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EU-Vorgaben bei LohngleichheitGleichstellung ist der Bundesregierung zu bürokratisch

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Deutschland setzt ein EU-Gesetz zur Gehaltstransparenz nicht um. Frauenministerin Prien redet sich mit Bürokratie und wirtschaftlicher Lage heraus.

D eutschland könnte ein EU-Strafverfahren drohen – ausgerechnet wegen eines Problems, das hierzulande seit Jahrzehnten debattiert wird: die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern für gleichwertige Arbeit. Bis zum 7. Juni mussten EU-Länder das europäische Entgelttransparenzgesetz in nationales Recht umsetzen. Das aber hat die Bundesregierung versäumt – komplett ohne Not. Denn es gibt seit in Deutschland bereits seit neun Jahren ein solches Gesetz, das schlicht angepasst werden muss. Auch ist seit Frühjahr 2023 bekannt, dass Unternehmen in Europa ab jetzt Gehaltsunterschiede transparent machen müssen. Warum also der Verzug?

Schließlich ist der Handlungsbedarf groß: Noch immer beträgt der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern 16 Prozent. Zieht man Faktoren wie Teilzeit, Führungspositionen, Elternzeiten ab, erhalten Frauen noch immer 6 Prozent weniger Gehalt als Männer. Das kann einer Frauenministerin nicht egal sein. Wie aber soll man die Aussagen von Karin Prien verstehen, dass jetzt an einer „bürokratiearmen Umsetzung“ gearbeitet werde? Dass diese vermutlich erst 2027 oder 2028 vorliege und die wirtschaftliche Lage Grund für die Verzögerung sei?

Eher scheint Prien der Wirtschaftslobby zu folgen, die die EU-Richtlinie vorgeblich wegen „zu viel Bürokratie“ stoppen will. Ohnehin spielt Frauenpolitik beim breiten Themenspektrum der Ministerin – sie ist zudem für Familien, Senioren, Jugend und Bildung zuständig – eine untergeordnete Rolle. Mit genderpolitischen Maßnahmen ist sie bislang jedenfalls nicht aufgefallen. Dafür hat sie großzügig Fördergelder für gleichstellungspolitische Organisationen gekürzt.

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Apropos Bürokratie. In Skandinavien hätte sich die CDU-Politikerin längst informieren können, wie Transparenz bei Gehältern und Löhnen leicht möglich ist. Norwegen und Schweden veröffentlichen seit Jahren die Steuerdaten ihrer Bür­ge­r:in­nen im Netz. Soweit muss man hierzulande ja nicht gehen – und der Bürokratie ist der typisch deutsche Neidfaktor sowieso egal.

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Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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16 Kommentare

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  • Lovando try it again

    Sach mal so - wennste nach Neuwieder Becken - Äppel&Kalksandstein - als ehem. selbständige Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Insolvenzrecht in Hannover, Leipzig und Hamburg. Seit 2008 war sie Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht, seit 2011 auch Mediatorin - in Hamburg-Blankenese mit dem RA-Männe auf der richtigen Seite der Elbchaussee gelandet bist - was interessiert dich da noch Gedöns?! Newahr 🥳🧐🙀



    Normal nich - wa!

    unterm——btw but not only



    Diese Sentenz werte Frau Schmollack ✍️



    “…Steuerdaten ihrer Bür­ge­r:in­nen im Netz. Soweit muss man hierzulande ja nicht gehen – und der Bürokratie ist der typisch deutsche Neidfaktor sowieso egal.“



    Wollens vllt doch noch mal in sich schlüssig gestalten - hm?



    Dank im Voraus

  • Also vermutet die Autorin, dass Frau Prien die Lohntransparenz bewusst verhindert, um - ja warum eigentlich? Um die Gender-pay-gap zu bewahren?



    Das ist doch eher unwahrscheinlich.

    Uch würde die Möglichkeit nicht ausschließen, dass die Umsetzung tatsächlich bürokratischen Aufwand bedeutet, und dass das Interesse, diesen zu minimieren eine gewisse Berechtigung hat.

