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FC Bayern München mal wieder MeisterDie langweiligste Liga der Welt

Andreas Rüttenauer

Kommentar von

Andreas Rüttenauer

Können sich Spieler und Fans darüber überhaupt noch über den Meisterschaftssieg freuen? Oder sollte man mal über die unfaire Geldverteilung sprechen?

Die Luft ist schon lange raus Foto: Robert Kuehne/iStockphoto/getty images

K aum Tränen. Kein Fan, der fassungslos in die Kamera heult und greinend von sich gibt: „Dass ich das noch erleben darf!“. Kein Stadtteil, der von den Fans rot und weiß angepinselt wird. Keine nennenswerten Umsatzsteigerungen in der Münchner Innenstadtgastronomie. Irgendwelche feuilletonistisch angehauchten Reportagen darüber, wie wichtig das alles für die Region und überhaupt ist, werden schon lange nicht mehr geschrieben. Denn nichts ist wichtig, originell oder gar aufregend an der Nachricht, dass die Fußballer des FC Bayern München die deutsche Meisterschaft gewonnen haben. Und genau das ist das Problem.

Zum 35. Mal haben die Bayern nun den Titel gewonnen. Wieder mal stand lange vor dem Ende der Saison fest, dass sie nicht mehr einzuholen sein würden. Und wieder einmal tun Klub und Spieler alles, um auf möglichst peinliche Weise so zu tun, als würden sie sich wirklich freuen über den Titel. Dafür haben sie jenen irdenen Kakadu zum Jubeln mit in die Kabine genommen, den sie bei der Meisterfeier des vergangenen Jahres aus einem Münchner Nobellokal haben mitgehen lassen. „Er trinkt am liebsten Champagner“, wird dazu Mittelfeldspieler Leon Goretzka in der Bild-Zeitung zitiert. Viel Münchnerischer kann man seine Freude wohl nicht zum Ausdruck bringen.

Ob wohl der Kakadu im nächsten Jahr auch wieder mitfeiern darf, wenn die Bayern den Titel gewonnen haben? Das dürfte wahrscheinlich eine der spannendsten Fragen der folgenden Saison werden. Sportlich dürfte sie vor dem ersten Spieltag schon entschieden sein. Denn niemand kann mithalten mit den Münchnern, die 2024 nur deshalb einmal nicht Meister geworden sind, weil Bayer Leverkusen alles, aber auch wirklich alles gelungen ist und die Bayern mit Thomas Tuchel einen Trainer hatten, der alles, aber auch wirklich alles, was funktioniert hat, noch einmal ganz anders als seine Vorgänger machen wollte. Mehr als ein Betriebsunfall war das nicht.

Der Preis für ein paar gute Champions-League-Spiele

Am Wochenende wurde der VfB Stuttgart, der gemeinhin als eine der spielstärksten Mannschaften der Liga gilt, in der Arena der Münchner regelrecht vorgeführt. Dass Borussia Dortmund mal mehr als Platz zwei erreichen könnte, davon träumen mittlerweile nicht mal mehr Kinder, die in BVB-Bettwäsche schlafen. Es ist unvorstellbar. Wer soll auch mithalten mit einem Klub, der einem Stürmer wie Harry Kane so viel Geld zahlen kann, dass der sich südlich von London eine Villa bauen lässt, die es mit dem Buckingham Palace aufnehmen kann.

Jahr für Jahr wird der finanzielle Abstand zur nationalen Konkurrenz größer. Schon jetzt haben die Bayern durch ihren Einzug ins Halbfinale der Champions League 83,445 Millionen Euro an Startgeldern und Erfolgsprämien von der Europäischen Fußballunion Uefa kassiert. Die Einnahmen an den Heimspieltagen in der europäischen Eliteliga sind da noch gar nicht dabei.

Und weil auch die Einnahmen aus der Rechteverwertung der Bundesliga so verteilt werden, dass der Erste weit mehr bekommt als der Letzte, wird der Abstand zu den anderen Teilnehmern an diesem öden Wettbewerb namens deutsche Fußballmeisterschaft immer größer. Etwa 100 Millionen Euro kassieren die Münchner derzeit pro Saison von der Bundesliga. Ein solider Mittelklasseklub wie der SC Freiburg muss mit knapp 30 Millionen Euro weniger planen. All die Klubs, die nach den Regeln der Liga wirtschaften müssen, wissen, dass sie nie deutscher Meister werden können, wenn die Geldverteilerei auf diese Art weitergeht.

Die Eintönigkeit der Liga ist der Preis für die paar herausragenden Spiele, in denen der FC Bayern mal gegen europäische Topklubs glänzen kann oder wirklich kämpfen muss. Es ist ein hoher Preis. Die Schlussphase des Viertelfinalrückspiels gegen Real Madrid mag die ganze Fußballrepublik elektrisiert und etliche Kurvenfans derart emotionalisiert haben, dass sie gleich ein paar Pressefotografen über den Haufen gerannt haben. Die Bayern haben tatsächlich mal zehn Minuten lang für Aufregung gesorgt. Gar nicht mal so viel im Vergleich zu der jahrelangen Ödnis in der heimischen Liga.

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Andreas Rüttenauer
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12 Kommentare

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  • Sag ich ja:







    .....BOOAAH IS DAT LANGWEILIG....

    • @Wunderwelt:

      Hand aufs Herz: Wie langweilig wäre denn die Bundesliga in den letzten Jahrzehnten erst ohne den FC Hollywood gewesen?

  • Kann man so sehen. Und prinzipiell wünschen sich sicher alle Fans mehr Spannung an der Spitze.



