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Rechte Hetze im NahverkehrBerliner BVG beerdigt Nius

Die Werbekampagne des rechten Portals Nius ist Geschichte. Ein Post von Julian Reichelt brachte das Fass zum Überlaufen. Zuvor gab es viele Proteste.

Die BVG zieht zurück. Die Werbekampagne mit dem rechtspopulistischen Portal Nius in Fahrzeugen der Berliner Verkehrsbetriebe ist „mit sofortiger Wirkung“ beendet, erklärt die BVG am Freitag in einer Pressemitteilung.

Anlass ist laut BVG ein Social-Media-Beitrag, gepostet am 3. Juni 2026 vom Nius-Verantwortlichen Julian Reichelt. Der Post zeige ein Werbemotiv, das suggeriere, es hinge in einer Berliner U-Bahn. Die BVG stellt klar: Weder sei das betreffende Motiv Teil der seitens der BVG gebuchten Kampagne, noch sei es von ihr „freigegeben oder veröffentlicht“ worden.

Inhalt des vermeintlich in der U-Bahn platzierten Nius-Werbemotivs: „Wir werden immer beliebter bei sämtlichen beiden Geschlechtern“. Die Formulierung legt nahe, es gäbe keine Geschlechtsidentitäten außerhalb einer vermeintlichen Zweigeschlechtlichkeit. Das überschreite „aus Sicht der BVG und nach rechtlicher Bewertung die Grenzen der zulässigen Meinungs- und Werbefreiheit“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die BVG sehe sich als öffentliches Unternehmen an die Grundrechte, darunter auch Meinungsfreiheit und Gleichbehandlungsgesetz, gebunden: „Dies bedeutet auch, dass Werbeflächen grundsätzlich diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt werden müssen.“

Kritik wurde laut

Die Werbekampagne hatte bereits zuvor eine große Welle der Kritik ausgelöst – die taz berichtete über verschiedene Proteste.

Die BVG jedoch hatte die Verantwortung von sich gewiesen. Auch am Freitag wiederholte sie die Begründung, dass sie gegen die bisherigen Motive der Kampagne rechtlich nicht hätte vorgehen können: „Zum Zeitpunkt der Werbebuchung lagen der BVG und ihrem Vermarkter ausschließlich Werbemotive vor, die rechtlich nicht zu beanstanden waren“, so die BVG. Gegenüber der taz sagt eine Sprecherin, man sei von dieser Linie nicht abgewichen. Der aktuelle Post habe jedoch diesen Rechtsrahmen überschritten.

„Wir ziehen daher klare Grenzen dort, wo Rechte Dritter verletzt werden oder der Eindruck entsteht beziehungsweise bewusst erzeugt wird, rechtswidrige Inhalte würden von der BVG verbreitet oder gebilligt“, heißt es in der Pressemitteilung.

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28 Kommentare

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  • Ich finde das ehrlich gesagt verstörend.



    Der Hass und die Hetze von Nius richtet sich regelmäßig auf entwürdigende und entmenschlichende Weise gegen einen Großteil der Bevölkerung.



    Nur zum Vergleich die reinen Fakten der häufigsten Betroffenheit von Menschen durch die Diskriminierungen und der Hetze auf Nius:



    Menschen mit Migrationsgeschichte und Geflüchtete



    Direkter Bezug zu Migration und Asyl ist eines der zentralen Dauerthemen. Hetze gegen Linke und Grüne und deren Wähler ist Standard bei Nius. Ebenso gegen Öffentlich-rechtliche Medien. Gegen NGOs, zivilgesellschaftliche Initiativen und Aktivisten. Gegen Muslime als ganze Gruppe, immer nur in Zusammenhang mit Debatten über Migration, Integration oder Islamismus. Gegen Klimabewegung und Energiewende.

    All das war in Ordnung, aber erst die Hetze gegen circa 1 % der Bevölkerung führt zum Werbestop? D.h. alles andere wird dem untergeordnet und ist nicht gesellschaftlich genug relevant gewesen oder war Meinungsfreiheit?

    Mein Problem ist nicht, dass eine Minderheit geschützt wird, sondern dass ich den Eindruck habe, dass frühere Angriffe auf sehr viel größere Bevölkerungsgruppen nicht dieselbe Konsequenz ausgelöst haben.

