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Regierung streitet über das BafögStudierende zählen nicht viel

Cem-Odos Güler

Kommentar von

Cem-Odos Güler

Statt geschlossen aufzutreten und den Koalitionsvertrag zu erfüllen, hintergeht die Union jene ohne Lobby: Die Studierenden.

L angsam drängt sich da eine Vermutung auf: Nutzt die Wissenschaftsministerin ihr Amt vielleicht zu Forschungszwecken? Dorothee Bär könnte da etwas ganz Heißem auf der Spur sein, nämlich der Frage, wie man eine veritable Regierungskrise auslöst.

Über Monate lang haben sich SPD und Union mit einer Frage auseinandergesetzt, die in einer überalterten Gesellschaft vielleicht als Randnotiz abgetan werden kann. Es geht dabei darum, wie Bildung zumindest etwas gerechter organisiert werden kann und der Geldbeutel der Eltern weniger stark darüber entscheidet, wer in diesem Land ein Studium aufnimmt.

Es war eine kontroverse, aber keine schlechte Diskussion. Finanz- und Forschungsministerium stritten darüber, welches Haus die Mehrkosten für die höheren Bafög-Sätze und die Wohnkostenpauschale bezahlen soll. Die Fach­po­li­ti­ke­r*in­nen im Bundestag steckten die Köpfe zusammen, auch die Ministerien waren dabei.

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Ein künftiger Forschungsgegenstand

Vor ein paar Wochen verkündeten alle Beteiligten dann genau die Einigung, die Union und SPD im Koalitionsvertrag versprochen hatten: Studierende erhalten ein bisschen mehr Geld, der Bafög-Antrag wird etwas weniger bürokratisch. Man hätte an dieser Stelle einen Haken setzen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen können. Entgegen aller Unkenrufe über ein frühzeitiges Ende der Koalition, hätte die Regierung gezeigt, Kompromisse auch über die Ziellinie führen zu können.

Das wäre schon deshalb nicht schlecht gewesen, weil Kanzler Friedrich Merz noch vor nicht allzu langer Zeit unter großem Applaus der SPD-Fraktion verkündet hatte, die Koalitionäre sollten sich gegenseitig weniger rote Linien aufzeigen. Doch was Wissenschaftsministerin Dorothee Bär und Unionsfraktionschef Jens Spahn jüngst markiert haben, ist nicht nur eine rote Linie, sondern ein fetter Strich durch die gesamte Rechnung der Regierung. Die Botschaft ist deutlich: Mühsam ausgehandelte Kompromisse gelten nicht, sie können jederzeit über ein Zeitungsinterview widerrufen werden.

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Nur dadurch, dass Studierende keine schlagkräftige Lobby haben, sorgt das ignorante Handeln der zuständigen Ministerin für einen nicht noch größeren Aufschrei. Doch sollte Bär ihre Haltung nicht bald überdenken, dürfte ihr Handeln von künftigen Wis­sen­schaft­le­r*in­nen als ein zentraler Moment analysiert werden: für das Scheitern der Regierung.

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Cem-Odos Güler

Cem-Odos Güler Redakteur

Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.
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7 Kommentare

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  • Es sind nicht nur Studierende die der derzeitigen Bundesregierung gleichgültig sind. Es sind auch Menschen der niedrigeren Einkommensstufen, es sind Frauen, die um ihre Rechte immer noch !!! kämpfen müssen, es sind Kinder, die in maroden Schulen lernen sollen, es sind Arbeitnehmer*innen (insbesondere Saisonarbeitskräfte) die nach wie vor gesetzwidrig ausgebeutet werden, es sind Rentner und Kranke . Nicht gleichgültig ist offensichtlich nur die Schicht der Besserverdiener, der Reichen/Super-Reichen und Konzerne.

    • @Perkele:

      Selbst bei niedrigen Stufen kann noch etwas abgehobelt werden, bis sie gänzlich eingeebnet sind.



      Abwarten, welche Späne in Sachen Gesundheit, Pflege, Wohnen und Bildung noch fallen...

      • @Erfahrungssammler:

        In diesem Fall schreibt man Spähne --- mit H ;-)

        • @Perkele:

          Das war auch mein Gedanke, aber dieser Spahn fällt nicht, sonst wäre es schon längst geschehen.



          Dafür müssten andere den Hobel halten, und bevor jetzt jemand mich missverstehen will: Nein, die von Rechtsaußen auf keinen Fall.

    • @Perkele:

      Je nachdem, wen ich als Besserverdiener definiere, werden auch diese durch die geplanten „Reformen“ nicht unerheblich belastet. Diese Regierung arbeitet gegen 99% der Bevölkerung, ausgenommen sind vor allem die, die ihr ererbtes Vermögen für sich arbeiten lassen.

  • Es geht ja nicht nur ums Bafög. So ziemlich alle Belange, die die junge Generation und mithin die Zukunft betreffen, werden derzeit mit Füßen getreten. Ob das die Bildung ist, die Möglichkeit ein bezahlbares Zimmer zu finden um bei den Eltern ausziehen zu können, das Klima oder was auch immer..



    Und gleichzeitig sollen eben jene jungen Menschen das Land an der Waffe verteidigen und die Schulden des (teilweise zweckentfremdeten) Sondervermögens tragen.







    Aber gut..die Wähler:innen der Schwarz Roten Koalition betrift das eher wenig und so werden eben deren Interessen bedient und eine Politik gemacht in der überholte Vorstellungen und einseitige Interessen die Zukunftsfähigkeit des Landes in Frage stellen.







    Warum bzw. wie lange sich die jungen Menschen das (noch) gefallen lassen, ist die eigentlich spannende Frage.



    Es gab Zeiten da waren besonders die Proteste von Studierenden ein wirksames Mittel um vieles in Gang zu setzen und zu verändern. Das gilt auch heute noch. Irgendwann werden die Studierenden sich nicht mehr mit den Brotkrumen irgendwelchen Konsumversprechen bei Laune halten lassen.







    Hoffen wir das der Kipppunkt bald einsetzt..er würde dem Land ganz sicher nicht schaden..

  • Das kann man ruhig verallgemeinern. Menschen ohne Geld zählen gar nicht.