  • Ich finde auch, die Gleichstellung von Mann und Frau geht einfach zu weit. Man sollte zumindest cdU-Frauen verbieten politische Ämter zu bekleiden. Die kennen sich offenbar nicht so gut aus mit diesen kryptischen Formulierungen aus antiker Vergangenheit, wie sie z.B. im Grundgesetz (Artikel 3, Absatz 2) stehen. Ich bin sicher, sie kann sehr gut kochen und Kinder aufziehen und das muss für eine cdU-Frau einfach reichen. Nachmittags kann sie sich ja mit ihren ehemaligen Kolleginnen von csU und AfD treffen. Und den Rest dey Landes sollten sie verschonen mit ihren Steinzeitvorstellungen.

  • In Tarifen gibts doch eh schon gleiche Gehälter, bei Beamten gibts gleiche Gehälter, bei Angestellten im öffentlichen Dienst gibts identische Gehälter. In den restlichen Bereichen ist es halt doch so, dass gesehen wird, dass Frauen statistisch mehr Krankheitstage haben, evtl. schwanger werden und dann ausfallen, wenn schon Kinder da öfter bei kranken Kindern zu hausen bleiben (ja, nicht ok, aber real und nicht Problem des Arbeitgebers), etc. Und es sollte nicht die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden, sondern gleiche Leistung sollte gleich bezahlt werden. Und allen Unternehmern, die ich kenne ist das Geschlecht vollkommen egal, wenn die Leistung passt wird entsprechend bezahlt. Und ja, Männer die nicht performen bekommen auch weniger.

  • Den Gender-Paygap gibt es ja in meiner Region gar nicht mehr bzw. verdienen hier Frauen inzwischen im Schnitt schon leicht mehr als Männer. Wieso wird eigentlich nie darüber gesprochen, dass der Unterschied zwischen ost-und westdeutschen Männern so viel größer ist als zwischen ost- und westdeutschen Frauen? Das ist doch der viel krassere Paygap den wir haben. Ich vermute ja mal hier den Hauptgrund für die unerwünschte Transparenz. Wir haben hier im Landkreis ein Durchschnittseinkommen von 3200€ in Relation zu 4800€ im Bundesschnitt. Das ist der Paygap über den wir mal reden sollten.

  • "Norwegen und Schweden veröffentlichen seit Jahren die Steuerdaten ihrer Bür­ge­r:in­nen im Netz."



    Für manche(n) Deutsche(n) nach deren Bekunden auch/der Hinderungsgrund einer Einbürgerung.



    Es gibt vereinzelt Deutsche, die das freiwillig der Transparenz wegen selbst hier im Netz machen, aber das sind kasuistische Raritäten.



    www.deutschlandfun...ellschaft-100.html



    In Sachen Gerechtigkeit sind die Skandinavier offensichtlich aber ziemlich fortschrittlich bei dem Thema Gleichstellung.



    Das sieht man auch an den Karrieren.

  • Das kann man einer Regierung nicht zumuten, die im vorletzten Jahrhundert verharrt, was Gleichberechtigug angeht.

  • Fehlt es denn an Transparen, immerhin ist die Lücke doch seit Jahren völlig transparent und belegt? Was also spräche dagegen völlig unbürokratisch die Bezüge von Männern* um 3% zu kürzen und die von Frauen* um 3% anzuheben und damit zumindest den statistsich bereinigten Teil des Problem tatsächlich zu lösen, statt ihn nur zu beschreiben?

    • @Ingo Bernable:

      Und damit nicht nur Männer eingestellt werden, weil die dann billiger sind, schreiben wir vor, dass 50% der Belegschaft weiblich sein muss. Wenn sich nicht genug Frauen finden, muss der Betrieb einfach Stellen abbauen.

    • @Ingo Bernable:

      "Was also spräche dagegen völlig unbürokratisch die Bezüge von Männern* um 3% zu kürzen und die von Frauen* um 3% anzuheben und damit zumindest den statistsich bereinigten Teil des Problem tatsächlich zu lösen, statt ihn nur zu beschreiben?"