  • 1. Laut Artikel hat "Nius" mit der von der BVG beanstandeten Aussage gar nicht auf BVG-Werbeflächen geworben. Es erschließt sich nicht, weswegen darauf eine Vertragskündigung gestützt werden könnte. Der Post erweckt übrigens nur den Eindruck, der Slogan werde in einem öffentlichen Verkehrsmittel plakatiert, aber nicht, dass er in einem Verkehrsmittel der BVG plakatiert werde.



    2. Die Aussage, es gebe 2 Geschlechter (und nicht mehr), hat mit der Anzahl möglicher "Geschlechtsidentitäten" nichts zu tun.



    3. Die Aussage, es gebe 2 Geschlechter und nicht mehr, überschreitet weder die Grenzen der Meinungsfreiheit, noch ist sie in anderer Weise rechtswidrig.

    • @Budzylein:

      Ihre Aussagen naiv zu nennen erscheint mir glatt zu höflich. Ist da jemand dem Kulturkampfunfug auf den Leim gegangen? Die Vielfältigkeit von Genderidentitäten steht alleine schon anhand der historischen und kulturellen Beispiele völlig außer Frage. Und wie der vorheroge Poster richtig anmerkt ist auch die Binarität der Geschlechtlichkeit hinsichtlich des biologischen Geschlechts in einem strengen Sinne unfug. Sprich: Zweigeschlechlichkeit ist die Konstruktion und wer darauf beharrt entweder ignorant oder (schlimmer) ein Hetzer, der zahlreichen Menschen ihre Identität und damit letztlich ihre Würde abspricht. Alles in der Hoffnung im rechtspopulistischen protofaschistischen Diskurs Zustimmung zu generieren. Fuck that!

    • @Budzylein:

      Das Zauberwort heißt Kontext.



      Aussagen sind immer im Kontext zu betrachten.



      Sie glauben nicht ernsthaft, das Leute wie Reichelt einen Unterschied machen zwischen Geschlecht und Geschlechtsidentität?



      Wenn das so wäre, gäbe es ja gar nichts für Nius zu wettern.

      Das mit zwei Geschlechtern ist auch nicht so eindeutig wie manche es gerne hätten.

      www.science.lu/de/...schlechter-gibt-es

      • @Frank Ropen:

        Ich weiß natürlich nicht, was Reichelt meint, aber ich gehe durchaus davon aus, dass erdm diese Differenzierung vornimmt. Ich habe nämlich noch niemals von irgendjemandem, der die Aussage "Es gibt nur 2 Geschlechter" vertritt, die Auffassung gehört oder gelesen, dass es auch nur 2 "Geschlechtsidentitäten" gebe. Eine derartige Behauptung wäre ja auch offensichtlich unsinnig, da die sog. Geschlechtsidentität ein empfundenes Geschlecht bezeichnet und eine Begrenzung auf 2 mögliche Kategorien von Empfindungen rational nicht begründbar wäre.

      • @Frank Ropen:

        Auch wenn es auf Chromosomenebene Variationen gibt, auf der eigentlichen Ebene, wie neues Leben entsteht, gibt es nur 2 Optionen: Samenzellen und Eizellen. Es gibt kein drittes Element, dass zur Zeugung erforderlich ist oder mit einem der anderen Elemente Leben schaffen könnte.



        Dass die Körper um diese beiden Elemente herum die unterschiedlichsten und auch uneindeutigen Formen annehmen können ist unbestritten, rechtfertigt aber nicht das grundlegende biologische Prinzip in Frage zu stellen.

  • Plan aufgegangen. Mit wenig Mitteln größtmögliche Reichweite erzielt. Selbst im Ausland wird berichtet.

  • Ich halte NIUS politisch und inhaltlich für fragwürdig und würde deren Positionen selbst nicht unterstützen.

