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Schwarz-Rotes ReformpaketProgramm für Armut und Stagnation

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Die angekündigten Reformen der Bundesregierung werden viele Menschen in Deutschland ärmer machen. Und dabei nicht einmal die Wirtschaft ankurbeln.

D ie Bundesregierung will mit ihrem „Programm für Wachstum und Beschäftigung“ die Konjunktur ankurbeln. Das wird nicht gelingen. Denn Union und SPD setzen keinerlei Wachstumsimpulse, wollen aber weitere Belastungen für Bürger:innen. Sie bringen so nicht nur immer mehr Wäh­le­r:in­nen gegen sich auf, sondern schaden auch der Volkswirtschaft.

Das Bruttoinlandsprodukt wird nicht wachsen, weil Beschäftigte ab dem ersten Krankentag eine ärztliche Bescheinigung brauchen oder es keine telefonische Krankschreibung mehr gibt – das füllt nur die bereits überfüllten Arztpraxen weiter. Von der Einkommensteuerreform werden viele Beschäftigte überhaupt nicht profitieren, weil ihre Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liegen.

Für sie und auch für Beschäftigte mit mittleren Einkommen werden mit der Reform die Lücken nicht ausgeglichen, die die Regierung mit den geplanten Belastungen in der Pflege-, Kranken- und Rentenversicherung reißt. Allein die neue „Kapitalrente“ wird dafür sorgen, dass in den kommenden Jahren etliche Milliarden Euro nicht mehr für Ausgaben für Lebensunterhalt und Lebensfreude zur Verfügung stehen, sondern auf die Kapitalmärkte fließen.

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Unterm Strich macht die Regierung viele Menschen ärmer. Das schwächt die Kaufkraft – die deutsche Wirtschaft braucht aber mehr und nicht weniger Nachfrage. Spitzenverdienende mit Einkommen von mehr als 250.000 Euro werden dagegen kaum mehr belastet. Über eine Vermögensteuer denkt die Koalition nicht einmal nach. Sie hat keine Ambitionen, das Land gerechter zu machen.

Nicht das Vermögen

Zwar hat die Regierung den Ehrgeiz, die Wirtschaft zu stärken – aber nicht das Vermögen, das Richtige zu tun. Die deutsche Volkswirtschaft ist nach wie vor stark. Angesichts der anhaltenden Stagnation aufgrund diverser Krisen gibt es allerdings tatsächlich Handlungsbedarf.

Ursache der ökonomischen Probleme sind jedoch nicht angeblich zu häufig blaumachende Bür­ge­r:in­nen oder der Sozialstaat. Doch Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder suggerieren mit ihren Scheinlösungen genau das. Sie zeigen sich unfähig, die Lage wirklich zu verbessern.

Denn dafür müssten sie ein echtes Konjunkturprogramm mit ökologischem Wachstumspotenzial auflegen und die soziale Absicherung der Bür­ge­r:in­nen verbessern – finanziert vielleicht mit einem Krisen-Soli der Vermögenden und Superreichen.

Aber davon will die Bundesregierung nichts wissen. Sie steht von rechts unter einem enormen Druck. Sie gibt diesem Druck nach, statt sich gegen ihn zu stemmen und so das Ruder politisch und ökonomisch herumzureißen. Der Preis dafür wird hoch sein, bei Wahlen und beim Wirtschaftswachstum.

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Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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16 Kommentare

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  • Was im Artikel nicht thematisiert wird, ist, worauf das Verarmungsprogramm abzielt. Im Grunde wird versucht, die Schrödersche Agenda, die nichts anderes war, als eine Verarmungspolitik für kleine und mittlere Einkommensbezieher ("bester Niedriglohnsektor in ganz Europa" Zitat Schröder in Davos), zu wiederholen; sozusagen eine "Agenda 2.0" oder "Agenda 2030". Wie damals soll die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gegenüber anderen Ländern verbessert werden. Man will so die Exporte und damit die deutschen Leistungsüberschüsse wieder deutlich erhöhen (Exportweltmeister). Es soll die "Beggar-thy-neighbour-Politik", die unter Schröder begann und seitdem betrieben wird, weiter verschärft werden. Eine Politik, die unsere Handelspartner, die darunter zu leiden hatten und haben, zunehmend gegen uns aufbrachte (z.B. USA) und in der Währungsunion zu wirtschaftlichen Verwerfungen führte.