      Weil das keine Lösung wäre, sondern dem Ganzen nur zusätzliche Ungerechtigkeiten hinzufügen würde.



      Das liegt (auch) an der Definition des bereinigten Paygaps. Dieser ist _nicht_ eine Erfassung von Ungleichbezahlung zwischen Männern und Frauen, sondern nur eine Feststellung ungleicher Einkommen. Für die Erklärung dieser Ungleichheit fehlen weitere statistische Daten. _Das_ ist das was das Statistische Bundesamt sagt. Nicht mehr, nicht weniger.



      Daraus jetzt abzuleiten, dass Männer mehr verdienen nur weil sie Männer sind, ist mindestens statistisch unsauber. Entsprechend wären daraus abgeleitete Maßnahmen nicht ausreichend begründet.

      • @Encantado:

        Das ist wohl eine Frage der Perspektive. Sie sagen weil man keine Erklärung für diese Ungleichbehandlung hat sei nicht erwiesen, dass sie diskriminierend ist und müsse deshalb beibehalten werden. Ich sage weil man keine Erklärung und Rechtfertigung für diese Ungleichbehandlung hat ist sie wohl offensichtlich diskriminierend und sollte deshalb abgestellt werden.

        • @Ingo Bernable:

          Ich habe Mal vor zwei drei Jahren geschaut wie die Gehälter nach Geschlecht und percentile sind,dabei habe ich gesehen das ca. Sieben Prozent der Männer über 7000 brutto pro Monat verdient haben aber es nur zwei oder drei Prozent der Frauen auch Taten.das verschiebt das mehr was Männer verdienen natürlich zu einem höheren Gesamteinkommen,was allerdings den meisten Männern nichts bringt. Was dann noch spannend sein kann ist sich mal die Gehälter anzuschauen im verschiedenen, nennen wir sie Mal,Männern und Frauenberufe auch das brachte einige Erkenntnisse unter anderem das viele welche sich für manche Gruppen einsetzen bzw. Deren Gehalt schätzen keine Ahnung von der Realität haben. Wo verdient man wohl mehr Geld ,in der Pflege oder auf dem Bau?

  • Es ist erschreckend, dass (im Fahrwasser der extrem rechten Konservativen) die "schleichende Konservatisiering des Abendlandes" durch die CDU zurückgekehrt ist.

  • Bürokratie mag niemand. Linke Projekte mit Bürokratie auch nicht. Gerechtigkeit, die mit Bürokratie durchgesetzt werden muss, ist nicht zu Ende gedacht. Da geht Weisungsbefugnis und Macht mit der Idee durch. Vgl. Veggie Day. Ein ordoliberalistischer Ansatz wäre besser. Mag vielleicht weh tun, aber wenn niemand anfängt, wird das nie was mit dem Bürokratieabbau. Vielleicht setzt das einen Kulturwandel frei, Gleichberechtigung unbürokratisch mitzudenken. Positiv aktvieren, nicht dem Bürger mit Misstrauen begegnen.



    Karin Prien tut recht an ihrem No-go.

    • @rakader:

      Da haben Sie (in mir) den richtigen Bürokraten erwischt. Bürokratieabbau gibt es deshalb nicht, weil es keinen Bürokratieaufbau gibt. "Bürokratie" entspricht dem Sommermärchen, dass aus der von Ihnen genannten Denkschule mit Anleihen aus der Neoklassik gerne als Nebelkerze in den demokratischen Motor eingebaut wird, gibt null PS für Demokratie und eine aufgeklärte Gesellschaft.

      • @Gerhard Krause:

        Keinen Bürokratieaufbau? Sie träumen. Der geschieht immer im Stillen. Schauen Sie sich nur den Wechsel in Bayern von Stoiber zu Seehofer an. Die null PS für Demokratie lasse ich mal bei einem Adorno-Jünger gnädig außen vor, wusste nicht, dass dessen Anleihen am Frankfurter Stammtisch angekommen sind.