    Trotzdem wirkt das Verhalten der BVG in dieser Sache komisch:

    Die Entscheidung über die Zulassung der Werbung lag ausdrücklich beim externen Dienstleister – die BVG hat diese Verantwortung bewusst ausgelagert und sich damit selbst aus der inhaltlichen Bewertung herausgenommen. Jetzt aber nutzt die BVG den satirischen (und sehr selbstironischen) Tweet von Julian Reichelt, um plötzlich doch inhaltliche Kontrolle zu beanspruchen und die zuvor genehmigte Werbung wieder entfernen zu lassen.

    Damit schiebt die BVG die Verantwortung einerseits auf den Dienstleister ab, greift andererseits aber politisch motiviert in dessen Entscheidung ein.

    • @Ralf Hartmann:

      Das Komische an der Situation ist mehr, dass Julian Reichelt so extrem dumm ist, dass er der BVG genau den Grund für die Kehrtwende liefert, den sie brauchte. Deswegen ist der Volksverhetzer aber weder Satiriker noch selbstironisch.

      • @Dorian Müller:

        Der Twitter-Post reicht nicht als Grund, der ist eindeutig Satire, auch wenn Herr Reichelt das möglicherweise nicht mit Absicht gemacht hat. Aber ich wollte hier hauptsächlich das Verhalten der BVG kritisieren.

        • @Ralf Hartmann:

          Wenn es keine Absicht ist von Reichelt, wie kann es dann Satire sein?



          Satire setzt Absicht beim Poster voraus.



          Es war ganz einfach Provokation, das ist nämlich sein Fachgebiet.

      • @Dorian Müller:

        Das war nicht komisch, das war Absicht.



        Andenfalls wäre das Thema versunken, so aber bleibt es in der Presse ganz oben.

        • @Astrid Sehnefeld:

          Mit komisch meinte ich das Verhalten der BVG: Im Fehlerfall waren es die Anderen...



          Ansonsten: Die Kosten der Freiheit sind es, dass auch Werbung für ein fragwürdiges "Nachrichtenmagazin" ertragen werden muss, solange keine Gesetzte übertreten werden. (Die BILD-Zeitung liegt auch offen zum Verkauf aus...)

    • @Ralf Hartmann:

      Reichelt ist weder satirisch noch selbstironisch. Er ist einfach nur ein rechtsextremer Hetzer.

      Also hat die BVG hier nun endlich konsequent durchgegriffen.

  • Abgesehen davon, das NIUS meiner Meinung nach nicht be empfehlenswert ist, zeigt sich hier, was von der BVG zu halten ist: Der Fehler wurde vom externen Dienstleister begangen (s. taz.de/Nius-Werbun...on-sich/!6181924/).

    Jetzt lässt aber die BVG die Werbung entfernen (nicht der externe Dienstleister), sie hat also doch den notwendigen Einflusss, aber der Grund ist fadenscheinig. Der Twitter-Post von J. Reichelt ist insgesamt betrachtet Selbstironie (und hätte die Titanic oder Böhmermann das gebracht, wäre dieser Sachverhalt natürlich leichter erkennbar...), sollte NIUS jetzt klagen, würden sie gewinnen.

    • @Ralf Hartmann:

      Selbstironie? Von Reichelt, Titanic, Böhmermann? Die tun sich doch alle schon mit Ironie schwer...

      • @Mondschaf26:

        Dass war wahrscheinlich wirklich keine Absicht vom Reichelt, ist aber Satire und Selbstironie geworden. Darum taugt es auch nicht als Argument, um die Werbung zu entfernen, es dürfte wahrscheinlich sogar selbst so benutzt werden. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr, da der öffentlich wirksame Effekt schon eingetreten ist...

        • @Ralf Hartmann:

          Es ist vermutlich nicht nur ein Effekt.



          „Es sucht sich endlich jeder selbst was aus" - Goethe

  • Mehr Reichweite konnte NIUS wohl kaum bekommen.



    Die vorzeitige Beendigung wird denn auch für weiteres mediales Interesse sorgen - somit bleibt das Thema im Gespräch und gleichzeitig muss NIUS nun nur einen Bruchteil der Werbekosten zahlen.



    Ich weiß nicht wer da wem auf den Leim gegangen ist, denn für mich ist es sehr gut vorstellbar, dass NIUS genau auf diese Reaktion von Anfang an gehofft hat.



    Die leben von Provokation. Das ist offensichtlich.