    Deshalb wird diese erneute Agenda-Verarmungspolitik auch dann nicht funktionieren, wenn sich der Deutsche Michel diese Verarmung erneut gefallen ließe. Denn unsere Handelspartner werden sich energischer als bisher gegen diese verschärfte deutsche Beggar-thy-neighbour-Politik wehren.

  • Das die sPD dieses neuerliche Verarmungsprogramm (Hartz I - IV under Schröder) mit zu verantworten, wird den Niedergang der deutschen Sozialdemokratie, die seit Schröder das "Soziale" aus ihrer Agenda gestrichen hat - außer in Wahlkampfreden -, weiter beschleunigen. Sie können froh sein, wenn sie demnächst noch in die Parlamente einziehen werden. Dieses Spielchen, dass sie Schlimmeres verhindert hätten, zieht schon lange nicht mehr.

    Sie sollten sich endlich wieder darauf besinnen, für wessen Vertretung sie bis 1998 standen und entsprechende Politik wieder machen.

    Natürlich bedeutet das, dass sie nicht mehr als Juniorpartner in einer Regierung sitzen werden und noch stärker vom Mainstream verrissen werden. -- Und vor allem bedeutet es, dass die sPD-Granden sich die ganzen schönen und lukrativen Regierungsposten von der Backe schmieren könnten. Deshalb habe ich auch wenig Hoffnung, dass sich in näherer Zukunft sich die sPD besinnen wird.

  • taz: *Denn Union und SPD setzen keinerlei Wachstumsimpulse, wollen aber weitere Belastungen für Bürger:innen.*

    Das kommt halt dabei heraus, wenn man Lobbyisten zu Volksvertretern macht. Im Grunde planieren CDU/CSU und SPD mit ihrer unsozialen Politik nur die Startbahn für die AfD.

    Friedrich Merz (CDU) hätte niemals Kanzler werden dürfen, denn er spaltet die Gesellschaft immer mehr, gefährdet den sozialen Frieden in diesem Land und macht obendrein die AfD auch immer größer.

  • Das Reformpaket ist keines. Ökonomisch nicht, ökologisch nicht, für Durchschnittsverdiener "bis zu 800€ pro JAHR gespart(!!)", ein Witz!, auch nicht. Schwach!

  • Der Aufreger der Nation:



    die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden.



    Das sollte an sich nicht das große Problem sein, wenn das angeblich unter 1% der Fälle überhaupt genutzt wird.



    Nun wird ja bereits zurück gerudert.



    Dass die Idee aus dem Kanzleramt kam, wurde übrigens nicht adressiert.



    Interessant ist die Information durch Klingbeil, dass damit die Karenztage mit Lohnverzicht verhindert wurden .



    Dann erscheint das derzeitige Ergebnis schon als das kleinere Übel.



    Bei viel Lärm um Nichts wird gar nicht darüber gesprochen, was nicht passiert ist: die Abschaffung des 8 Stunden Tages per Gesetz.



    Offenbar hat sich hier die Auffassung der SPD durchgesetzt, dass dies die Sozialpartner unter sich regeln sollen.



    Bei allem Gejammer, es entstehen gerade nicht nur kaum neue Arbeitsplätze, sondern es drohen Entlassungen im großen Stil und das bei deutschen Flaggschiffen wie Bosch und VW.



    Nichts tun ist daher keine Option.



    Wer z.B. den Abschied vom Verbrenner will sollte vielleicht eine Idee haben, wie und wo die daraus resultierenden Arbeitslosen wieder Arbeit finden sollen.



    Eins wird an diesem Beispiel allerdings deutlich und das trotz WM Aus:



    Wir bleiben Meckerweltmeister!

  • Interessant ist, wenn man bedenkt dass Rentenfonds gerne in Immobilien investieren. So ist vonovia in Händen der niederländischen, und Heimstaden in Händen von schwedischen Rentenfonds.



    Das jetzt auch in Deutschland die Kapitalrente kommt, und gleichzeitig die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen verboten werden soll ist ein doppeltes Geschenk an die Wohnungswirtschaft.

