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Weg zur EnergiewendeBatterien reichen nicht, wir brauchen Speichergase

Bernward Janzing

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Bernward Janzing

Die Batteriespeicherkapazitäten haben sich verfünffacht. Doch für eine echte Energiewende führt kein Weg am Wasserstoff vorbei – und da hapert es.

Eine Batteriespeicherstation für Windenergie in Schleswig-Holstein Foto: Joerg Boethling/imago

D eutschlands Energiewende braucht dringend Stromspeicher. Insofern ist es eine positive Entwicklung, dass die Kapazitäten an Batteriespeichern in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut wurden. Gleichwohl sollte man diese Entwicklung nicht allzu euphorisch als Indiz einer sachgerechten Energiewende sehen, zumal die Zubauzahlen zuletzt sogar stagnierten.

Denn auch wenn die Batterielobby einen anderen Eindruck zu erwecken versucht: Mit Batteriespeichern alleine wird sich eine gesamte Volkswirtschaft nicht auf erneuerbare Energien umstellen lassen. Das zeigt schon ein einfaches Rechenbeispiel: Selbst wenn die Ziele der Branche für 2030 erreicht würden – Batteriekapazitäten von 100 Gigawattstunden –, könnte diese Menge an einem kalten Wintertag den Strombedarf in Deutschland nur für eine gute Stunde decken.

Eine Dunkelflaute, also Tage und Wochen ohne Wind und nennenswert Sonnenschein, ist mit Batterien nicht zu überbrücken. Batterien können alleine dem kurzfristigen Ausgleich dienen – etwa indem sie Mittagssonne für den Abend speichern, oder im Netz bei kurzfristigen Schwankungen die Last stabilisieren.

Doch die Energiewende braucht, wenn sie gelingen soll, auch saisonale Stromspeicher. Solche, die im Sommer mit Solarstrom gefüllt und im Winter entladen werden. Das kann aus heutiger Sicht nur durch die Herstellung von Speichergasen wie Wasserstoff gelingen.

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Die Politik weiß das grundsätzlich und verfasste bereits im Jahr 2020 eine Wasserstoffstrategie. Doch nun, da diese durch den Bau der ersten Elektrolyseure umgesetzt wird, scheint bereits in Vergessenheit geraten zu sein, warum man die Sache mit dem Wasserstoff überhaupt macht – wie gesagt, um die Stromüberschüsse aus Photovoltaik und Windkraft zu speichern. Doch Elektrolyseure entstehen derzeit nicht dort, wo häufig Strom im Überfluss vorhanden ist, sondern dort, wo gerade die Fördergelder hinfallen – zum Beispiel auch im Stromimportgebiet Süddeutschland. So offenbart der Ausbau von Speicherressourcen in Deutschland eine beängstigende Konzeptlosigkeit.

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Bernward Janzing
Fachjournalist mit Schwerpunkt Energie und Umwelt seit 30 Jahren. Naturwissenschaftler - daher ein Freund sachlicher Analysen.
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10 Kommentare

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  • Dass eine Dunkelflaute mit Batterien nicht zu überbrücken sei, ist falsch. Natürlich kann man das prinzipiell.



    Wenn man natürlich keine stationäre Batteriespeicher im großen Stil baut, wird man auch nie schaffen, nennenswerte Energiemengen "im Netz zu speichern", wie Bärbock es einmal unvorsichtigerweise andeutete.



    Die Technologie für stationäre Speicher muss auch keineswegs der für mobile Anwendungen entsprechen. Man muss nicht unbedingt mit extrem hohen Energiedichten arbeiten müssen. Auch NaS- und ähnliche Batteriespeichersysteme sind bereits verfügbar, kann man sich einmal anschauen. Für solche Speicher bräuchte man keinen Mangel an seltenen Rohstoffen zu befürchten, aber man muss sich anstrengen, es umzusetzen.

  • Der hochdiffundierende Wasserstoff ist bekanntlich nur aufwändig zu speichern (Druck/Temperatur).



    Daher sollte mensch erzeugtes Methan, deutlich einfacher zu lagern und ausgereifte Technik, zumindest doch auch nennen.

    Wasserstoff dient ansonsten leider zu oft als Beschwichtigungs-Verheißung, um die Fossil-Party mit dem jetzt schon Mordskater weiterzuprobieren. Suffizienz statt "Suff"!

  • Wie viel wir von welchen Energieformen wir brauchen, ist bei erneuerbaren Energien offensichtlich vom Wetter abhängig. Aber Wetterdaten haben wir eine ganze Menge. Also, warum gibt es keine Simulationen dazu? Welche Kombination von Windrädern, Photovoltaik, Batterien und Gas ist die günstigste Lösung für unser Energiesystem?

  • Naja, mit Gas-Kathie an der Spitze wird es auch nicht besser...

  • "Mit Batteriespeichern alleine wird sich eine gesamte Volkswirtschaft nicht auf erneuerbare Energien umstellen lassen... Doch die Energiewende braucht, wenn sie gelingen soll, auch saisonale Stromspeicher."



    Meine Rede seit anno Leipzig-Einundleipzig.



    "Das kann aus heutiger Sicht nur durch die Herstellung von Speichergasen wie Wasserstoff gelingen."



