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Uwe Steimle unterstützt AfD Der Wendehals

Konstantin Nowotny

Kommentar von

Konstantin Nowotny

Der Dresdner Satiriker und Kabarettist Uwe Steimle verstand sich einst als links. Nun passt er sich geschmeidig dem gewandelten Zeitgeist an.

A nders als es in der politischen Rückschau gezeichnet wird, gab es für viele Ostdeutschen nach dem Mauerfall nicht viel zu lachen, denn nebst sogenannter Erwerbsbiografien gingen auch Identitäten zu Bruch. Einer verstand es, diese Gefühle vieler Ostdeutscher in Satire auszudrücken: Uwe Steimle. Seine Rolle als „Polizeiruf“-Kommissar Hinrichs machte ihn bekannt, seine Honecker-Imitation berühmt. Gelacht werden durfte bei ihm über die Feinheiten der sächsischen Mundart, den bürokratisch-autoritären Duktus des DDR-Regimes, später zunehmend über die gegenwärtig Mächtigen.

Nur bei einer Sache verstand er keinen Spaß. Als ihn 2018 die ökumenische Friedensbewegung als Schirmherrn hinausschmiss, weil er ein Shirt von dem rechtspopulistischen Compact-Magazin mit der Aufschrift „Ami go home“ trug, wehrte er sich empört. Der Slogan gehörte früher zur „internationalistischen Linken“, so Steimle. Den Ostdeutschen und sich selbst attestierte er ein besonderes Gespür gegenüber diktatorischen Umtrieben.

Nun scheint ihn sein Gespür direkt in die Arme einer rechtsextremen Partei getrieben zu haben. Kürzlich lud er den sachsen-anhaltinischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund in seine Sendung „Aktuelle Kamera“ ein. Wenig später trat Steimle bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Dessau neben Siegmund und Tino Chrupalla auf. Dort stimmte er die DDR-Nationalhymne an und sagte: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“

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Einen größeren Gefallen kann er den Nazis in Ostdeutschland kaum tun, denn die Verbindung ostalgischer Gefühle mit rechtsextremer Politik ist deren populistische Königsdisziplin.

Dass der Wind im Osten nun vermehrt von rechts weht, dürfte Steimle auch an seinem Publikum bemerkt haben. Für jemanden, der seine Gesinnung je nach aktuell politischer Lage ausrichtete, kannten die DDR-Bürger*innen übrigens auch ein schönes Wort: Wendehals.

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Konstantin Nowotny

Konstantin Nowotny Autor

Seit 2013 freier Journalist, seit 2022 bei der taz. IJP-Fellow (Tel Aviv, 2021). DAAD-Stipendiat (New York City, 2016/17). Themen u.a.: Pop & Punk, Kapitalismus & Kultur, Rechte & Linke. Berlin/Leipzig
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14 Kommentare

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  • Jemand, der bei den Mächtigen aneckt, der gerne provoziert und die Opposition unterstützt ist eigentlich das Gegenteil eines Wendehalses.

    • @Don Geraldo:

      Ääh, bitte?



      Wendehals bezieht sich auf seinen eigenen Wandel und nicht auf das was sie hier anführen......

  • "Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?"

    Bei dem Bohei, der im die Bezeichnung "Lackaffe" und ähnlichem gemacht wurde, bin ich mal gespannt, wie die Justiz in Sachsen-Anhalt sich der Sache annehmen wird.

  • In der DDR war nicht alles schlecht! Beispiele gefällig!? Grüner Pfeil, das Sero Pfandsystem, die Polikliniken, Abtreibung für alle, Schießbefehl.

  • schlechter Schauspieler , den braucht man nicht , jetzt erst recht nicht .

  • Ich bin jetzt echt kein Steimle Fan, aber die Darstellung das er jemand wäre der sich immer geschmeidig dem Zeitgeist anpasst ist ziemlicher Quatsch. Er hat z.b. während der Corona Zeit eine Menge Fans verloren, als er öffentlich für die Impfung eingetreten ist.

  • Steimle hat ein eigenwilliges Verständnis für Humor. Ich kann darüber nicht lachen. Die Äußerungen zu Merz und Merkel wären eher derb. Da steckt viel Frust aus der Pandemie drin.

    Erstaunlich ist, dass der Mann früher eher links war. So richtig angepasst war er nie, ein Wendehals ist was anderes.

  • Empörungsindustriekleinindustrieller!

  • Ich fand ihn eigentlich immer sehr sympathisch. Er verkörpert die Tragik Ostdeutschland und ist ein lebendiges Zeugnis dafür, dass die Wiedervereinigung ein riesiger Fehler war.

  • Was für ein blödsinniger Stauffenberg-Spruch! Ich kann kaum glauben, dass ein Ex-Kabarettist auf dieses Niveau unterhalb jedes Bretts und kurz vor dem Mordaufruf gehen kann.



    Wer bei den Rechtsreaktionären DDR-Nostalgie seibert, hat kein Programm dieser Partei je auch nur überflogen.



    Negative Aufmerksamkeit scheint da einem immer noch lieber zu sein als keine Aufmerksamkeit.

  • Uwe Steimle? Satiriker und Kabarettist? Muss man den kennen?



    Es gibt da noch andere eher mittelmäßige Selbstdarsteller, die aus verzweifeltem Bemühen, irgendwie bekannt zu bleiben, populistische Sprüche brabbeln. Bei manchen fragt man sich durchaus, wer sich deren seichte Ergüsse eigentlich anschaut.

    • @Aurego:

      Wen konkret meinen Sie damit?

      • @Riodria Sonnenherz:

        Na, dann raten Sie mal!

        • @Aurego:

          Hauptsache irgendetwas raunen und einen raushauen.

          In der Tat: bitte konkret werden.