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Zunehmende KlimaskepsisWenn die Hitze keine Lehre ist

Immer häufiger Dürren, immer mehr Brände und tropische Nächte – die Klimakrise ist spürbar wie nie. Trotzdem nimmt seit 2023 Klimaskepsis zu. Warum?

Immer größere Teile Europas brennen, immer mehr Menschen sterben an der Hitze. Schuld ist der zunehmende Klimawandel. Und verantwortlich für den Klimawandel ist der anhaltende CO2-Ausstoß der Menschheit. Trotzdem hält sich auch in Deutschland die Skepsis: War es nicht immer schon heiß? Ist das wirklich ein großes Problem? Selbst wenn sich das Klima verändert: Wie viel Anteil kann der Mensch daran schon haben?

Die Zahl dieser Kli­ma­skep­ti­ke­r*in­nen ist im Laufe der 2010er Jahre kontinuierlich gesunken. Bis 2023: Damals stellten verschiedene Umfragen einen Anstieg der Klimaskepsis fest.

Die Studie

Eine Studie im Fachjournal Global Environmental Change hat diesen Sprung zwischen 2022 und 2023 untersucht. Die beiden Flensburger Au­to­r*in­nen haben dafür Daten des GESIS-Panels genutzt, bei dem etwa 3.000 Erwachsene in Deutschland jedes Jahr befragt werden. Interessiert hat die Forschenden, ob die Teilnehmenden den Klimawandel für real halten, seine Folgen für gefährlich und den Einfluss des Menschen aufs Klima für ausschlaggebend.

Sie wollten aber auch wissen, ob die Befragten die Energiewende und den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie die CO2-Steuer und steigende Preise für klimaschädliche Produkte befürworten. An all den Punkten maßen sie „Klimaskepsis“. „Das ist nützlich, weil es klarmacht, dass Skepsis verschiedene Aspekte beinhaltet“, sagt der Politikwissenschaftler Jan Eichhorn, der nicht an der Studie beteiligt war. „Es macht einen Unterschied, ob jemand vorsichtiger bei den aktuellen Klimaschutzmaßnahmen wird oder den Anteil des Menschen am Klimawandel unterschätzt.“

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Das Ergebnis der Studie: 59 Prozent der Teil­neh­me­r*in­nen wurden über die diversen Aspekte hinweg skeptischer. Einer von vier Befragten stellte eher Klimawandel, Klimafolgen und menschlichen Einfluss infrage. Die For­sche­r*in­nen schreiben sogar, dass nicht nur die ohnehin Zweifelnden noch mehr zweifelten. Stattdessen beobachten sie „eine Verschiebung breiter Schichten der Bevölkerung“.

Entscheidend für wachsende Skepsis ist ihnen zufolge nicht Alter, Geschlecht oder Einkommen. Sondern wer politisch rechts stand, der Regierung misstraute und eher individualistisch und traditionsbewusst war, tendierte am ehesten zur Klimaskepsis. Und wegen des fossilen Energiepreisschocks 2022, der folgenden Inflation und der wirtschaftlichen Unsicherheit sei das Misstrauen in die Regierung gestiegen – beste Voraussetzungen für mehr Klimaskepsis.

Was bringt’s?

„Klimapolitik ist kein unabhängiger Bereich, sondern man muss ihn mit anderen Sorgen zusammendenken“, schließt Eichhorn aus der Studie. „Besser wäre es, das gemeinsam anzugehen und auch so zu kommunizieren: Wir können die Wirtschaft stärken und gleichzeitig das Klima schützen.“ Ein Gegenmittel gegen Klimaskepsis ist also: Klimagerechtigkeit.

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9 Kommentare

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  • Retsudo

    Das schöne an der konservativen Grundhaltung ist dass sie sich von selbst abschafft, da durch das festhalten an antiquiertem Denken, man sich selbst ins Abseits stellt und sich somit abschafft, die Schuld dann aber bei anderen zu suchen offenbart das kleingeistige und bildungsferne Weltbild der braunen Ideologie.

  • sollndas

    Wie wäre es mit ein paar positiven Meldungen, z.B.:



    "Deutschland hat seit 1990 seine CO2-Emissionen um 40 % reduziert. Dadurch haben wir den Planeten um 0,001 °C kühler gehalten."



    Wo bleiben die Attributionsforscher? Wieviel schlimmer wäre das Ahrtalhochwasser gewesen, hätten wir das nicht gemacht?

  • Gerhard Krause

    Keine Ahnung, wer es immer in diese Panels - na, und wenige 1000 Menschen 🤦- von wo aus schafft?! Die Deutung scheint mir zudem einseitig. Die Angst vor einem unsozialen Auswechseln der Energiequellen dürfte größer sein. Sobald Parteien Ideen eines sozialen Konzeptes für diesen Wechsel vorlegen, kommt der Heizungskeller in die Schlagzeilen, plus die rechte Idee von der Erzeugung von Nichtwissen.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Was im letzten Abschnitt steht, ist richtig: „Klimapolitik ist kein unabhängiger Bereich, sondern man muss ihn mit anderen Sorgen zusammendenken“, schließt Eichhorn aus der Studie.

    Aber dann verengt er es dann doch wieder zu sehr "Wir können die Wirtschaft stärken und gleichzeitig das Klima schützen."



    Das reicht nicht.



    Man muss soziale Gerechtigkeit, Wirtschaft und Klimaschutz gemeinsam angehen, nicht unabhängig voneinander. Jede einzelne Maßnahmen muss Soziale Gerechtigkeit, Wirtschaft und Klimaschutz gleichzeitig verbessern. Nur dann werden sie Unterstützung in einem breiten Teil der Bevölkerung bekommen.

