Bayern besiegt Real Madrid: Eruption der Gefühle
In einem unterhaltsamen Rückspiel besiegt Bayern München erneut Real Madrid. Der Wille ist da, im Champions-League-Halbfinale auch Titelverteidiger PSG zu stürzen.
Es war kurz nach Mitternacht in der Münchner Arena, da trug Joshua Kimmich vor, warum so ein Abend auch seine Schattenseiten hat. Ein Abend, an dem der FC Bayern seiner an epischen Kapiteln reichen Champions-League-Geschichte ein weiteres hinzufügte – und einen Mythos wiederbelebte.
Dieses 4:3 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid sei „Drama pur“ gewesen, sagte Kimmich. Keines „auf hohem Niveau“ zwar, aber, wie er zugab, „sehr, sehr unterhaltsam“ für die Zuschauer.
Und erfolgreich für die Münchner, die nun ihren Traum von Triple weiterleben. Auf dem Weg zum Finale in Budapest Ende Mai wartet nun erst mal Titelverteidiger Paris Saint-Germain, für Kimmich die „wahrscheinlich derzeit formstärkste Mannschaft Europas“. Aber das alles hat nichts mit der erwähnten Schattenseite zu tun. Der Mittelfeldspieler sorgt sich um seinen Schlaf. „Man zählt die Stunden“, sagte er, Vater von vier Kindern. „Ab 7 Uhr brennt's, da ist nicht mehr viel mit Weiterschlafen.“
Klar, in der entscheidenden Phase der Saison ist gute Erholung wichtig, aber die Müdigkeit lässt sich leichter ertragen, wenn man nach zu kurzer Nacht mit dem Gefühl geweckt wird, etwas vollbracht zu haben. „So ein Spiel hat man nicht jedes Jahr“, weiß Kimmich. Ein Spiel, das mit einem Fehler des eine Woche zuvor beim 2:1 in Madrid noch überragenden Manuel Neuer und einem daraus resultierenden frühen 0:1 begann. Und in einer Eruption der Gefühle endete.
Gelbe und Rote Karten
Dazwischen bot das Duell fast alles, was eine Partie zwischen zwei europäischen Dauerrivalen bieten kann. Aleksandar Pavlović, Harry Kane und dann spät Luis Diaz konterten jeweils die Führungstore von Arda Güler und Kylian Mbappé, ehe Michael Olise noch der Siegtreffer gelang. Durch die Gelb-Rote Karte für Eduardo Camavinga in der Schlussphase, die man durchaus als hart bezeichnen kann, sah sich Real Madrid um den Erfolg betrogen.
Jenes Real, das in den vergangenen Jahren schon ein paarmal in entscheidenden Champions-League-Spielen sagen wir mal nicht unbedingt benachteiligt worden war, auch gegen den FC Bayern nicht.
In der ersten Halbzeit hatte auch Münchens Trainer Vincent Kompany die Gelbe Karte gesehen, die dritte im Wettbewerb und deshalb eine mit Folgen. Er ist im Hinspiel in Paris am 28. April gesperrt und muss auf der Tribüne Platz nehmen. „Ich habe den kompletten Glauben, dass es auch ohne mich funktioniert“, sagt Kompany.
Gegen den Titelverteidiger geht es nun also weiter, den die Münchner in der Vorrunde eine Halbzeit lang an die Wand gespielt haben, aber der sich – wie in der vergangenen Saison – nun in der Rückrunde gefunden hat und überragend auftritt. PSG wird den Münchner kein so wildes Spiel abverlangen, wie es Real getan hat, aber eine bessere Restverteidigung. Die hatte am Mittwoch lange etwas zu wünschen übrig gelassen. Aber dass der FC Bayern Widerstände überwinden kann, hat er gegen die Madrilenen bewiesen. „Es ist gut, wenn man mit zwei Siegen gegen Real weiterkommt und trotzdem das Gefühl hat, etwas verbessern zu können“, sagte Kimmich.
Der FC Bayern und der Ruf der Unbeugsamen
Spielerisch, meint er. Denn das, was Champions ausmacht, ist nicht nur die Kunst am Ball und mit dem Ball, sondern mentale Stärke, „der absolute Wille, sich immer wieder zurückzukämpfen“ (Kompany), „der Glaube daran, dass man Spiele drehen kann“ (Neuer).
Es ist nicht so, dass die Bayern nicht auch schon vor dieser Partie gewusst hätten, dass sie dazu fähig sind. „In letzter Zeit hatten wir viele so Spiele, die wir hinten raus dann noch entschieden oder gebogen haben“, sagte Kimmich. Gegen Freiburg an Ostern, davor fielen auch gegen Dortmund und Leverkusen späte Tore. Aber es hat ein anderes Gewicht, es in der Champions League im Duell mit dem Rekordsieger zu schaffen, als in der Bundesliga.
Die Bayern hatten sich einst in Europa den Ruf der Unbeugsamen erworben, jeweils nach Last-Minute-Tiefschlägen. Es waren die Niederlagen im Endspiel von Barcelona 1999 gegen Manchester und im Finale „dahoam“ 13 Jahre später gegen den FC Chelsea, die die Mannschaft anschließend jeweils zu den ganz großen Triumphen in Europa trieb – durch eine Wir-geben-nie-auf-Mentalität.
In dieser Phase war dafür kein singuläres Ereignis verantwortlich, wenn man mal von der verlorenen Meisterschaft 2024 absieht, sondern vor allem die Arbeit des Trainers, sein Führungsstil. Kompany schweißte die guten, sehr guten, außergewöhnlichen Spieler zu einer Mannschaft zusammen. Einer Mannschaft, die nun Großes schaffen kann.
Auch mit manchmal zu wenig Schlaf.
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