    Aber ehrlich. Neben der alljährlich herausgekramten Zeitumstellungsdebatte, den Artikeln zum Tanzverbot an Karfreitag und dem zu Böllerverbot zu Silvester ist nichts vorhersehbarer und langweiliger als der obligatorische "Die Liga ist langweilig und die Bayern doof" Artikel.

  • Würde man diese (Neid) Diskussion auch führen wenn jetzt Dortmund, Leverkusen, Berlin oder Leipzig so viele Meisterschaften holen würden wie die Bayern ?

  • Eine Lösung für dieses Problem präsentiert aber auch Herr Rüttenauer nicht.



    Würden die Auszahlungen sich erhöhen, je schlechter man in der Abschlusstabelle steht, würde sich zum Saisonende die Attraktivität des Verlierens für nicht abstiegsgefährdete Clubs erhöhen.



    Trotzdem wäre m.E. eine gerechtere Verteilung möglich, man muss es nur wollen.

  • Der FCB war Ende der 1970er Jahre ein bestenfalls durchschnittlicher Verein wie viele andere auch. Es hatten damals viele eine ähnliche oder gar bessere Ausgangslage. Die Münchner stellten es halt schlauer an und hatten das fähigere Führungspersonal:



    "Nachdem er 1979 verletzungsbedingt bereits im Alter von 27 Jahren seine Spielerlaufbahn hatte beenden müssen, wurde er Manager des FC Bayern München und trug maßgeblich dazu bei, den verschuldeten und zuletzt sportlich mäßig erfolgreichen Club auf eine gesunde wirtschaftliche und sportliche Basis zu stellen." (Wikipedia über Uli Hoeneß)

    Das zahlt sich halt aus.

    • @Josef 123:

      Schon vergessen?



      Bei spiegel.de



      "Bayern-Kirch-Affäre



      Angriffswelle gegen den FC Bayern



      Bayern München bleibt in der Affäre um den Geheimvertrag mit der in Konkurs gegangenen Kirch-Gruppe unter Druck. Während sich die Konkurrenz immer noch lauthals über die Sonderrolle des Rekordmeisters beschwert, prüft die DFL derzeit die Rechtmäßigkeit des ominösen "Geheimvertrags".



      Damals weiter:



      "Auch der Wirtschaftsjurist Reinhard Rauball, früher einmal Präsident von Borussia Dortmund, äußerte die Ansicht, dass der im Jahr 1999 besiegelte Vertag, der dem FC Bayern München eine zusätzliche Einnahme von 21,47 Millionen Euro gebracht hat, nicht genehmigt worden wäre, wenn er der DFL vorgelegt worden wäre. "Es darf kein Sonderrecht geben. Fußball-Deutschland wird genau darauf schauen, ob der FC Bayern genau so behandelt wird wie jeder andere Verein, der gegen die Statuten verstößt", so Rauball in einem Interview mit dem Fachmagazin "Kicker"..."



      Wahrscheinlich für die meisten Schnee von gestern...



      [Schwamm drüber?]

  • Also ährlich: Da muss doch wat dran sein an die Bayern, wenn sogar Vereine wie Wolfsburch oder Hoffenheim ihr Stadion voll kriegen wenn die Bayern kommen.

  • Fakt ist aber auch, dass ohne einen leistungsmäßigen Spitzenverein wie den FC Bayern eben insgesamt weniger Geld zum Verteilen da wäre, damit auch z.B. weniger gute Spieler in der Liga zu halten wären oder überhaupt mal kämen. Man könnte eine spannende Bundesliga durch Entzug von Geld herstellen, die so ergebnisoffen wie derzeit die 2. und 3. Liga wäre. Allerdings würden die Teams auch auf dem Niveau der unteren Ligen spielen. In der notorischen Kritik an der Leistung der Bayernelf, die vor allem deutsche Kritik ist, zeigt sich doch nur das generelle Streben der Deutschen hinunter ins Mittelmaß.

    • @Vigoleis:

      "Man könnte eine spannende Bundesliga durch Entzug von Geld herstellen, die so ergebnisoffen wie derzeit die 2. und 3. Liga wäre. Allerdings würden die Teams auch auf dem Niveau der unteren Ligen spielen."

      Wenn ich mir die Spiele der 3.Liga in Deutschland so ansehe, ist dort das Niveau weitaus höher als beim medial gehypten Frauenfußball, egal ob Bundesliga oder Nationalmannschaft.



      Und vor dem Aufstieg der Zuschauermagneten Köln und HSV war der Zuschauerschnitt der 2.Liga in Deutschland weitaus höher als bei den ersten Ligen in Frankreich und Italien.

      Weltweit gibt es bestimmt viele Fußballkunden, die sich von Starensembles unterhalten lassen.



      Fußballfans wollen ihren eigenen Verein sehen, und sie wollen Spiele und Wettbewerbe, bei denen man nicht schon im Vorjahr weiß, wie sie ausgehen.

  • Hinrunde, Rückrunde, und am Ende sind die Bayern Meister. Öde.

    Man muss ihnen allerdings lassen, wass man ihnen lassen muss. Sie haben schon früh erkannt, dass professioneller Fußball inzwischen längst ein finanzielles Game ist, und haben ihre Marke auf Cashflow umgestellt, der unabhängig vom sportlichen Erfolg so viel Geld in die Vereinskasse spült, dass man sich leisten kann, anderen Clubs selbst gute Spieler einfach wegzukaufen und sie zugunsten eigener Spitzenkader als Gelegenheitsspieler einfach überwiegend auf der Bank sitzen zu lassen.

    • @Metallkopf:

      Das "anderen Clubs selbst gute Spieler einfach wegzukaufen" ist halt auch so eine Unwahrheit über die Bayern.



      In den letzten 10 Jahren hat Bayern 8 Spieler von anderen Vereinen in der Bundesliga gekauft, Dortmund hingegen 25.