    Das ist das gleiche wie mit ihrem Redaktionssitz in Kreuzberg. Das ist definitiv auch kein Zufall.



    Und jedes Mal funktioniert ihr Trick und eine Empörungswelle bricht los, die Schlagzeilen produziert, die eine Reichweite generieren, die das Portal selbst niemals erreichen könnte.



    Ich sage nicht, dass Protest gegen NIUS falsch ist, aber die Art und Weise bisher ist jedes Mal ein aufgeschreckter Hühnerhaufen statt überlegter Reaktionen.



    Ich bin der Meinung, NIUS hat hier keine Niederlage eingesteckt, die haben genau das bekommen was sie wollten.



    Die AfD wird zumindest dankbar das Thema im Wahlkampf aufgreifen. Die Umfrage des RBB sieht sie gleichauf mit CDU, Grünen und Linken - es wird sicher nicht das letzte Manöver von rechts sein.

  • Genauso hatte es Nnius geplant. Jetzt berichten bundesweit Zeitungen und Internetportale aber auch Zb. N-TV und Deutschlandfunk darüber. Und jetzt will Nius gegen die BvG klagen. So hält man das Thema am köcheln, was eigentlich nur berlinweit relevant war.

  • Ich habe den Verdacht, dass Reichelt das ganz recht ist. Viel Geld ausgegeben für Werbung hat er nicht, aber der Effekt ist bemerkenswert.

    • @Huck :

      Der „Effekt“ ist doch im Mainstream überhaupt nicht wahrnehmbar. In der TAZ wird sich empört, NIUS stellt sich (wahrscheinlich) in die Opferolle und skandalisiert (Wie gesagt: „wahrscheinlich“, ich lese und verfolge NIUS nicht) und dem Rest ist es einfach egal. Die meisten Medien wissen nämlich, dass die bloße Skandalisierung NIUS eher zuträglich ist, anstatt das Ganze einfach zu ignorieren und der BVG die Arbeit zu überlassen (die sie am Ende ja m.M.n. ganz gut gemacht haben).

    • @Huck :

      Wahrscheinlich bekommt er jetzt noch Geld zurück...

  • Ist doch schön, dass das von der BVG so entspannt gelöst wurde: Zunächst einmal herrscht Meinungsfreiheit, so wie oben beschrieben. Das gilt dann auch für NIUS und entsprechend konnten Werbeflächen gebucht werden. Auch das die „Welle der Kritik“ dem kein Ende setzte halte ich für richtig, wie gesagt: Meinungsfreiheit gilt zunächst einmal für jeden, das muss man in einer Demokratie aushalten können. Aber in DEM Moment, in dem NIUS sich außerhalb dieser Grenzen bewegte, wurde das Ganze genauso entspannt gekündigt. Ohne Moralkeule, ohne Schaum vor dem Mund. Einfach auf den Rechtsrahmen beziehen und fertig. So wird es NIUS deutlich schwerer gemacht die "Opferkarte" zu ziehen und das andauernde „wir gegen die da oben“ zu wiederholen. Gut gemacht!

    • @MarsiFuckinMoto:

      Der (wahrscheinlich versehentlich) selbstironische und satirische Tweet von Reichelt reicht für die BVG leider nicht für ein Rücktritt vom Vertrag. Mal sehen, ob der klagt...

  • Na toll. Durch den Shitstorm hatte die Aktion Reichweite weit über Berlin hinaus, und jetzt müssen die wegen des Abbruchs vermutlich nicht einmal voll zahlen. Maximale Wirkung mit minimalem Einsatz.

    Hätte man den Quatsch nicht einfach wegignorieren können? Müssen wir über jedes Stöckchen springen, das die uns hinhalten?

    • @Bunte Vielfalt:

      Wegignorieren hat bisher auch nicht funktioniert.

  • Endlich mal 'ne GUTE Nachricht!

    Man sieht das wirklich untere Nivau.



    Die Geschlechter mal kurz aufgeteilt, den Feind erkannt. Die mögen uns nicht.



    Billig. Wie Reichelt selbst. Ekelhafte Aktion und ohne Erlaubniss Bildmaterial benutzt. Dumm. Deswegen dumm gelaufen.