, als unter grüner Führung des Wirtschaftsministeriums die letzte Sonnenmodulfabrik vergrault wurde.



    taz.de/Ende-der-de...oduktion/!5991942/

  • FtznFrtz

    Zahlt mal wieder auf die AfD-Ossi-Opfererzählung ein, fatalerweise.



    Ein absoluter Skandal und eine Bankrotterklärung des Vorstand sist das. Entwicklung zum E-Auto verschlafen, keine bezahlbaren und modernen Modelle geliefert, man klammert sich, assistiert von SPD und Union an die Vergangenheit (Verschieben des Verbrenneraus), die Zeche zahlen wie immer die Kleinen.

  • Südlicht

    Was in der Debatte bisher untergeht ist, dass VW mit der Umsetzung seiner Schließungspläne künftig kaum noch Autos in Deutschland herstellen würde. Aktuell geplant ist lediglich noch ein E-Golf in einem von vier auf zwei Fertigungslinien verkleinertem Stammwerk in Wolfsburg. Alle anderen Modelle, so die aktuelle Planung des Vorstands, sollen künftig in Polen, Spanien und der Slowakei gefertigt werden. Der Verbrenner-Golf soll zudem nach Puebla in Mexiko umziehen. Mit Blick aus die gerade erst mit Milliardenaufwand auf Elektromobilität umgerüsteten Werke in Zwisckau, Emden und Hannover ist das eine gigantische Kapitalvernichtung. Mit den "Produktionsausläufen" wird sich auch irgendwann die Standortfrage der Komponentenwerke stellen. Auch das ist bisher ein wenig beachteter Aspekt der VW-Pläne: Die Herstellung von Motoren, Batterien, Achsen etc sieht das Unternehmen nicht mehr zwingend als zukünftige Kernkompetenz und hat sie bereits in einer eigenständigen Geschäftseinheit zusammengefasst. Für mich sieht das ganze nach einem Ausschlachtungsplan des Konzerns für die Taschen der Aktionäre aus.

  • moonwatcher

    Gleich zwei Artikel untereinander, die sich darüber auslassen, dass etwas (Autokrise, Anschläge auf kritische Infrastruktur) fatal ist, weil es der AgD helfen könnte. Leute, seid ihr noch ganz klar? Ihr könnt nicht alles mit Blick auf diese Idiotenpartei interpretieren. Die Autokrise ist schlimm für die Betroffenen, egal ob in Zwickau oder Emden. Und ihr macht einen Artikel über die AgD daraus. Die ja anscheinend ausschließlich im Osten gewählt wird, gibt's die im Westen überhaupt?



    Versucht mal, die Welt zu sehen, wie sie ist. Und nicht bei jedem Ereignis wegen der braunen Partei in Schnappatmung zu verfallen.

  • Weiterdenken3

    "an die gerichtet, die sagen, dass die VW-Löhne zu hoch seien: In Zwickau sind die Gehälter niedriger als in westdeutschen VW-Werken".



    Das stimmt seit Anfang diesen Jahres so nicht mehr.



    Die Beschäftigten bei Volkswagen Sachsen erhalten seit Jahresbeginn 2026 dieselben Tarifbedingungen und Entgelte wie ihre Kollegen in Westdeutschland... Ist evtl. auch ein Grund, warum man Zwickau nun leichter schließen kann. Fatal für die Region ist es natürlich schon. Was aber sollte die AFD daran ändern?

  • Chaos-NRW

    In anderen Medien kann man lesen, dass Zwickau in der Produktivität deutlich vor den anderen fraglichen Werken steht und somit von diesen noch die besten "Überlebenschancen" habe. Keine Ahnung, was nun richtig ist.

    Abgesehen davon scheinen Betriebsrat und Gewerkschaften zwar als Tiger gesprungen, aber als Bettvorleger gelandet zu sein. In den letzten Tagen sprach man noch davon, dass die "Werke brennen" werden, nun stimmt man im Aufsichtsrat doch zu. Da würde ich als vertretener Arbeiter evtl. mal nachfragen, wie es zu dieser Kehrtwende gekommen ist.

  • Peter Rabe

    Der Kommentar belegt unfreiwillig, warum die AfD gewinnt: Weil ungestraft faktenfrei argumentiert werden darf. Zwickau ist modern, aber nicht ausgelastet. Die Produktion kostet ca. 2,5 mal so viel wie in Werken außerhalb Deutschlands. Daher werden die angeblich bevorzugten Werke in Niedersachsen 2031 und 2032 ebenfalls auslaufen. Hätte man als Journalist natürlich mal recherchieren können - es reicht schon, den Entwurf der KI zur Prüfung vorzulegen, um die Gegenargumente frei haus zu bekommen.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Peter Rabe:

      Hallo Peter Rabe,



      KI benötige ich nicht um zu wissen, dass man außerhalb von D günstiger produzieren kann. Bei der Auswahl von Produktionsstandorten spielen noch andere Faktoren eine Rolle, wie etwa die Qualifikation der Arbeitnehmer, die Nähe zum Absatzmarkt und eine gute Infrastruktur. Alle drei Faktoren sind in Zwickau sehr gut gegeben.



      MfG Gunnar Hinck, taz-Redakteur

      • Peter Rabe

        @Gunnar Hinck:

        Rhetorisch geschickt, aber an der Sache vorbei: Der VW-Vorstand scheint nach den bislang bekannt gewordenen Informationen nicht zu behaupten, dass Zwickau diese Faktoren nicht habe. Vielmehr wird auf mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, fehlende Anschlussbelegung und erhebliche Kostenunterschiede zwischen deutschen und anderen europäischen Standorten verwiesen.



        Die entscheidende Frage lautet:



        Wenn Qualifikation, Infrastruktur und Marktnähe tatsächlich ausschlaggebend sind, warum werden dann die Nachfolgemodelle nach Bratislava, Mladá Boleslav oder Poznań verlagert? Ist Zwickau der beste Standort innerhalb des europäischen Produktionsnetzwerks?

        Auf den ganzen Konzern betrachtet scheinen selbst die erheblichen Investitionen in Zwickau den Betrieb eben nicht mehr zu rechtfertigen.



        Sind die Vorteile Zwickaus (Qualifikation, Infrastruktur, Marktnähe, bestehende E-Auto-Investitionen) groß genug, um die offenbar bestehenden Kosten- und Auslastungsnachteile auszugleichen?



        Solange hierzu keine belastbaren Zahlen vorliegen, ist weder die These des VW-Vorstands noch die These des „wirtschaftlichen Wahnsinns“ im



        Artikel abschließend belegt.

  • Pico

    Jeder Verlust von Arbeitsplätzen zeigt zum einen, dass die derzeitige Verantwortlichen versagen. Ist es da nicht normal sich an jene zu wenden, die nicht in der Verantwortung für diesen Schlamassel sind?