    Das geht auch. Allerdings um den Preis, dass man die 5000 Milliardäre und Superreichen (>100 Mio. $) in Deutschland höher besteuern muss - um ca. 1,5-3,5% des Vermögens, entsprechend 50-100 Mrd. € pro Jahr, denn das Vermögen beträgt 3.400 Mrd.$.



    Das würde deren Vermögen nicht einmal verringern, denn es steigt mit 7-20% pro Jahr. Und es würde auch der Wirtschaft nicht schaden. Höchstens würden die Aktienkurse nicht so schnell steigen und etwas weniger Geld in KI investiert.

    • Jasmin Mittag

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Exakt so ist es.



      Ohne Vermögenssteuer geht garnix. Ab 100Mio 2% Beisteuern tut niemandem weh. Die merken das nicht mal.



      Kann man sich ja selbst fragen ob von 2000€ netto, einen 40€ für irgendwas ausgeben, auch nur im mindesten juckt.



      Um die Größenordnung geht es....



      In der Summe auf die 3400Mrd€ steuerbares Vermögen 2% ansetzen ist aber der Unterschied ob wir als einer der größten Emittenten unseren Scheiß mal gebacken bekommen

      • EchteDemokratieWäreSoSchön

        @Jasmin Mittag:

        Genau! Nur an dem "nicht merken" habe ich leise Zweifel. Die haben eine Buchhaltung. Und wenn von 100 Millionen 2 Millionen abgehen, wird das irgendwo auftauchen.



        Aber es wird die nicht in den Bankrott oder in die Armut treiben, noch viel weniger als wenn jemand der 2000€ verdient, 40€ für etwas ausgeben muss.

        Aber wie Sie es sagen: Dies 1,5-3,5% Steuer machen den Unterschied zwischen einem Staat, der funktioniert und mit dem mehr als 80% zufrieden sind und einem Staat, mit dem mehr als 80% unzufrieden sind und der deshalb auf einen Abgrund zusteuert.

        Dass alle führenden Politiker der etablierten Parteien sich trotzdem für die zweite Alternative entscheiden, lädt sehr große Schuld auf sie.

  • David Lejdar

    Mir selbst ist es ziemlich klar, dass man makroökonomisch viel besser dasteht, wenn statt zig Litern an Kraftstoff (wo bei Verbrennern zwei Drittel der Kraft direkt Abwärme, und Abgase) um einen Hintern in einer tonnenschweren Karre eine Strecke zu fahren, dies mit leichtem eFahrzeug, das sich nachts mit Windkraft "auftankt". Das ist eine Menge an Geld, das z.B. in Verbesserung von Wohnimmobilien fließen könnte, statt alle im Plattenbau mit fetten Karren vor der Tür.

    Ähnlich auch bei der Heizthematik, wo man eigentlich locker paar staatliche Ingenieure haben könnte, die das mal genau durchrechnen, wie viel Strom es also brauchen würde, um z.B. Fernwärme in Berlin neben Abwärme von Datenzentern mit eKesseln zu machen - und das mag vielleicht nicht so viel billiger sein als bei der Mobilität, aber auch das ist Geld, mit welchem lokal mehr Umsatz, statt irgendwelche Kriege mitzufinanzieren. Und Optionen wie "Wärmepumpe" für das ganze Dorf, u.ä.

  • Troll Eulenspiegel

    Siehe Tadzio Müller und seine Theorie der "Arschlochisierung".

    Menschen wollen Party machen, jetzt erst recht bevor es zu spät ist. Menschen fliehen vor der Verantwortung, wenn sie meinen "bringe doch nichts, weil andere Länder nicht mitmachen".



    Menschen wollen einfach ihr täglich Fleisch fressen und ihr Auto fahren weil es angeblich notwendig sei.

    Kurz: Menschen wollen es einfach so.

    Sollen wir dagegen vorgehen? Ja! Nur so beweisen wir, dass wir noch die Vernunft und die Intelligenz haben, die einen Schopenhauer oder einen Kant stolz machen würde, und unseren Namen "Homo Sapiens" zu Ehre tragen.

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @Troll Eulenspiegel:

      Es ist ja gut, wenn Menschen sich entscheiden, kein Fleisch zu essen und kein Auto zu fahren oder allenfalls e-Auto.

      Aber alle Menschen dazu zu bringen, das zu machen, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Im Gegenteil. Das wird eher schaden als nutzen, weil viele dann Widerstand leisten, z.B. indem Sie eine Partei wie die AfD wählen oder auch den CDU-Oberen sagen, dass Klimaschutz gefälligst nach ganz unten auf die Liste soll.

      Viel erfolgversprechender wäre es, die 5000 Milliardäre und Superreichen (>100 Mio. $), die von dieser fossilen Wirtchaft am meisten profitiert haben und immer noch profitieren (z.B. auch von den wahsinnigen Gewinnen der fosillen Unternehmen) etwas höher zu besteuern. schon 1,5-3,5 % von deren 3.400 Mrd. $ Vermögen pro Jahr würde reichen, um allen Mietern und allen Wohnungseigentümern eine Wärmepumpe vorzufinanzieren und zu garantieren, dass die Heizkosten ab jetzt nur noch 80% der vorherigen Heizkosten betragen werden. Dann wären alle Mieter sofort begeistert. Und allen, die ein kleines Auto kaufen wollen, so viel Förderung zu geben, dass ein e-Auto günstiger ist. Und wieder ein Deutschland Ticket für 9€ einzuführen. Das würde 100x mehr bringen als Zwang