    • @Dorothea Pauli:

      Überrascht das etwa? Das ist doch die Politik, die seid Jahrzehnten von den Regierungsparteien, gleich welcher Coleur, betrieben wird: Umverteilung von "unten" nach "oben"! -- Und da wundern sich die ökonomisch Bessergestelten (Wer bestimmt sonst die Inhalte in den alten Medien?), warum der deutsche Michel sein Kreuz nicht mehr bei diesen Parteien machen will, sondern zunehmend nach einer Alternative sucht.

  • Mittlerweile ist das Ziel der Politik die Armen arm und die Reichen reich zu machen so klar erkennbar dass man das einfach nicht mehr leugnen kann.

    Und da muss man leider alle etablierten Parteien in einen Sack stecken.



    Unisono fordert man den "Sozialstaat" zu schleifen



    und den "Kapitalstaat" zu pampern.

  • Die von CDU Bundeskanzler Merz forcierte Kapitalrente ist weit mehr als eine Renten-, Sozialreform. Sie zieht 35 Milliarden €/anno aus deutscher Binnenkaufkraft ab, indem Arbeitnehmer, Arbeitgeber mit je 1% Bruttolohn belastet werden. Dieses gewaltige Kapital wird über den öffentlich-rechtlichen KENFO-Fonds globalisiert und fungiert als das „letzte Aufgebot“ eines staatlich gelenkten Kapitalexports. Während klassische Hermes-Bürgschaften den Güterexport der Industrie absichern, haftet Arbeitswelt nun direkt für Risiken globaler Finanzmärkte. Diese erzwungene Internationalisierung entzieht heimischer Wirtschaft dringend benötigte Investitionen und erzeugt ein massives Klumpenrisiko für den Euroraum. Besonders brisant ist die finanzielle Verflechtung über die EZB mit dem CFA-Franc-System von 14 afrikanischen Ländern mit 200 Millionen Einwohnern. Steigen dort geopolitische Spannungen oder bricht das postkoloniale Währungsgefüge ein, gerät die Frankfurter Währungsarchitektur unter Druck. Am Ende haften deutsche Rentner über den Eurokurs und fallende Fondsrenditen für diese imperialen Bruchlinien. Diese Reform betreibt somit riskante Geopolitik zulasten der deutschen Binnenkaufkraft.

    • @Joachim Petrick:

      Historisch waren deutsche Sozialkassen in Krisen stets Manövriermasse der Politik, ob 1917 zur U-Boot-Finanzierung, 1990 für Deutsche Einheit oder 2003 bei Hartz IV. Die Skepsis gegenüber dem neuen Generationenkapital ist daher absolut berechtigt. Wenn nun der Atommüllfonds KENFO auch das staatliche Rentenkapital verwalten soll beruhigt der Verweis auf rechtlich getrennte Töpfe nur oberflächlich. Zwar haftet das Rentenkapital nicht direkt für die unkalkulierbaren Altlasten der Atomkonzerne. Doch im Kern entsteht eine gefährlich systemische Flanke: Der Bund pumpt geliehenes Geld in weltweite Aktienmärkte, um die Renten ab 2030 zu bezuschussen. Bei einem Börsencrash sinkt zwar nicht sofort das gesetzlich garantierte Rentenniveau, aber das gigantische Haushaltsloch müssen künftige Steuer- oft Beitragszahler stopfen. Der größte Risikofaktor bleibt jedoch die Politik selbst. Gesetze und Zweckbindungen, die heute Töpfe trennen, können von zukünftigen Bundestagsmehrheiten bei akutem Haushaltsnotstand im Eilverfahren geändert werden. Am Ende droht trotz aller Transparenzversprechen das alte Spiel: Linke Tasche, rechte Tasche. Der KENFO liefert die Struktur, das Risiko trägt der Rentner.

  • ​Die schwarz-rote Koalition feiert ihr neues „Reformpaket“ als historischen Durchbruch – in Wahrheit ist es ein Offenbarungseid. Unter dem zynischen Deckmantel des Wirtschaftswachstums wird hier das altbekannte, fatale Prinzip zementiert: Gewinne werden privatisiert, Verluste brutal sozialisiert.