    Nein, mit Wassersoff geht das nicht. Er hat nur ca. 30 % der Energiedichte von Methan. Selbst wenn es gelänge, die Erdgasinfrastruktur (Pipelines, Speicher) auf Wasserstoff umzustellen, ginge da max. ein Drittel der Energiemenge rein bzw. der Leistung durch.



    Die benötigten Speicher- und Transportkapazitäten lassen sich nur mit Kohlenstoffverbindungen realisieren (E- und Biomethan, E- und Biofuels).



    BTW, benötigte Speicherkapazität; fragen wir doch einfach mal ChatGPT:



    "...dass der Speicherbedarf für die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien weit über die reinen Stromspeicher hinausgeht und auch die Bereiche Wärme, Verkehr und Industrie berücksichtigt werden müssen. Der tatsächliche Bedarf an Speicherkapazität für Deutschland könnte dann bei mehr als 1.000 TWh liegen..."

  • Dem letzten Satz kann ich 100% ig zustimmen "So offenbart der Ausbau von Speicherressourcen in Deutschland eine beängstigende Konzeptlosigkeit.!"



    Aber "Doch die Energiewende braucht, wenn sie gelingen soll, auch saisonale Stromspeicher. ... Das kann aus heutiger Sicht nur durch die Herstellung von Speichergasen wie Wasserstoff gelingen."

    Da gibt es noch viel bessere Lösungen. Z.B. Lageenergiespeicher, wie sie z.B. hier beschrieben sind:



    eduard-heindl.de/energy-storage/



    oder gravity-storage.com/

    Die verlangen einmal eine große Anfangsinvestition, weil der Preis pro gespeicherter bzw. gelieferter kWh erst bei großen Speichern auf 1-2 Cent fällt.



    Unternehmen machen das nicht, weil (deutsche) Unternehmen etwas so Großes nicht machen, solange der Gewinn nicht im nächsten Jahr garantiert ist. Und der Staat macht es nicht, weil man dem Staat ausgetrieben hat, irgendetwas zu machen, was theoretisch auch ein Unternehmen machen könnte. Dabei würde ein einziger Speicher in der Größe 1km*500m 1700 GWh speichern, also 17x mal so viel, wie man mit batteriespeichern bis 2030 erreicht haben will und nur ein paar Milliarden kosten.

  • Natürlich ist es konzeptlos, muss es ja sein. Denn wenn man ein Konzept machen würde, also erst mal nachdenkt welche Elektrolysekapazitäten man laut Fraunhofer ISE Studien bräuchte, und wo wir heute stehen, und was das kosten würde, und wie lange es dauern würde, ... das wäre ja total desillusionierend und defätistisch. Da würde man ja vom Glauben an Wind und Sonne abfallen und, Gott bewahre, zu Wasserkraft und Kernenergie finden. Das darf nicht sein. Die dt. Energiewende braucht Glauben und gute Gefühle; Realismus stört da nur.

  • Die Wasserstoffspeicher sind dann dort, wo sie am meisten benötigt werden. Dort wo besonders viele Menschen wohnen und wo viel produziert wird. Dort müssen sie zuerst errichtet werden, später weitere anderswo. Das Fachpersonal für den Ausbau kommt meist auch diesen Gebieten und hat immer weniger Bock, hunderte Kilometer entfernt von zuhause zu arbeiten. Mit der Bahn dorthin zu fahren ist salopp ausgedrückt Scheiß und mit dem Auto wirst du gemobbt aus der Grünrichtung, die Energie für Flugzeuge zum Fußballspiel oder frühem Feierabend ausreichend benötigt

  • Danke für den Kommentar, insbesondere die Schlussbemerkung!



    Leider hat die Idee mit den Elektrolyseuren einen Hacken. Um rentabel zu sein, müssen diese ständig in Betrieb sein und ausgelastet werden, wozu sie Strom benötigen, auch bei Dunkelflauten. Wobei wir mehr Dunkelheit haben als Flauten. Von daher gehören diese Anlagen in der Tat in den Norden. Eine Lösung sehe ich auch in der Speicherung von erneuerbarem Methan, da wir über entsprechend große Speicher und ein Verteilnetz verfügen. Letztendlich läuft es auf eine systematische Kombination von Elektrospeichern und Speichergasen (Wasserstoff und Methan) hinaus. Aber, siehe ihre Schlussbemerkung.

  • "Doch die Energiewende braucht, wenn sie gelingen soll, auch saisonale Stromspeicher. Solche, die im Sommer mit Solarstrom gefüllt und im Winter entladen werden. Das kann aus heutiger Sicht nur durch die Herstellung von Speichergasen wie Wasserstoff gelingen."

    Diese Schlussfolgerung setzt an einem falschen Punkt an, nämlich dass wir im Winter zu wenig EE erzeugen und somit "die Sonne" über die Saison speichern müssen.



    Ersten wird das leicht mit Wind aufgefüllt und zweitens gibt es noch andere Energieformen wie Erdwärme, die zwar im Invest hoch sind aber in den Betriebskosten erheblich besser als Wasserstoff.

    Mal abgesehen von anderen Grossbatterieformen wie Salz-Luft u.a.

    Wasserstoff als Speichermedium ist immer noch ganz ganz erheblich viel schlechter als direkte Stromspeicherung in Batterien. Und da ist noch lange nicht alles ausgereizt, das hat gerade zart angefangen.