    ​Für Konzerne und Start-ups schnürt Schwarz-Rot ein Rundum-sorglos-Paket aus steuerlichen Erleichterungen, gelockertem Kündigungsschutz und vierjährigen Knebelbefristungen ohne Sachgrund. Das unternehmerische Risiko wird einfach auf die Beschäftigten abgewälzt. Im Gegenzug bluten die Arbeitnehmer: Die Krankschreibung wird ab Tag eins verschärft, bei den Sozialkassen droht der Kahlschlag und die Rente mit 63 wird eiskalt abgewickelt. Während Großinvestoren mit milliardenschweren Subventionen hofiert werden, trägt die Zeche der arbeitende Bürger durch sinkende Standards und wachsende Existenzangst. Diese Politik ist kein „Wachstumsbooster“, sondern blanker Hohn für die arbeitende Mitte.

    • @amigo:

      Ja, alles richtig. Genau dafür wird die CDU/FDP auch gewählt, ich erwarte nichts anderes von denen. Die ganzen Arbeitnehmer und besitzlosen, die das Haken bei denen machen, sollten irgendwann mal checken, was sie da vorgesetzt bekommen. Bei den AfD Wählern das Gleiche, die werden genau das und noch viel mehr bekommen (was sie sicherlich nicht wollten). Aber leider sind die Menschen Beratungsresistent, weil es natürlich jeder selber besser weiß. Am Ende haben wir aber alle den Salat und verlieren einfach alle alles. Das alles ist sehr sehr sehr frustrierend.

  • Diese ganze Politik kann inzwischen nur noch durch Dummheit erklärt werden. Die, zweifelsohne vorhandene Menschenverachtung, kann es eigentlich nicht sein.



    Es schädigt aber auch jeden. Entweder direkt zu sehen wenn es um uns Lohnabhängige geht, die wir nichts besitzen (keine Firmen, keine Immobilien etc.). Aber auch indirekt alle, denn diese Regierung, die er Religion des Neoliberalismus fundamentalistisch anhängt, zerstört damit die Wirtschaft, die sie angeblich retten will. Und das ist so einleuchtend einfach zu verstehen, dass es mir schwer fällt zu glauben, das wüssten cdU/csU/AfD/sPD nicht. Wer den Bürgern die Gurgel zudrückt und ihnen das Geld wegnimmt, der nimmt ihnen halt auch die Möglichkeit, etwas zu kaufen und damit die Wirtschaft zu beleben.



    Das ergibt alles so gar keinen Sinn.



    Ich habe Diktaturen immer für ihre Dummheit angeprangert, dass sie die Menschen knechten, obwohl man sie mit dem Anschein der Beteiligung, wie in unserer Demokratie, viel leichter manipulieren kann. Aber selbst diese Form von Schläue ist unserer Regierung inzwischen abhanden gekommen.

    • @Jalella:

      Ich widerspreche Ihnen in einem Punkt: Es schädigt nicht Jeden! Die Nutznießer sind die Besitzenden, die Kapitaleigner, die sogenannte Oberschicht. Die Fakten sind doch öffentlich: die Zahl der Milliardäre und Millionäre nimmt seid Jahrzehnten stetig zu. Und durch, wie Sie sagen, "Gurgel zudrücken", wird die Zahl der Reichen auch zukünftig weiter zunehmen und jetzt schon Reiche noch reicher machen. Und sollte diese Rallye irgendwann sein Ende finden, so werden sich diese Reichen eben aus Deutschland in andere Gefilde verdrücken und Deutschland fallen lassen wie einen abgenagten Knochen. Sie wissen doch: Kapital (massenhaft Geld) ist flüchtig, scheu wie ein Reh. Und es gibt kein Land, dass etwas gegen die Einwanderung von sehr reichen Menschen hat. Im Gegenteil, Reiche werden überall mit offenen Armen in Empfang genommen.

    • @Jalella:

      Ich finde, dass die Nennung der CDUs, SpD und AfD im gleichen Atemzug Ihren Beitrag zu genau 100% abwertet. Verstehe derlei Kurzschlusshandlung somit genau 0,0.

      • @Tom Farmer:

        Da alle der genannten Meinungsbildungsvereine keine wirklich funktionierenden Konzepte haben, ist es sehr wohl angebracht, sie in einem Atemzug zu nennen. Der Unterschied ist das die "Altparteien" ihre Unfähigkeit schon seit Jahrzehnten bewiesen haben, während die AfD erst noch demonstrieren muß und wird, das sie auch nur mit Wasser kocht.